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Lübeck Neues Leben im alten Kontorhaus
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20:34 25.11.2016
Ein Schmuckstück aus vergangenen Zeiten ist die alte bemalte Holzdecke, die Karen Ibold und Helmut Loy restaurieren ließen. Mit vielen Fotos dokumentierte das Ehepaar die Haussanierung. FOTOS: WOLFGANG MAXWITAT

Es ist ein historischer städtebaulicher Schatz, der mit großem privaten Engagement und immensen Kosten bewahrt wurde: das alte Lübecker Kontorhaus in der Glockengießerstraße 28. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz nennt das Gebäude ein „bauliches Element des Weltkulturerbes Lübecker Innenstadt“. Johannes Schindler, Lübecker Ortskurator der Stiftung, überreichte der Hauseigentümerin Karen Ibold jetzt gemeinsam mit Kuratoriumsmitglied Dr. Raimund Becker-Ritterspach eine Bronzetafel mit dem Hinweis „Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glücksspirale“. Schindler lobte „die gelungene Restaurierung“, die von der Stiftung mit 15000 Euro unterstützt wurde.

2011 kauften die Eheleute Karen Ibold und Helmut Loy das Gebäude, aus dem in den 1970er-Jahren viel Historisches herausgerissen worden war – zum Beispiel alte Türen. Bei der Restaurierung der Innenräume des geschichtsträchtigen Kontorhauses stießen die Eigentümer im Obergeschoss auf drei wertvolle Decken: eine Stuckdecke und zwei bemalte Holzdecken. „Das hat unsere Planungen über den Haufen geworfen“, berichteten die Hauseigentümer. Denn der Überraschungsfund führte zwangsläufig dazu, dass die Innenräume unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Eine der Decken mit den alten Gemälden musste von Restaurator Jarek Kulicki komplett ausgebaut werden. „Es wurden hier wahrscheinlich im 19. Jahrhundert zwei bemalte Decken komplett heruntergerissen und ohne Ordnung wieder zusammengebaut“, beschrieb Kulicki damals die Situation.

Schwere Schäden wies die, so Becker-Ritterspach, „für ein Bürgerhaus ungewöhnlich reiche Stuckdecke auf“. Der Stuck mit seinen vielfältigen Ornamenten war vor Jahrzehnten brachial verlattet worden und verschwand hinter Gipsplatten. „Die schwer beschädigte Stuckdecke hat einem im Herzen wehgetan“, sagt Karen Ibold, die bekennt, dass sie „zu alten Häusern eine ganz besondere Beziehung hat“. Doch jetzt erstrahlt die Decke, die vermutlich im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts gefertigt wurde, nach einer akribischen Restauration wieder in alter Schönheit.

Johannes Schindler lobte bei der Übergabe der Bronzeplakette „den Elan, die Geduld, Leidensfähigkeit und Leidenschaft“ der Hauseigentümer, die mit „viel Wissen, Gespür und außergewöhnlichem Engagement“ das Gebäude zu neuem Leben erweckten.

Das Lübecker Kontorhaus, das 1248 erstmals erwähnt wurde, hat eine sehr lange und wechselvolle Geschichte. Es besteht aus dem vermieteten Vorderhaus mit Ladenlokal aus dem frühen 17. Jahrhundert, dem verlängerten Seitenflügel mit Barockgiebel, in dem die Hauseigentümer wohnen, und einem rückwärtigen, selbstständig stehenden Querhaus am Ende eines schmalen Hofs. Die Straßenfassade wurde in der Renaissance als Treppengiebel gestaltet. Im Vorderhaus befindet sich eine Diele mit teilweise historischem Gotlandplattenbelag. Die westliche Brandwand gliedern zwei große gotische Nischen. Eine Holztreppe des 19. Jahrhunderts führt in die Obergeschosse. Die Fachwerkkonstruktion stammt in Teilen aus dem Mittelalter. Wände, Böden und Decken sind heute neuzeitlich verkleidet. Der backsteinerne Seitenflügel entstand im 16. Jahrhundert, der Verlängerungsanbau stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Das Lübecker Kontorhaus ist nach Aussage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz „exemplarisch für die historisch überformten Parzellenbebauungen in der Hansestadt. Das historische Gebäude ist eines von mehr als 170 Projekten, die die private Denkmalstiftung „dank Spenden und Mitteln der Glücksspirale und der Rentenlotterie von Lotto allein in Schleswig-Holstein finanziell gefördert hat“.

Torsten Teichmann

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