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Lübeck Neues Gutachten: Linden überstehen Umbau nicht
Lokales Lübeck Neues Gutachten: Linden überstehen Umbau nicht
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15:02 01.12.2016
Gutachter Horst Stobbe, Bürgermeister Bernd Saxe und Bausenator Franz-Peter Boden begutachten die Linden. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Horst Stobbe steht neben dem Eishäuschen an der Untertrave und richtet den Blick in die Krone einer Linde. „Gucken Sie mal“, sagt er, „die Triebspitzen sind abgestorben.“ Er zeigt ans andere Ufer: „Da drüben, das ist eine Linde mit gesunden Trieben in der Krone. Das kann man von hier aus sehen.“ Stobbe, Baumsachverständiger und Geschäftsführer des Instituts für Baumpflege in Hamburg, hat im Auftrag der Stadtverwaltung die 48 Winterlinden an der Untertrave unter die Lupe genommen. Sein Ergebnis ist eindeutig, und es ist ganz im Sinne der Auftraggeber: Wenn der geplante Umbau der Untertrave stattfinden soll, können die Linden nicht erhalten werden.

Es ist das zweite Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. Die Kosten belaufen sich nach ihren Angaben auf einen mittleren vierstelligen Betrag. Der Sachverständige Andreas Scheel hatte im Mai den Linden einen schlechten Zustand attestiert, sehr zum Ärger des Aktionsbündnisses „Lübecks Linden leben lassen“. Einen Teil seiner Ergebnisse hatte das Bündnis damals als „lächerlich“ bezeichnet.

Das Ergebnis der neuen Expertise fällt für die Bäume aber nur etwas günstiger aus. 33 der 48 Linden könnten demnach „zehn plus x“ Jahre stehen bleiben, wenn nicht gebaut würde. Die meisten seien zwar „bereits als vergreisend zu bezeichnen“, aber „nicht fällbedürftig“. Stobbe: „Wenn überhaupt nichts gemacht würde, könnten sie stehenbleiben.“ Baumaßnahmen aber, die ja auch das Aktionsbündnis grundsätzlich befürwortet, würden zu einer weiteren Schwächung der Bäume führen. Dabei würden nämlich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ Wurzelschäden entstehen, „selbst bei einem vorsichtigen und großteils in Handschachtung zu erfolgenden Ausbau der im Wurzelbereich der Bäume vorhandenen Beläge und Einbauten“. So steht es in dem neuen Gutachten. 15 der Linden gibt Stobbe in jedem Fall nur noch fünf bis zehn Jahre, selbst wenn nicht gebaut werden sollte.

Grundsätzlich, sagt Stobbe, seien Linden als Stadtbäume gut geeignet. Aber die an der Untertrave hätten nach unten nicht genug Raum für ihre Wurzeln. Er zeigt daumendicke Wurzelstränge, die an der Oberfläche zwischen den Pflastersteinen zu sehen sind: „Ich war natürlich nicht dabei, als die gepflanzt wurden. Aber man sieht Wurzelwachstum in allen Ritzen und Fugen.“

Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) sieht in dem Gutachten eine Bestätigung seines Dezernats: „Die Fachlichkeit ist meinen Mitarbeitern mehr oder weniger abgesprochen worden“, sagte er mit Blick auf das Aktionsbündnis. Er betonte: „Wir verstehen etwas von Stadtbäumen. Das soll niemand leichtfertig in Frage stellen.“

Dem Aktionsbündnis lag gestern nach Aussage seines Mitglieds Ingrid Boitin nur eine Zusammenfassung des Gutachtens vor. Boitin bleibt dabei, dass Schäden am Wurzelwerk bei den Bauarbeiten vermeidbar seien. „Man muss in Handarbeit die Wurzeln freilegen. Wir möchten sie erhalten, weil sie alt sind und deswegen mehr CO2 binden als Jungbäume.“ Schließlich hätten sie sich an dem nicht optimalen Standort „wacker gehalten“.

Auf einer Informationsveranstaltung in der MuK geht es heute ab 19 Uhr um den Umbau der Untertrave und die Frage, ob dabei die Linden erhalten bleiben können. Das Linden-Aktionsbündnis hat eine Teilnahme auf dem Podium allerdings abgelehnt, weil es die Neutralität der Moderation anzweifelt. Am 18. Dezember dürfen die Lübecker über die Bäume abstimmen. 

 Hanno Kabel

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