Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Obdachloser in Lübeck gestorben: Helfer fordern Kältebus
Lokales Lübeck Obdachloser in Lübeck gestorben: Helfer fordern Kältebus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:28 26.11.2018
Am Durchgang zwischen Hauptbahnhof unf Zob soll der tote Obdachlose gefunden worden sein. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

An fünf Abenden pro Woche machen sich Jan Rühmling und sein zehnköpfiges Team der Obdachlosenhilfe auf den Weg durch Lübeck. Sie verteilen frisch gekochtes Abendessen, Schlafsäcke und Kleidung. Und sie haben Zeit für ein kleines Gespräch. Die Initiative, die sich vor rund drei Jahren gegründet hat, betreut Menschen auf der Straße. Insgesamt sind es in Lübeck derzeit 15 bis 20 Obdachlose.

Jan Rühmling leitet die Obdachlosenhilfe Lübeck und will einen Kältebus nach Lübeck holen. Quelle: privat

Kältetod am Zob

Doch in ihrer dankbaren Arbeit gibt es auch Tage wie den 7. November. Sie überschatten den Alltag der Helfer. „Aber sie bekräftigen uns auch in unserer Arbeit.“ In der Nacht zum Mittwoch ist „Darius“ verstorben. Der Obdachlose hat bereits einen Winter am Lübecker Zob verbracht. Dieser wäre sein zweiter gewesen. „Er kam mit einem weiteren Mann aus Polen. Man hat ihnen hier Arbeit versprochen und die Pässe abgenommen“, erzählt Rühmling. Doch die Hoffnung auf ein besseres Leben hat sich nicht erfüllt. Gerüchten zufolge soll der Mann alkoholabhängig gewesen sein.

Kein Fremdverschulden

Die Polizei bestätigt nur: „Wir hatten am 7. November gegen 4 Uhr einen Einsatz am Zob. Dort wurde eine männliche Person tot aufgefunden“, sagt Sprecher Florian Stephani. Ob es sich bei dem Toten um den polnischen Obdachlosen handelt, wollen die Beamten nicht näher ausführen. „Wir können nur sagen, dass kein Verdacht auf ein Fremdverschulden vorliegt.“ Doch bei der Obdachlosenhilfe macht die Nachricht von „Darius“, der Ende 40 war, schnell die Runde. „Ich persönlich würde von einem Kältetod sprechen“, sagt Jan Rühmling. Bei Facebook postete er den Vorfall. Viele zünden dort einen virtuelle Kerze an. „Ruhe in Frieden, mein Guter. Er war ein ganz toller Mensch. War oft bei ihm und hab mit ihm was gegessen“, schreibt Jennifer Schönberg. Und auch Jörg Erichsen kommentiert: „RIP. Warst ein netter Kerl.“

Drei Fälle in Hamburg

Auch in Hamburg ist am vergangenen Wochenende eine Frau erfroren. Die 64-Jährige hatte sich nicht mehr bewegt, als ein Freund sie am Morgen wecken wollte. „Biggi“ sei nicht gut zugedeckt gewesen, sagt ein Freund später. Bereits Ende Oktober starb die 47-jährige Joanna auf einer Hamburger Parkbank an einer Unterkühlung. Am 4. November wurde der 47-jährige Obdachlose Macij leblos in einem alten Fabrikgelände in Harburg aufgefunden. Ein Kältetod wurde nicht ausgeschlossen. „Für einen Kältetod braucht es auch nicht -17 Grad, da reichen oft schon fünf Grad aus“, klärt Jan Rühmling auf.

Nach dem Tod eines Obdachlosen in Lübeck haben Bürger Blumen und Kerzen aufgestellt. Quelle: Holger Kröger

10 000 Euro für Kältebus

Die Initiative, die sich derzeit in der Vereinsgründung befindet, will deshalb einen Kältebus in Lübeck etablieren. „Dann hätten die Obdachlosen zumindest in der Nacht einen sicheren Platz“, sagt Rühmling. Man befinde sich derzeit mit der Stadt in Gesprächen. „Wir brauchen eine Aufstellfläche und Ehrenamtler, die in den Nächten aufpassen“, so der Kopf der Obdachlosenhilfe. Rund 10 000 Euro plant Rühmling für die Anschaffung ein. Bis es soweit ist, freuen sich die Helfer über Geld-, aber auch Sachspenden. Kleidung gebe es für die nächsten Winter genug. Aber Lebensmittel und Schlafsäcke werden immer benötigt. Weitere Informationen gibt es bei Jan Rühmling unter Telefon 01 75/529 01 09 oder bei Facebook in der Gruppe „Obdachlosenhilfe Lübeck“.

17 Betten für Obdachlose

Wer Schutz sucht, kann in Lübeck als erste Anlaufstelle das von der Vorwerker Diakonie betriebene Sophie-Kunert-Haus in der Dr.-Julius-Leber-Straße ansteuern. Hier gibt es für Frauen zudem einen separaten Bereich, in dem sie für einen bestimmten Zeitraum unterkommen können. 17 Betten gibt es, dazu vier Notbetten. Im Winter seien die Kommunen verpflichtet, Menschen in Not aufzunehmen.

Maike Wegner und Saskia Bücker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!