Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck In Lübeck ist Busfahren am teuersten
Lokales Lübeck In Lübeck ist Busfahren am teuersten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:50 13.10.2018
Ein Bus am Lübecker Zob. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Das meldet „Spiegel Online“, das das Verbraucherportal Testberichte.de mit der Untersuchung beauftragt hat. Mit Tageskartenpreisen von 9,60 Euro liegt Lübeck auf Platz 39 – dem letzten Platz. Selbst die nächstteuerste Stadt Köln ist mit 8,60 Euro immer noch einen Euro günstiger.

Bei den Einzeltickets ist nur Hamburg zehn Cent teurer als Lübeck, wo die Fahrt 3,20 Euro kostet. Bei den Kurzstrecken ist Lübeck fünftletzter, bei den Monatskarten immerhin auf Platz 27 von 39. Auch Kindertickets sind nirgendwo teurer als in Lübeck: 1,90 Euro müssen Minderjährige für eine Fahrt bezahlen.

Insgesamt hätten sich die Fahrpreise für Busse und Bahnen seit dem Jahr 2000 um fast 79 Prozent verteuert, meldet das Portal. Kosten für Kauf und Unterhalt eines Autos seien dagegen nur um 36 Prozent gestiegen.

Laut einer Untersuchung ist Rostock bundesweit eine der günstigsten Städte im Nahverkehr. Nirgendwo kostet die Monatskarte weniger. Allerdings sieht es beim Kinderticket anders aus.

Nehmen Sie an der LN-Umfrage teil

Das „Spiegel Online“-Ranking befeuert eine Debatte, die in Lübeck schon länger läuft. Senatoren und Parteien haben bereits vor der Kommunalwahl gerechtere Buspreise für die Hansestadt gefordert. Gerade erst hat der Seniorenbeirat öffentlich kritisiert, dass die Buspreise zu hoch seien. Die GAL-Fraktion hat 2017 eine nicht-repräsentative Umfrage veröffentlicht, an der über 700 Bürger teilnahmen. Tenor vieler Bürger: Die Fahrpreise sind zu hoch.

Die Bürgerschaft hat die Verwaltung und den Stadtverkehr aufgefordert, eine Ausweitung der günstigeren Zone auf weitere Stadtteile durchzurechnen. „Wir arbeiten an gerechteren Fahrpreisen“, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Lübeck aber hat ein größeres Stadtgebiet als Kiel, wo es nur zwei und nicht wie an der Trave drei Tarifzonen gibt. Wird die günstigere, also die zweite Tarifzone ausgeweitet, steigt das jährliche Defizit, das der Stadtverkehr einfährt.

Umrüstung auf E-Busse kostet Geld

Lindenau: „Das würde zu einem höheren Zuschuss führen.“ Der Bürgermeister weist zudem darauf hin, dass die Lübecker Busse hohe Standards in Sachen Sauberkeit, technischem Fortschritt und Angeboten für Fahrgäste erfüllen. „In Berlin und München fahren viel ältere Busse“, weiß Lindenau, „und öffentliches WLan in den Bussen gibt es auch nicht überall.“ Schließlich rüste der Stadtverkehr seine Flotte auf E-Busse um – auch das koste viel Geld, sei aber wichtig für das Klima.

Aus Sicht der Landesverkehrsservicegesellschaft Nah SH, zu der sowohl Lübeck als auch Kiel gehören, vergleicht „Spiegel Online“ Äpfel mit Birnen. Die Kieler Stadtverkehrszone 4000 sei genauso teuer wie die Zone 6000 in Lübeck, sagt Nah-SH-Sprecher Dennis Fiedel, „aber die beiden Städte haben eine unterschiedliche Geografie“. Der Wunsch nach niedrigeren Fahrpreisen sei verständlich, räumt Dennis Fiedel ein, „allerdings ist er nur erfüllbar, wenn jemand das Defizit übernimmt. Das sind im Zweifel die Steuerzahler.“

Aus Sicht des Stadtverkehrs führt der Preisvergleich von „Spiegel Online“ in die Irre. „Die Leistung, die in Lübeck einen hohen Standard hat, wird nicht betrachtet“, erklärt Andreas Ortz, Geschäftsführer des Busunternehmens. Mit der Preisstufe 3 für die Gesamtregion Lübeck schneide Lübeck im Vergleich zu anderen Städten ungünstig ab. Ortz: „Vergleicht man allerdings den Preis für unsere Kernzone in der Preisstufe 2 mit anderen, stehen wir mit 2,60 Euro auf einer Stufe wie zum Beispiel Kiel.“

Die LN berichten zum Thema – Busfahren in Lübeck

Interaktive Grafiken: Alle Buspreise in deutschen Städten im Überblick

Video: Was ist besser – mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder mit dem Bus fahren?

Bildergalerie: Lübecks Bahnhöfe früher und heute

Die Linke sieht sich bestätigt

Die Linke fühlt sich durch die „Spiegel Online“-Recherche in ihrer grundsätzlichen Kritik am Lübecker Busverkehr bestätigt. „Die Buspreise sind zu hoch“, sagt Fraktionschef Ragnar Lüttke, „Lübeck steht sogar noch schlechter da als gedacht.“

Besonders schlimm sei, „dass wir gerade bei den Preisen für Kinder in ganz Deutschland die teuersten sind.“ Aus Sicht der Linken müsse die teuerste Tarifzone in Lübeck abgeschafft werden. „Ich hoffe, dass dieser Vergleich genug Druck auf den SH-Tarif macht, damit endlich ein Umdenken beginnen kann. Der Tarif muss deutlich gesenkt werden.“

„Der Schleswig-Holstein-Tarif, an dem wir hängen, ist einfach zu teuer“, erklärt CDU-Fraktionschef Christopher Lötsch. Stadtteile wie Moisling und Schlutup, in denen die höchsten Buspreise fällig werden, seien benachteiligt. Lötsch: „Wir müssen mit dem SH-Tarif Vergünstigungen verhandeln.“ Kai Vogel, Verkehrsexperte der SPD-Landtagsfraktion: „Die Ticketpreise im ÖPNV in Lübeck müssen sich ändern – und zwar schnell!“ Vogel kritisiert, dass das Land den HVV-Beitritt Lübecks verweigere. Der SPD-Politiker: „Im HVV würden deutlich mehr Pendlerinnen und Pendler Bus und Bahn nutzen. Höhere Einnahmen führen wiederum zu sinkenden Preisen, weil die Busse gut besetzt viel kostengünstiger unterwegs sind.“

Die Lübecker Politiker, die bisher das Sagen hatten, hätten sich hinter dem Schleswig-Holstein-Tarif versteckt und hätten nichts ändern wollen, greift Detlev Stolzenberg, Fraktionschef der Unabhängigen, die etablierten Parteien an. Die Lösung aus Sicht der Unabhängigen sei ein umlagefinanzierter ÖPNV. Stolzenberg: „Für einen Jahresbeitrag von 220 Euro für Erwachsene und die Hälfte für Kinder und Bedürftige kann der Bus jeden Tag rund um die Uhr genutzt werden.“

Die SPD-Fraktion hält den Vergleich, wie „Spiegel Online“ ihn vorgenommen hat, für fragwürdig. Gleichwohl will die Fraktion ein gerechteres Tarifsystem in der Hansestadt. Fraktionschef Peter Petereit: „Uns geht es vor allem darum, neben der zentralen Tarifzone 6000 weitere Fahrbeziehungen von Moisling oder Schlutup zur Altstadt in die Preisstufe 2 einzubeziehen.“ Ulrich Pluschkell, verkehrspolitischer Sprecher der SPD und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtverkehrs, fordert ein „Gutachten zur Weiterentwicklung der ÖPNV-Tarife in Lübeck“. Das werde die SPD zügig beantragen. Pluschkell: „Damit haben wir eine solide Entscheidungsgrundlage für eine Tarifreform.“

Kilian Haller und Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In einem vollbesetzten Bus der Linie 16 ist am Donnerstagnachmittag eine Innenscheibe zerplatz. Das Glas stand vermutlich unter Spannung. Drei Fahrgäste wurden leicht verletzt.

12.10.2018

Keine Mehrheit in der Bürgerschaft – seit einem halben Jahr. Jetzt verhandeln SPD und Grüne miteinander. Allerdings haben sie ein Problem: Ihnen fehlen zwei Stimmen zur Mehrheit.

11.10.2018

Gleiche Chancen für Mädchen und Jungs – dafür erstrahlen wichtige Gebäude in Lübeck am Donnerstagabend in einem kräftigen pink.

12.10.2018