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Lübeck 50 Schüler beim Norddeutschen Klettermarathon in Lübeck
Lokales Lübeck 50 Schüler beim Norddeutschen Klettermarathon in Lübeck
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21:09 24.04.2018
Von Höhenangst keine Spur: Sicher und routiniert erklimmt Lennert Meißner (14) die gut zwölf Meter hohe Wand im Kletterpark „Urban Apes“. Im Sommer schon warten neue Herausforderungen. Dann geht es zusammen mit der Kletter-AG in den Harz und direkt „an den Felsen“. Quelle: Fotos: Felix König
St. Jürgen

Thure ist am Dienstag der jüngste Kletterer beim Schülerkletter- Marathon. Der Achtjährige spannt seinen ganzen Körper an, streckt seinen Arm so hoch wie möglich, um an den nächsten Griff an der zwölf Meter hohen Kletterwand zu gelangen. Seine Beine zittern leicht vor Anstrengung. „Drück dich hoch!“, feuern ihn von unten die Mitschüler Bosse (10) und Gulia (10) an. Nur mit seinen Zehenspitzen steht Thure auf den schmalen Griffen, dann springt er leicht hoch, hält sein eigenes Körpergewicht nur mit den Fingern am Griff. Jetzt ist er ganz oben. „Mach zu!“, ruft Thure nach unten. Bosse zieht das Kletterseil straff, Gulia kontrolliert den Sicherheitsknoten, dann lassen sie Thure langsam am Seil herab, bis er wieder festen Boden unter den Füßen hat.

50 Schüler aus Lübeck und Umgebung sind am Dienstag beim Norddeutschen Kletter-Marathon im Lübecker Kletterzentrum „Urban Apes“ gegeneinander angetreten. Das Gewinnen sei dabei nebensächlich, sagt Veranstalter Axel Wernicke. In der Höhe gehe es vor allem um Vertrauen.

Auf einem Zettel notieren sie ihre Erfolge an diesem Tag. Zweieinhalb Stunden Wettkampfzeit sind für die 50 teilnehmenden Schüler im Alter zwischen acht und 18 Jahren vorgesehen. Sie gehen in Dreierteams an den Start: Einer klettert hoch, zwei sichern vom Boden aus. Gemessen werden der Schwierigkeitsgrad und die Anzahl der gemeisterten Routen sowie die insgesamt gesammelten Klettermeter.

Der Vorteil der Jüngsten: Sie sind im Gegensatz zu den älteren Wettkampfgruppen viel leichter, können sich schneller an den Griffen hochziehen und brauchen nicht so viel Kraft. „Sie haben auch noch nicht so viel Angst vor der Höhe“, sagt Schulleiter Michael Cordes. Der Kletterbegeisterte begleitet die Grundschüler in der Halle, kontrolliert, dass sie korrekt mit Karabiner und Sicherungsknoten umgehen. „Von Nachteil ist allerdings, dass die Kleineren an manche Griffe nur schwer herankommen“, erklärt der Sportlehrer.

Ein paar Meter weiter klebt Lennert Meißner dicht an einem herausfordernden Stück Wand. Der 14-Jährige von der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg ist begeisterter Kletterer. Jeden Dienstag trainieren er und Mitschüler Hauke und Ben an der schuleigenen Kletterwand. Angst vor der Höhe habe das Dreierteam schon lange nicht mehr. Manch eine Route sei allerdings etwas aufregend. Etwa, wenn es einen Überhang gibt. „Dann schwingt man von der Wand auch mal ein paar Meter zur Seite“, sagt Lennert.

Neele Lachmann klettert am Dienstag für das Lübecker Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium. Die 14-Jährige sagt: „Beim Klettern komme ich an meine Grenzen.“ Es sei ein Erfolg, wenn sie sich bei den Routen an der Wand stückchenweise steigere. Zum Klettern gekommen ist auch sie durch die Kletter- AG an ihrer Schule.

Die leitet Sportlehrer Axel Wernicke. Er veranstaltet den Klettermarathon bereits zum vierten Mal. So können sich die jungen Sportler untereinander kennenlernen und einmal rauskommen aus dem Klassenzimmer.

Klettern sei in Schleswig-Holsteins Schulen immer populärer geworden. In vielen Sporthallen gebe es eine Kletterwand und eine dazugehörige Kletter-AG. Manche Lehrer fahren mit ihren Schülern sogar ins Gebirge und trainieren am Felsen. „Das ist dann nochmal etwas ganz anderes“, sagt Wernicke. Während es in der Halle gut markierte Griffe gibt, muss man sich am Felsen seine Route selbst ertasten.

Wernicke bietet auch Fortbildungen für Sportlehrer an. Seine Überzeugung: „Beim Sichern des Partners lernen die Jugendlichen, sich gegenseitig zu vertrauen.“ Die Angst vor dem Fall in die Tiefe sei eine rein subjektive. Objektiv gesehen könne da nichts Gefährliches passieren, höchstens mal eine Schürfwunde am Knie. Wichtig sei es dafür aber, den Umgang mit Seil und Sicherungsgerät zu erlernen.

Klettersport in Lübeck

In einer ehemaligen Werkhalle in Lübeck gibt es seit 2012 das Kletterzentrum „Urban Apes“ mit bis zu 14 Meter hohen Wänden. Seit vergangenem Jahr gibt es dort auch eine Boulderhalle. Während man beim Seilklettern vorher einen Sicherungskurs gemacht haben muss, können sich Anfänger ohne Vorkenntnisse und ohne Seil beim Bouldern ausprobieren.

Rund 150 Sportler besuchen die Halle am Tag, ein Jahresabonnement haben 800 Personen, sagt Trainer Gunnar Rodde. Weitere Informationen im Internet: www.urbanapes.de

 Saskia Bücker

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