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Lübeck Nichts geht mehr: Lübecks Autofahrer sitzen in der Staufalle
Lokales Lübeck Nichts geht mehr: Lübecks Autofahrer sitzen in der Staufalle
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14:35 25.07.2016

Im Schneckentempo schleppt sich die Blechlawine durch die Neue Hafenstraße. Wildes Gestikulieren und lautes Hupen: Lübecks Autofahrer sind genervt. „Das ist wieder ganz große Kunst von der Stadt Lübeck“, ruft ein Lkw-Fahrer von seinem Bock herunter. „Wer hat sich denn den Blödsinn eigentlich ausgedacht?“, fragt ein anderer.

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Baustellen häufen sich – Auf den Straßen liegen die Nerven blank – Trotz vieler Touristen rechnet Verkehrs-Bereichsleiter Stefan Klotz in der Ferienzeit mit weniger Staus.

Drei Großbaustellen und zahlreiche kleinere halten den Verkehr in der Hansestadt auf: Im Süden, auf der Autobahn 20, wird der Asphalt erneuert. Der Verkehr zwischen dem Lübecker Autobahnkreuz und der Anschlussstelle Lübeck-Süd wird in beide Richtungen einspurig geführt. Im Norden der Stadt wird der Sandberg saniert – und dazwischen liegt die einseitig gesperrte Possehlbrücke. Dazu gesellt sich die Ratzeburger Allee, in der Moislinger Allee wird eine Fernwärmeleitung verlegt; und seit gestern wird ein Gasleck in der Hüxtertorallee/Ecke Moltkestraße geflickt – zwei Wochen lang. Am Montag kommt eine Fahrbahnsanierung der Solmitzstraße in Kücknitz und die Vollsperrung des Kobergs in der Innenstadt dazu.

„Ich weiß gar nicht mehr, wo ich noch langfahren soll – man kommt nicht mehr staufrei von A nach B“, sagt Gertrud Kahlmann, die im Stau auf dem Sandberg steht. „Gefühlt schießt gerade eine Baustelle nach der nächsten aus dem Boden – das finde ich unmöglich “, moniert die 60-Jährige. Aber stimmt dieses Gefühl? „Ja“, bestätigt Stefan Klotz, Bereichsleiter Stadtgrün und Verkehr. „Baumaßnahmen sollten aus fachtechnischer und wirtschaftlicher Sicht in einer wettermäßig guten Jahreszeit durchgeführt werden. Dazu eignet sich der Sommer besonders.“ Vor allem weil in den Ferien weniger Verkehr sei, könne großzügiger gebaut werden.

Von weniger Verkehr in der Hansestadt ist allerdings noch wenig zu sehen. „Von der A 20 fahren viele Richtung Stadt ab, um der Baustelle zu entkommen“, vermutet eine Autofahrerin. Dazu kommen dann die Verkehrsteilnehmer, die den Staus am Sandberg ausweichen. Dazwischen liegen die Staus, die die Sanierung der Possehlbrücke hervorruft, wie in der Wallstraße Richtung Mühlentorteller. Wenn zu den Baustellen-Staus noch die Rushhour kommt, wird es in und um Lübeck richtig eng.

„Es ist immer leicht zu meckern, aber bauen muss man nun einmal“, sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein. Wenn Instandhaltungsarbeiten aus Geldmangel lange aufgeschoben würden, gebe es viele Baustellen gleichzeitig. „Nur weil Ferienzeit ist, kann man aber auch nicht von Juli bis September nichts machen – so funktioniert das nicht“, stellt Evert klar. Die Häufung von Autobahnbaustellen und kommunalen Baustellen sei aber ungewöhnlich, das müsse besser abgesprochen werden.

„Zwischen dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr und unserem Bereich Stadtgrün gibt es jährlich vier Dienststellengespräche, bei denen wir vorausschauend alle Baumaßnahmen abstimmen“, hält Klotz dagegen. Notfälle wie das Gasleck in der Hüxtertorallee seien zudem nicht steuerbar. Und: Mit noch größeren Staus rechnet Klotz nicht. „Allerdings haben wir sehr viele Touristen in der Stadt. Das kann zu Behinderungen im Verkehr führen.“ Die Lübecker brauchen also weiterhin starke Nerven und viel Geduld.

Eine Feuerwehrampel

Der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung macht sich für eine Feuerwehrampel an der Possehlbrücke stark. Die Einsatzwagen müssten dann nicht über andere Wege ausweichen.

Rettungsgassen würden wegen der Baustellen bisher kaum gebildet.

CDU-Sozialpolitikerin Heidi Menorca fordert vom Senator ein Konzept, das zeigt, welche Straßen im Einsatz befahren werden müssen. „Es ist traurig, dass die Hansestadt das nicht im Blick hat und die Politik warnend eingreifen muss“, erklärt Menorca.

Tomma Petersen

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