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Lübeck Neun Monate auf Bewährung für Polizisten
Lokales Lübeck Neun Monate auf Bewährung für Polizisten
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18:32 20.09.2013
Auf der Internetplattform Ebay wurde die gestohlene Polizeikleidung verkauft. Quelle: Screenshot: Ebay
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Lübeck

Björn K. hat wirklich alles verkauft. Nach eigenen Angaben hatte der 28-Jährige zum Schluss nur noch ein eigenes Hemd, eine Hose und ein Paar Schuhe für seinen Polizeidienst. Im Sommer 2012 hatte er außerdem seine Kollegen im 1. Revier bestohlen und die Kleidung anschließend bei Ebay veräußert (die LN berichteten). Gestern hat das Amtsgericht den Beamten deshalb wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und gewerbsmäßigen Betrugs zu neun Monaten auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Die Anklage lautete zunächst auf insgesamt 61 Fälle, am Ende konnte man Björn K. aber nur 42 zweifelsfrei nachweisen — bei den restlichen Verkäufen hatte der 28-Jährige seine eigene Berufskleidung veräußert, darunter auch den alten Anzug für die Einsatzhundertschaft. Unter seinen Kollegen bediente sich der Beamte aus dem mittleren Dienst bei Allwetter-, Leder- und Signaljacken, Hemden sowie Pullovern. „In einigen Fällen nahm der Angeklagte auch regelrecht Bestellungen entgegen“, sagte Richter Felix Spangenberg. Während der Dienstzeiten schrieb der 28-Jährige Verkaufsmails, nach der gewünschten Ware hielt er anschließend im Revier Ausschau. Außerdem stahl K. vier Pistolenholster und die Schirmmütze eines Kollegen aus dem gehobenen Dienst. Insgesamt verdiente der 28-Jährige etwa 4600 Euro.

Björn K. legte ein umfassendes Geständnis ab, die Diebstähle habe er aus Geldnot begangen. Der Familienvater ist verschuldet, die Nachricht über die zweite, ungeplante Schwangerschaft seiner Frau Ende 2011 machte ihn seelisch fertig. „Es blieb nicht viel finanzieller Spielraum“, sagte der 28-Jährige gestern. „Ich habe versucht, uns irgendwie da herauszubekommen.“ Die Idee sei ihm spontan gekommen. Eines Abends kam K. mit einer alten Diensthose nach Hause, die er eigentlich wegwerfen wollte. Doch als Test stellte er sie bei Ebay ins Internet. K.: „Die Resonanz war relativ groß.“ Also machte er weiter.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft verständigten sich vorab. Bei einem Geständnis sollte die Strafe nicht unter acht, höchstens aber elf Monate auf Bewährung betragen. Die Staatsanwaltschaft forderte letztlich zehn Monate und 100 Arbeitsstunden. Das Gericht reduzierte jedoch lieber die Bewährungsstrafe und verdoppelte die Stunden. Spangenberg: „Erfahrungsgemäß tut Arbeiten gut.“ K.s berufliche Karriere liege jetzt „in Schutt und Asche“, das wurde bei der Urteilsfindung berücksichtigt.

Seit September 2012 ist der 28-Jährige suspendiert. Seinen Beamtenstatus behält er vorerst, da die Strafe unter zwölf Monaten blieb. Jetzt wird aber das polizeiinterne Disziplinarverfahren gegen K. fortgesetzt — dieses ruhte bis zum Urteil.

pah

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