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Lübeck Neues zur mittelalterlichen Schifffahrt
Lokales Lübeck Neues zur mittelalterlichen Schifffahrt
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20:25 05.04.2014
An Deck der „Lisa von Lübeck“: Ulrich Bayer und Vortragender Reinhard Paulsen (l.). Quelle: Lena Schüch
Lübeck

Einen passenderen Ort hätte es in Lübeck für Reinhard Paulsens Vortrag wahrscheinlich nicht geben können: Unter Deck der „Lisa von Lübeck“, dem Nachbau eines spätmittelalterlichen Segelschiffes, stellte Paulsen unter dem Titel „Eine fremde Welt und doch vertraut“ die Geschichte der Schiffe des europäischen Mittelalters vor. Mit einem für manche Zuhörer überraschenden Ergebnis: Die Hanse ist nach Paulsens Forschungen bei dieser Entwicklung viel weniger wichtig, als bisher vermutet und gelehrt worden ist.

Doch der Reihe nach: Für rund 50 Stadtführer aus Lübeck sowie Mitglieder des Nautischen Vereins, des Verkehrsvereins und der Mitarbeiter der „Lisa von Lübeck“ hatte Ulrich Bayer aus dem Vorstand des Vereins für Lübecker Stadtführer den Vortrag organisiert. „Wer Touristen Lübeck zeigt, sollte auch über die Schifffahrt im Mittelalter Bescheid wissen“, so Bayers Meinung. Also setzte er sich mit dem Historiker Rolf Hammel-Kiesow von der Universität Kiel in Verbindung, der ihm als wissenschaftlicher Leiter der Konzeption für das Europäische Hansemuseum schließlich Reinhard Paulsen empfahl. „Ich habe gerade meine Dissertation zum Einsatz und Besitz von Schiffen im hansischen Fernhandel abgegeben“, sagte Paulsen. Das 900 Seiten starke Werk, das der 66-Jährige vor zehn Jahren noch während seiner Arbeit in der chemischen Industrie begann, liegt nun bei der Universität Hamburg zur Begutachtung. „Ich wollte mir zu meinem Beruf ein zweites Standbein aktivieren“, sagte der späte Doktorand, der 1974 einen Magister in Geschichte machte, „und habe meine alte Liebe zur Seefahrt und Hansegeschichte wiederentdeckt.“

Minutiös zeigt der 66-Jährige anhand von Folien, dass die Wurzeln der Schiffstypen des Mittelalters weit zurückreichen: Bis zu dem keltischen Stamm der Veneter zur Zeit der Herrschaft Caesars. Die Bauweise dieser Lastenschiffe war besonders auf den schweren Seegang abgestimmt, womit die Veneter den Römern im Atlantik überlegen waren. Skelettbauweise, Kraweelbeplankung und gerade Steven etwa zeichneten diesen Schiffstyp aus. Im Mittelalter wurden die Vorzüge dieses Schiffstyps im Norden zunehmend mit der des skandinavischen Kriegsschifftyps gekreuzt. „Es kam zu einer europäischen Hybridform“, erklärte Paulsen seinen Forschungsstand. „Der neue Typ zeichnete sich durch eine skandinavische Schalenbauweise, aber einen flachen keltischen Kraweelboden aus, der die Schiffe belastbarer machte.“ Mit der Vorstellung, dass es die Kogge nur als typisches Segelschiff der Hanse gegeben habe, räumte er auf: „Die Hanse hatte mit Schifffahrt nichts zu tun“, so Paulsen — und ruft damit einigen Unmut im Publikum hervor. „Das Schiffswesen war grundsätzlich städtisch, aber seine Standards waren länderübergreifend.“

Für Kontroversen wird Reinhard Paulsen vermutlich auch beim Hansetag wieder sorgen: Dann trägt er im Rahmen des wissenschaftlichen Programms seine Forschungsergebnisse noch einmal vor.

Lena Schüch

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