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Lübeck Ohne eigenes Auto in Lübeck - ein Selbstversuch
Lokales Lübeck Ohne eigenes Auto in Lübeck - ein Selbstversuch
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15:15 08.01.2013
Helge von Schwartz vor seinem Arbeitsplatz, der Lokalredaktion der LN in der Innenstadt. Quelle: Julia Konerding

31. Oktober, 14 Uhr:

Mein Sohn winkt aus dem Wohnzimmerfenster dem Auto ein allerletztes Mal hinterher. Mit dem quietschgelben Renault Kangoo, Baujahr 2000, waren wir die norwegischen Fjordufer entlanggefahren, hatten durch die Fensterscheiben den Bodensee gesehen und das Weserstadion. Viele Erinnerungen hängen an dem Wagen. Aber nun ist er alt. Deswegen trete ich mit dem Auto meine letzte Fahrt an - zum Gebrauchtwagenhändler. 950 Euro bekomme ich dort für das Auto, das wir kurz nach der Geburt unseres Sohnes angeschafft hatten. Für uns endet eine Ära, für den Renault beginnt eine neue - er soll künftig durch Afrika kurven.

Unser Familienrat hat entschieden, vorerst keinen neuen Wagen anzuschaffen. Zur Arbeit kommen meine Frau und ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad, auch die Kinder erreichen fast alles mit dem Drahtesel. Wozu also etliche tausend Euro auf dem Tisch legen? Für Fahrten, für die ein Wagen notwendig ist, haben wir uns bei Stattauto angemeldet. Die Verleihstation ist um die Ecke. Drei Monate dauert dort die Probezeit. Der Selbstversuch beginnt.

1. November, 10 Uhr:

Ausgerechnet am ersten Tag ohne Auto habe ich eine Arbeits-Besprechung, die sieben Kilometer entfernt stattfindet. Gleich ein Stattauto mieten? Lieber nicht zu faul sein. Also schwinge ich mich aufs Fahrrad. Sieben Kilometer sind eigentlich kein Problem. Blöd ist nur, dass ich ab Kilometer vier langsam warm werde - und als ich ankomme, bin ich ein wenig verschwitzt. Erstmal rein in die Klokabine, umziehen und mit Deo einnebeln. Hmm, kein guter Einstieg in das Projekt. Aber zum Glück rümpft keiner der Kollegen die Nase. Im Gegenteil, es gibt sogar die eine oder andere anerkennende Bemerkung. Auf dem Rückweg habe ich wieder Hitzewallungen. Das Fazit daheim: viel Bewegung gehabt, aber zwei T-Shirts wäschereif. Mein Termin war zum Glück ein Ausnahmefall - normalerweise habe ich es nur zwei Kilometer zu Arbeit. Da bleibt alles trocken.

3. November, 13 Uhr:

„Sehen wir uns am Sonnabend bei HSV II gegen VfB?“, fragt mich der Kollege, mit dem ich in der vorherigen Saison das Spiel gesehen hatte. Jetzt ist das fehlende Auto erstmals ein Problem. Ich rechne durch, was mich das Leihen eines Wagen kosten würde und komme auf gut 40 Euro. Dazu der Eintritt, Fanta und Würstchen - ist mir das ein Viertliga-Auswärtsspiel wert? Andererseits spare ich doch ziemlich viel Geld dadurch, dass ich gar kein Auto mehr besitze... Die Alternative: Zug fahren. Von Lübeck zum Stadion in Norderstedt ist es jedoch eine kleine Weltreise. Dazu hätte ich mutmaßlich einen Trupp lebenslustiger Fans als Abteilgefährten. Die Bequemlichkeit siegt: Ich verwerfe den Gedanken, zum Spiel zu fahren. Mit dem eigenen Auto wäre ich vermutlich gestartet. Ist das nun gut oder schlecht? Das wird sich nach dem Abpfiff zeigen. Vielleicht verpasse ich ein tolles Spiel. Oder ich erspare mir 90 Minuten frustrierendes Gekicke.

LN

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