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Lübeck Offene Geschäfte: Sonntags bitte nicht
Lokales Lübeck Offene Geschäfte: Sonntags bitte nicht
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21:39 22.01.2017
Auch sonntags die Ladentüren öffnen – der Travemünder Handel hätte gerne mehr davon. Im Rest der Hansestadt stößt die Ausweitung der Sonntagsöffnung mehrheitlich auf Ablehnung oder Desinteresse. Quelle: Stefan Sauer/dpa

67 Prozent der Geschäftsinhaber in der Hansestadt haben kein Interesse an einer Öffnung am Sonntag. Von den 33 Prozent, die nichts gegen eine solche Regel hätten, befürwortet eine Mehrheit die Beschränkung auf die Innenstadt. Das hat eine Umfrage des Lübeck Managements ergeben. Auslöser ist ein Antrag der FDP, die die Bäderregelung des Landes nicht nur für Travemünde, sondern für die ganze Stadt will. Die Regelung sieht vor, dass Geschäfte in Kommunen mit vielen Touristen acht Monate im Jahr für sechs Stunden an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen. Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements, hält eine Ausweitung auf ganz Lübeck für „eher standortschädlich“.

594 Einzelhändler, Dienstleister, Gewerbetreibende sowie Hotels und Gaststätten in der ganzen Stadt wurden zwei Mal angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. 115 antworteten. Das Lübeck Management geht davon aus, dass die 479 Geschäfte, die sich nicht an der Umfrage beteiligten, ebenfalls kein Interesse haben. So gerechnet wären über 90 Prozent gegen die Sonntagsöffnung. Das Lübeck Management hat zudem geschaut, wo die Befürworter sitzen. Ergebnis: In den einzelnen Straßen und Standorten „würden lediglich zwei bis maximal vier Verkaufsstellen öffnen“, berichtet Kempke, „von den Lebensmittelnahversorgern hat nicht einer Interesse bekundet.“ Für den Verbraucher wäre keine Verlässlichkeit gegeben, wenn die Türen vieler Geschäfte geschlossen blieben.

Das Lübeck Management empfiehlt den Politikern, den FDP-Antrag abzulehnen. Auch der Handelsverband Nord rät dringend davon ab, weiter darüber zu diskutieren. In Lübeck, Kiel und Flensburg hätten sich die Einzelhändler mehrheitlich stets gegen die Ausweitung der Sonntagsöffnung ausgesprochen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck hält die Ausweitung ebenfalls nicht für zielführend.

„Eine Sonntagsöffnung bedeutet insbesondere für kleinere Händler einen hohen organisatorischen, personellen und finanziellen Aufwand, so dass diese die zusätzlichen Öffnungszeiten nicht durchgängig nutzen würden“, erklärt Manfred Braatz von der Handelskammer. In der Altstadt würde es zu unterschiedlichen Öffnungszeiten kommen, „was wiederum für den Kunden nicht attraktiv ist“.

Die FDP hat die Ergebnisse der Umfrage zur Kenntnis genommen, zeigt sich aber unbeeindruckt. „Jeder Geschäftsinhaber soll selbst entscheiden können, ob er öffnet“, sagt Manfred Kirch, für die Liberalen im Wirtschaftsausschuss und Mitglied der Bürgerschaft. Um das zu erreichen, müsse die Bäderregelung auf die ganze Hansestadt ausgeweitet werden. Kirch ist weiterhin überzeugt, „dass viele Einzelhändler öffnen möchten“. In Zeiten des Internethandels müssten lokale Geschäfte Handlungsfreiheit erhalten, „um im Wettbewerb bestehen zu können“. In Travemünde seien die Einzelhändler froh, dass sie sonntags öffnen können, sagt der Travemünder FDP-Politiker.

Das bestätigt Ulf von Danckelmann, Vorsitzender der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft. Die größten Umsätze würden an den Sonntagen erzielt, wenn die Touristen unterwegs seien. „Wir fordern in der Vor- und Neben-Saison noch mehr offene Sonntage“, sagt von Danckelmann. Aber auch in Travemünde würden nicht alle Geschäfte mitmachen. „Die in der Vorderreihe machen am häufigsten Gebrauch von der Bäderregelung“, berichtet der Verbandsvorsitzende. Die Ausweitung auf die ganze Stadt sieht von Danckelmann skeptisch: „Die Sonntagsöffnung im Zuge der Bäderregelung lebt davon, dass möglichst viele mitmachen.“

Shopping-Regeln

Das Ladenöffnungsgesetz erlaubt an vier Sonntagen im Jahr die Öffnung der Geschäfte für fünf Stunden. Das Shoppen muss aber an besondere Ereignisse gekoppelt sein. 2017 sind die Geschäfte am 5.

März („Hallo Frühling“), 11. Juni („Lübeck klingt“), 1. Oktober („Eine Stadt feiert Erntedank“) und 5. November („Nordische Filmtage Lübeck“) geöffnet.

Die Bäderverordnung ermöglicht eine weitgehende Sonn- und Feiertagsöffnung in den touristisch bedeutsamen Orten Schleswig-Holsteins. Für gut acht Monate im Jahr können die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen in 95 Gemeinden sechs Stunden öffnen.

 Kai Dordowsky

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