Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Neues Gymnasium? Lübeck braucht mehr Abitur-Plätze
Lokales Lübeck Neues Gymnasium? Lübeck braucht mehr Abitur-Plätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 11.06.2016
Ein Abiturjahrgang an der Thomas-Mann-Schule. Quelle: Maxwitat

Der von der Hansestadt beauftragte Bonner Gutachter Wolf Krämer-Mandeau sieht Handlungsbedarf bei der höheren Bildung in der Hansestadt.

Wege zum Abschluss

An sieben Gymnasien, dem Abendgymnasium sowie drei Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe können junge Leute ihr Abitur bauen. Aber auch die Berufsschulen bieten den Zugang zur Hochschulreife an – die drei Beruflichen Gymnasien sowie vier Berufsoberschulen. Schließlich führen auch das Bildungszentrum Mortzfeld und die Waldorfschule zum Abitur.

Mit einem neuen Gymnasium, einer weiteren Gemeinschaftsschule mit Oberstufe oder gar einem in Schleswig-Holstein bislang nicht bekannten Oberstufenzentrum könnte der „Abitur-Druck“ abgewendet werden.

Mehrere bestehende Gymnasien seien räumlich überlastet und nicht mehr in der Lage, „den Anmeldedruck abzufangen“.

Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) teilt die Einschätzung: „Es sieht so aus, dass Lübeck als prosperierende Großstadt tatsächlich ein weiteres Gymnasium oder eine weitere Gemeinschaftsschule braucht.“ Die Zahl der Grundschüler, die in den nächsten Jahren auf die weiterführenden Schulen wechseln, steigt um zehn Prozent. Durch die Zuwanderung ist die Zahl der schulpflichtigen Flüchtlingskinder seit Dezember 2015 von 150 auf 688 angestiegen. Nach Angaben des Bildungsforschers leben viele junge Eltern in der Hansestadt, und ein „ehrgeiziges Bauprogramm“ kurbelt den Bedarf an Schulplätzen weiter an.

„Ob es ein Gymnasium, eine weitere Gemeinschaftsschule mit Oberstufe oder ein gemeinsames Oberstufenzentrum für bestehende Gemeinschaftsschulen sein wird, muss die Politik entscheiden“, sagt Bildungssenatorin Weiher. Am Donnerstag präsentiert sie das Gutachten im Senat und im Schulausschuss der Bürgerschaft. Idealer Standort für ein neues Gymnasium oder ein Oberstufenzentrum wäre die Innenstadt, sagt Weiher auf LN-Anfrage. „Sollte das neue Wohnquartier an der Geniner Straße entwickelt werden, muss Lübeck eine neue Schule bauen“, bestätigt Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport, „und dann können wir auch über ein weiteres Gymnasium nachdenken.“

Dass Eltern immer stärker nach der besten Schulbildung für ihre Sprösslinge streben, sei eine gesellschaftliche Entwicklung nicht nur in Lübeck, erklärt Thomas Schmittinger, Leiter des Katharineums und Sprecher der sieben Gymnasien in der Stadt. Eine Entscheidung über weitere Oberstufen in der Hansestadt käme aber zum jetzigen Zeitpunkt zu früh. Durch die Verabschiedung des doppelten Abiturjahrganges im Sommer würden in den Gymnasien Klassen frei. „Und jede neue Oberstufe kostet ja auch viel Geld“, gibt Schmittinger zu bedenken.

Mehrere Gemeinschaftsschulen ohne Abitur melden unterdessen bereits grundsätzliches Interesse an der Einrichtung einer Oberstufe an – die Albert-Schweitzer-Schule, die Schule an der Wakenitz und die Emanuel-Geibel-Schule in der Innenstadt. Die Idee eines Oberstufenzentrums für mehrere Gemeinschaftsschulen kursiert bereits eine Weile in der Verwaltung. Denkbarer Standort wäre die frühere List-Schule in der Schwartauer Allee, die die Vorwerker Diakonie eigentlich als Obdachlosenunterkunft kaufen und umbauen wollte (die LN berichteten). Für die Gemeinschaftsschulen Tremser Teich, Gotthard Kühl, Julius Leber und Holstentor könnte dort eine gemeinsame Oberstufe eingerichtet werden. In den Berufsschulen hört man solche Überlegungen gar nicht gern. Die Dorothea-Schlözer- Schule, die Emil-Possehl-Schule und die Friedrich-List-Schule betreiben berufliche Gymnasien. „Die Zahl der Bewerber geht deutlich zurück“, berichtet Jörn Krüger, Leiter der Emil-Possehl-Schule. Früher habe es Wartelisten gegeben, heute stünden Plätze leer. Krüger: „Ist es sinnvoll, neue Oberstufen zu schaffen, wenn bei uns die Räume und Labore vorhanden sind?“

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige