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Lübeck Neues Leben im alten Elbe-Haus
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15:34 12.08.2016
Dirk Schuckar ist mit seinen Mitarbeitern unters Dach gezogen. Es ist kaum wiederzuerkennen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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Innenstadt

Der alte Schriftzug „Elbe-Haus“ über der Eingangstür ist verschwunden, stattdessen gibt es einen neuen, modernen. Christa Steder fällt das sofort auf. Auch beim Gang durch das Haus erinnert die alte Dame immer wieder daran, was hier einst war und dass es heute anders aussieht. Kein Wunder, „denn ich bin seit 1947 mit dem Haus verbunden.“ Ihr Schwiegervater Karl Steder hatte das Gebäude 1914 erworben, um hier eine Reederei, Lagerei und Hafenspedition zu errichten, 1937 hatte ihr Mann Bruno es übernommen.

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Dirk Schuckar ist mit seinen Mitarbeitern unters Dach gezogen. Es ist kaum wiederzuerkennen.

2014 erwarb es Matthias Dütschke, der selbst mit seiner Familie in der Großen Altefähre lebt. Da verstrahlten alle Räume den Charme der 1970er/80er-Jahre. Mehrere Schichten Teppich lagen auf den Fußböden, es waren Kunststofffenster eingebaut, dunkle Einbauschränke, in denen Aktenordner und andere Unterlagen lagerten, bestimmten das Bild, in einer kleinen Küche prangten noch Pril-Blumen auf den Fliesen.

1995 war Bruno Steder aus der Geschäftsführung ausgestiegen, die Firma gibt es seit 1998 nicht mehr, Steder verstarb im Jahr 2000. Seine Witwe versuchte, das Haus zu vermieten – nach Möglichkeit an jemanden, der etwas mit dem Hafen zu tun hat. Vergeblich. Jahrelang heizte sie das Haus ausschließlich, ohne es zu nutzen, bis sie endlich bereit war, sich davon zu trennen.

Szenenwechsel zum August 2016: Die Wände sind weiß, alles wirkt heller und freundlicher. „Es lagen vier Schichten Teppich über wunderbaren Pitchpine-Dielen“, sagt Architekt Dirk Schuckar. Die wurden freigelegt und abgeschliffen, im ganzen Haus sind doppelverglaste Holzfenster eingebaut, moderne Bäder und Küchen, neue Lichtschächte, eine komplett neue Haustechnik, das Dach wurde neu gedeckt. Rund 350000 Euro – mehr als ursprünglich gedacht – sind allein in den Umbau geflossen.

Entstanden sind zwei Altstadt-Wohnungen mit allem Komfort, die so schnell wie möglich vermietet werden sollen, sowie ein Architekturbüro im Dachgeschoss. „Schön, die weißen Wände und die Dielen“, räumt die alte Dame ein, als Dütschke und Schuckar sie durchs Gebäude führen. „Da war damals das Sitzungszimmer“, ruft sie beim Betreten des schicken Badezimmers der Erdgeschoss-Wohnung.

Im Dachgeschoss hat sich ebenfalls viel verändert. „Ganz früher“, weiß Christa Steder, „waren hier einzelne Dachkammern, in denen Sachen aufbewahrt und gelagert wurden, später wurde das Dachgeschoss als zentrale Buchhaltung genutzt. Da waren die alten Deckenbalken nicht sichtbar, jetzt sind sie freigelegt, und Schuckar hat einen kleinen Teil des alten Kriechbodens neu gestaltet. Irgendwann, wenn er eine passende Leiter hierfür hat, kann er nach Feierabend dort oben verweilen und mit Blick auf die Dächer der Altstadt „chillen“, wie er sagt.

„Es ist schon schön, wenn alles so neu und in Ordnung ist“, bemerkt Christa Steder anerkennend – „schade, dass mein Mann das nicht mehr sehen kann!“

Die alte Dame ist hin- und hergerissen zwischen ihren Erinnerungen an früher und dem neuen Anblick des alten Elbe-Hauses. Noch immer ist sie ein bisschen traurig, denn zu gern hätte sie das Haus im Maria-Magdalenen-Viertel an jemanden verkauft, der etwas mit Hafen zu tun hat. Doch auch die Straße, in der einst viele Seespeditionen und Reedereien beheimatet waren, hat sich verändert: Erst vor gut zwei Monaten zog mit der Firma F. H. Bertling das letzte Unternehmen dieser Art aus dem schmucken Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus.

Die Geschichte

1884 wird das Elbe-Haus, Große Altefähre 16, gebaut. 1914 erwirbt es Karl Steder, um hier eine Reederei und Hafenspedition zu errichten. Seit 1998 steht es mehr oder weniger leer. 2014 erwirbt Matthias Dütschke das Elbe-Haus. Er baut es mit Architekt Dirk Schuckar um. Inzwischen gehören die oberen beiden Etagen dem Architekten, der hier auch sein Büro hat.

 Sabine Risch

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