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Lübeck Neues Naturschutzgebiet für den Priwall
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20:28 02.05.2016
Thomas Prass und Fabienne Weber bauen einen Elektrozaun auf.

Der Seeadler kreist über der Wiese, Graureiher stehen wie Statuen in Wasserlachen und Graugänse setzen zur Landung an. Ein Hase hoppelt querfeldein und vor den Füßen macht der Grasfrosch Sprünge. „Wir freuen uns mächtig“, sagt Matthias Braun, Vorsitzender des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer, während seine Gummistiefel immer tiefer im Schlamm des Biotops versinken. Die große Wiese im Zentrum des Naturschutzgebietes Südlicher Priwall ist für Menschen ein schwieriges Geläuf, aber für die Vogelwelt schlichtweg ein Paradies. „Und das soll wieder zu einem „Idealbiotop“ werden, beschreibt Braun das ehrgeizige Ziel.

Eine Heimat für den Kiebitz: Der seltene Vogel kann künftig auf der großen Feuchtwiese im Süden des Priwalls ungestört brüten.

Jahrzehntelang war die Wiese an Landwirte verpachtet worden. Die ließen dort das ganze Jahr über ihre Kühe grasen. Die Gelege der Kiebitze überstanden die Huftritte nur selten. Und waren es nicht die Kühe, dann war es der Fuchs, der den Kiebitzen den Garaus machte. Damit ist jetzt Schluss.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte ein Landwirt aus Mecklenburg die gepachtete Wiese an das Lübecker Liegenschaftsamt zurückgegeben. Seither wurde ein neuer Pächter gesucht. Nun ist die Entscheidung gefallen: Neuer Pächter der 20 Hektar großen Wiese wird der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer — zunächst für zwei Jahre zur Probe.

Der Verein, einer der größten Schutzgebietsbetreuer Schleswig-Holsteins, will Naturschutzmaßnahmen konsequent umsetzen: Kühe werden nicht mehr auf der Wiese grasen; dieses Recht haben nur noch die Schafe des Landschaftspflegevereins. Doch die Heidschnucken und Pommernschafe sollen auch nur im Sommer das Gras kurz halten, wenn die derzeit klitschnasse Wiese trockengefallen ist. Die Schafe sollen verhindern, dass das Gras zu hoch steht, dass Schilf, Büsche und Erlen nicht wuchern und die Wiese Wiese bleibt.

Die Gelege der Kiebitze, von den Vögeln direkt auf kleine Erdhuckel platziert, werden künftig mit Elektrozäunen geschützt. Die Füchse, die es mittlerweile in Überzahl gibt, werden ausgesperrt. Sie sind die größten Feinde dieses Vogels, der, so Braun, „sich in Deutschland auf dem absteigenden Ast befindet“. Die Mitarbeiter des Landschaftspflegevereins sind begeistert vom neuen Kiebitz-Projekt, das mit dem seit Monaten ersehnten Pachtvertrag Wirklichkeit wird. Braun: „Jetzt können wir auch auf der großen Feuchtwiese praktische Naturschutzarbeit direkt vor Ort betreiben.“

Ziel des Projekts: Den Kiebitz heimholen. Anfang der 1960er Jahre gab es auf der Wiese 100 Brutpaare dieses sensiblen Vogels, der in Südwest-Frankreich und Spanien überwintert und im Frühjahr immer dorthin zurückkehrt, wo er einst aus dem Ei schlüpfte. Dann drohte der Untergang des Kiebitz‘ in der Priwall-Region. In einem Radius von zehn Kilometern gab es nur noch acht Brutpaare. Die Füchse und die intensive Bewirtschaftung der Felder ließen den Bodenbrütern keine Chance.

Doch dieser Vogel kann augenscheinlich umdenken. 2015 wagten mehrere Kiebitze, deren Gelege anderenorts vernichtet worden waren, auf der Priwallwiese einen Neuanfang. 15 Küken schlüpften. Und viele von ihnen kehrten in diesem Frühjahr zurück. Fünf Gelege mit jeweils vier Eiern wurden von den Naturschützern bereits mit Elektrozäunen großräumig geschützt.

Die Naturschützer setzen auf die „Ortstreue“ der Kiebitze. „Wenn wir auf der großen Feuchtwiese auf 20 Brutpaare kommen, ist das ein großer Erfolg“, sagt Braun. Aber wer ihn kennt, weiß, dass er 100 vor Augen hat.

Paradies für Vögel

3000 Hektar groß sind die Schutzgebiete, die der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer im Bereich der Traveförde betreut. Es sind das Dummersdorfer Ufer, das Naturschutzgebiet Südlicher Priwall, der Dassower See und die Traveförde zwischen Schlutup und der Pötenitzer Wiek. Die Traveförde zählt zu den bedeutendsten europäischen Vogelschutzgebieten. Sie ist Brutgebiet für Tausende von Wasservögeln und Rastplatz der Zugvögel. Auf der großen Feuchtwiese im Zentrum des Naturschutzgebietes Südlicher Priwall tummeln sich Wiesenpieper, Schwarzkehlchen, Graugänse, Graureiher, Kampfläufer, Löffelenten, Bruchwasserläufer und Grünschenkel.

Von Torsten Teichmann

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