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Lübeck Neues Gutachten lehnt Kaufland ab
Lokales Lübeck Neues Gutachten lehnt Kaufland ab
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20:17 16.07.2016

Der nordfriesische Projektentwickler Thorsten Schulze will auf dem früheren Schlachthofgelände 130 Wohnungen bauen und einen Kaufland-Verbrauchermarkt ansiedeln. Darüber tobt seit Jahren ein Streit in der Hansestadt. Jetzt liegt ein neues Gutachten der Hamburger Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung Lademann & Partner vor. Fazit der von der Bauverwaltung in Auftrag gegebenen Studie: Ein Kaufland mit 3800 Quadratmetern Verkaufsfläche (inklusive Getränkemarkt) würde umliegende Einzelhandelsstandorte schädigen.

Thorsten Schulze will das ehemalige Schlachthof-Gelände bebauen.

Ein Gutachten des Lübecker Beratungsunternehmens Cima, das zuletzt im August 2015 aktualisiert wurde, kommt zu einem anderen Ergebnis: Der Kaufland ist verträglich. Investor Schulze ist über das Ergebnis des neuen Gutachtens nicht erstaunt: „Die Verwaltung will unser Projekt absolut nicht.“ Karsten Schröder, Chef der Stadtplanung, kann die unterschiedlichen Bewertungen nicht erklären: „Das muss man die Gutachter fragen.“

Die FDP, die fest an der Seite des Investors steht, geht mit der Stadtplanung schwer ins Gericht. Schizophrenes Verhalten, das der Politikverdrossenheit der Lübecker Vorschub leiste, wirft Thomas Rathcke der Verwaltung vor. „Das neue Gutachten sagt nun wohl endlich das aus, was die Hauptakteure in dieser Sache hören wollen, nämlich dass das geplante Projekt auf dem ehemaligen Schlachthofgelände ungeeignet ist“, erklärt FDP- Fraktionsvorsitzende.

Die Stadtplanung hat aus ihrer Ablehnung eines Verbrauchermarktes dieser Größenordnung nie einen Hehl gemacht. Mal wurden drohende Umsatzverluste für umliegende Nahversorger ins Feld geführt, mal waren es Verkehrsprobleme in der Schwartauer Allee, die gegen den Kaufland sprachen. Die Stadtplanung hat den Politikern deshalb drei verschiedene Varianten vorgeschlagen, wie mit der Ruine verfahren werden könnte. Zwei Varianten sehen einen Ausbau des bestehenden Sky-Marktes auf 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche vor. Dadurch wäre auf dem Gelände des früheren Schlachthofs mehr Platz für Wohnungen. Die dritte Variante ist die Planung des Investors Schulze, der das Gelände vom ehemaligen Schlachthof-Betreiber Vion erworben hat. Schulze hat seine Pläne mehrfach überarbeitet, aber immer klar gemacht, dass er einen großen Verbrauchermarkt braucht, um den Wohnungsbau finanzieren zu können.

Die Cima-Gutachter aus Lübeck, die sich 2013 und nochmal 2015 mit dem Vorhaben befassten, kamen zum Ergebnis, dass der Kaufland dem bestehenden Sky- Markt zusetzen würde. „Ein mittel- bis langfristiger Marktaustritt dieses Anbieters kann nicht ausgeschlossen werden“, schlussfolgerten die Cima-Gutachter. Das sei aber nicht schlimm für die Bürger, die dort wohnen, weil der Kaufland mit einem attraktiveren Angebot die Rolle des Nahversorgers übernehmen würde. Andere Nahversorgungsstandorte in der Umgebung würden dagegen kaum beeinträchtigt.

Lademann & Partner kommen nun im Juni 2016 zum Ergebnis, dass ein Kaufland an konkurrierenden Nahversorgungsstandorten wie an der Schwartauer Landstraße (Famila, Aldi, Lidl) oder Ziegelstraße (Rewe, Aldi, Penny) für spürbare Umsatzrückgänge sorgen würde. Betriebsaufgaben könnten nicht ausgeschlossen werden. „Angesichts der Umsatzrückgänge muss davon ausgegangen werden, dass Sky im Falle einer Kaufland-Ansiedlung seinen Markt schließen wird“, erklären Lademann & Partner. Die Hamburger Gutachter schätzen, dass deutlich mehr Kunden in dem Kaufland einkaufen würden als im Sky, weil es Kaufland in Lübeck noch gar nicht gibt.

Die Stadtplanung stellt das neue Gutachten morgen im Bauausschuss vor. Dort wird es auch um die Frage gehen, ob Teile der seit zehn Jahren leerstehenden Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden sollen. Dass selbst Ruinen von der Denkmalpflege überprüft würden, sei ein völlig normaler Vorgang, betont eine Stadtsprecherin: „Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.“ „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Investor Schulze. Allenfalls die Pförtnerhäuschen habe er als schutzwürdig betrachtet. „Damit hätte ich kein Problem.“ Der Projektentwickler will jetzt die Beratungen im Bauausschuss abwarten und das Lademann-Gutachten auswerten. Eines sei aber klar, so Schulze: „Ich gebe nicht auf.“

In Zahlen

25 bis 26 Millionen Euro will der nordfriesische Projektentwickler Thorsten Schulze in das Gelände des früheren Schlachthofs investieren.

130 Wohnungen sollen auf dem Areal an der Schwartauer Allee entstehen. Zugleich ist ein Verbrauchermarkt mit Getränkemarkt, Apotheke, Friseur und Bäcker mit 3800 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant.

250 000 Euro hat der Investor in mehrere Gutachten gesteckt.

Kai Dordowsky

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