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Lübeck Nordische Filmtage brechen Besucherrekord - Festival-Chefs zufrieden
Lokales Lübeck Nordische Filmtage brechen Besucherrekord - Festival-Chefs zufrieden
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22:57 04.11.2013
Voll war's mal wieder: Die 55. Nordischen Filmtage hatten so viele Zuschauer wie noch nie. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Lübecker Nachrichten: Es ging wieder alles sehr schnell, die 55. Nordischen Filmtage Lübeck sind vorüber. Wie zufrieden sind Sie mit dem diesjährigen Festival?

Christian Modersbach: Sehr zufrieden. Das Feedback der Gäste und der Zuschauer war gut. Ich glaube, den Leuten hat‘s gefallen. Und uns hat‘s auch gut gefallen. Man merkt ja relativ schnell, ob es irgendwo hakt. Das war nicht der Fall. Auch für die neuen Formate, zum Beispiel den Dokumentarfilmtag und die Masterclass mit Joshua Oppenheimer, haben wir positive Rückmeldungen bekommen.

Christian Modersbach (42) ist Festival-Manager, Linde Fröhlich (59) ist künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage.

LN: Für den Eröffnungsfilm aus Island gilt das zumindest nicht uneingeschränkt. „Von Pferden und Menschen“ hat einige sehr harte Szenen. Etliche Zuschauer haben das Kino verlassen. Haben Sie Ihnen zuviel zugemutet?

Linde Fröhlich: Ich denke nicht. Filme bilden das Leben ab. Und es gibt in Europa noch Gegenden, die sehr archaisch geprägt sind. Der Film zeigt in sehr konzentrierter Form die menschlichen Grundemotionen wie Glück, Leidenschaft, Schmerz, Leid. Ich finde, der Film findet ein gutes Mittel zwischen tragischen und komischen Geschichten. Er hat einen sehr nordischen Humor. Grundsätzlich finde ich es außerdem positiv, wenn Filme unterschiedlich aufgenommen werden. Dann kann man sich darüber im Anschluss trefflich auseinandersetzen und dabei vielleicht zu neuen Erkenntnissen gelangen.

LN: In den vergangenen Jahren sind die Filmtage mit wesentlich leichteren Stoffen gestartet. Nach welchen Kriterien suchen Sie den Eröffnungsfilm aus?

Fröhlich: Ein Eröffnungsfilm soll eine deutsche Premiere sein. In diesem Jahr hatten wir von 16 Wettbewerbsbeiträgen 13 Kandidaten, die in Frage gekommen wären, also 13 Filme, die wir als deutsche, beziehungsweise als europäische oder internationale Premiere gezeigt haben. Wichtig ist aber auch, dass möglichst viele Mitglieder des Filmteams Zeit haben, nach Lübeck zu kommen. Vor allem aber soll der Eröffnungsfilm den Takt vorgeben für das Gesamtprogramm.

LN: Im vergangenen Jahr waren in Lübeck viele international bekannte Filmemacher vertreten, zum Beispiel Thomas Vinterberg oder Susanne Bier. Wie kommt das Festival ohne solche große Namen aus?

Zum Thema: Ein Preis, zwei strahlende Sieger

Fröhlich: Es war nicht das Festival der ganz großen Namen, aber durchaus der großen Namen, zum Beispiel Søren Kragh-Jacobsen oder Lukas Moodysson. Außerdem hatten wir viele junge Talente dabei, von denen ich überzeugt bin, dass sie ihren Weg im Filmgeschäft gehen werden.

LN: Beim NDR-Filmpreis gibt es zum zweiten Mal in Folge gleich zwei Gewinner. „Der Nordwesten“ des Dänen Michael Noer und „Ich bin Dein“ von Iram Haq aus Norwegen. War sich die Jury nicht einig und hat deshalb zwei Sieger ausgerufen?

Fröhlich: Das ist sicher von Mal zu Mal unterschiedlich. Ich glaube, dass es in diesem Jahr tatsächlich schwierig war, sich zu entscheiden, weil es ein durchgängig starker Jahrgang war. Das zeigt sich im übrigen auch darin, dass die meisten Jurys zusätzlich zum Gewinner eine lobende Erwähnung für einen anderen Film ausgesprochen haben.

LN: Den LN-Publikumspreis hat mit „Kertu“ ein Film aus Estland gewonnen. Konnte man damit rechnen?

Modersbach: Wir rechnen lieber mit nichts. Das Publikum ist ja die größte Jury des Festivals, und es ist unmöglich vorauszusehen, wie ihre Entscheidung aussehen könnte.

LN: Mitten ins Festival ist die schlimme Nachricht geplatzt, dass die Filmtage auf der Sparliste des Bürgermeisters stehen und über eine Kürzung des städtischen Zuschusses nachgedacht wird. Muss man sich jetzt Sorgen um den Fortbestand der Nordischen Filmtage Lübeck machen?

Modersbach: Wenn man das diesjährige Festival betrachtet, beantwortet sich diese Frage von allein.

LN: Hinter Ihnen liegen arbeitsreiche Monate. Werden Sie sich nun ein bisschen langweilen?

Modersbach: Ich glaube nicht. Ich werde jetzt Zeit haben, ein Nina-Hagen-Konzert zu besuchen. Dann fangen schon bald die Nachbereitung des Festivals und die Planungen für 2014 an.

Fröhlich: In den nächsten zwei, drei Tagen wird es darum gehen, das Schlafdefizit auszugleichen und den Schreibtisch aufzuräumen. So bekomme ich den Kopf frei für Neues. Am Freitag fängt für mich dann das Jahr 2014 an, ich werde nach Vilnius fahren und vielleicht schon die ersten Filme für das nächste Festival sehen.

 Interview: Liliane Jolitz

Zahlen und Preise fürs Publikum
Die 55. Nordischen Filmtage Lübeck wurden von 27 900 Gästen besucht — ein Rekord. 2012 waren es 27 500. Einen Rekord stellt auch die Zahl von 163 Produktionen dar, die an fünf Festivaltagen gezeigt wurden. Die 56. Nordischen Filmtage finden vom 29. Oktober bis zum 2. November 2014 statt.

Verlosung: Wer an der Abstimmung zum LN-Publikumspreis teilgenommen hatte, konnte erstmals selbst gewinnen. Am Beginn der letzten Vorstellung des estnischen Publikumspreis- Siegers „Kertu“ wurden ausgelost:
Luisa Trog aus Lübeck — sie gewinnt eine Reise für zwei Personen zum Internationalen Filmfest nach Tromsö ( Norwegen) samt Flug und zwei Hotelübernachtungen;
Volker Schiefer aus Hannover — er erhält eine Fährpassage mit der TT-Line für vier Personen inklusive 4-Bett Außenkabine und Pkw-Beförderung .
CineStar-Kino-Gutscheine bekommen Horst Pütz aus Kiel, Dietmar Radspieler aus Süsel und Michael Dünckmann aus Lübeck.
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