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Lübeck Operation Hubbrücke
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19:15 01.08.2017
Hubbrücke von unten: Bauwerksprüfer Mark Jans und Hubsteigerfahrer Andreas Stutz betrachten das Bauwerk vom Wasser aus. Quelle: Fotos: Neelsen

Wie lange lebt sie noch? Das ist die Frage der Fragen, wenn es um die Hubbrücke geht. Um sie zu beantworten, ist die Querung jetzt zwei Wochen gesperrt.

Wann wird das Bauwerk von 1900 erneuert? Und vor allem wie? Das sollen Experten feststellen. Daher ist die Brücke wieder gesperrt.

Mal wieder. Keiner kommt mehr oben drüber, keiner unten durch. Bis Freitag, 4. August. Betroffen sind täglich 14500 Autofahrer, 220 Radler und auch die Schiffskapitäne. Aber das 117 Jahre alte Bauwerk muss durch einen großen Gesundheitscheck. Der ist alle drei bis sechs Jahre fällig. Dieses Mal geht es aber nicht um Pflege, sondern um das Leben der Brücke an sich.

Video: Darum ist es gerade so gefährlich unter der Hubbrücke durchzufahren

„Das Bauwerk wird neu nachgerechnet“, sagt Sebastian Ribbeck vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). Dabei werden alle drei Brücken untersucht, denn das Bauwerk besteht aus einer Querung für Züge, Autos und Fußgänger. Aus den Ergebnissen dieses Gesundheitschecks wird die Restlebenszeit der Hubbrücke errechnet. Nach dem Motto: Die Mechanik macht es noch 30 Jahre, der verrostete Stahl ist viel früher kaputt. Daraus ergibt sich, wie das denkmalgeschützte Bauwerk dann erneuert werden soll: Neubau im Retro- Look? Oder nur teilweiser Neubau? Oder doch eher Sanierung? Ende des Jahres ist die Studie zur Operation Hubbrücke fertig. Dann wird das Bauwerk geplant – und ab 2020 könnte der Bau starten.

Aktuell wird es untersucht. Als Doktor fungiert Mark Jans. Der Bauwerksprüfer der Firma Böger und Jäckle steckt mit dem Kopf fast zwischen zwei Stahlstreben der Querung. Er betrachtet die Hubbrücke von unten. Ein Hubsteiger hat ihn heraufgefahren. Das 1,4 Tonnen schwere Gerät steht auf schwankendem Untergrund – einem Ponton. Der ist wiederum an dem Schiff des WSA festgemacht. Jans erster Eindruck: „Es gibt schon erhebliche Mängel.“Aber viel mehr will er nicht sagen. Heute ist erst Tag zwei der Brückenprüfung. Während diese Woche die Hubbrücke von unten betrachtet wird, ist in der nächsten Woche die Sicht von oben gefragt. Um aus der Vogelperspektive auf die Brücke schauen zu können, wird der Hubsteiger an Land verfrachtet. Alles wird in Augenschein genommen, fotografiert, dokumentiert – und später ausgewertet.

Auch die Technik. Die untersucht Bernd Lützow. Der Ingenieur schaut sich die Mechanik der Brücke an und ist beeindruckt: „Das funktioniert alles noch.“ Er weiß, dass eine mechanische Konstruktion üblicherweise 150 Jahre lang lebt. „Daher ist es manchmal sinnvoller, alte Teile zu belassen, weil die Lebensdauer der neueren viel kürzer ist“, sagt Lützow. Aber um die Mechanik der Brücke zu steuern, braucht es Elektrik. Die wiederum nimmt Lützow heute in den Blick – und rechnet dann aus, wie lange sie noch leben könnte. Er ist seit Jahrzehnten im Geschäft, bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung mit. Aber so ein altes Bauwerk ist auch dem 68-Jährigen noch nie unter die Augen gekommen.

Wunder der Ingenieurskunst

Denn die Hubbrücke ist ein Wunderwerk der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts. Aber: Sie fällt immer häufiger aus. Zuletzt war sie im Frühjahr sechs Wochen gesperrt – wegen Wartungsarbeiten. Im Jahr zuvor war sie zweimal zu, weil die Technik nicht funktionierte. Alte Teile waren kaputt und mussten erst angefertigt werden. Das Problem: Eine Frischzellenkur für das Bauwerk war längst geplant.

2007 wollte das WSA die Hubbrücke durch einen 13-Millionen-Euro-Neubau ersetzen. Doch plötzlich wurde die Querung für die Züge nicht mehr gebraucht, die Stadt gab die Hafenbahn auf. Alles wurde umgeplant. Und dann senkten die Welterbe-Wächter der Unesco die Daumen. Eine Bürgerinitiative hatte sie eingeschaltet. Jetzt wird alles neu untersucht.

Technisches Denkmal seit 1988

Der richtige Name der Hubbrücke ist Marstallbrücke. Sie ist eine von mehr als 200 Brücken in der Hansestadt Lübeck.

Kaiser Wilhelm II. weihte die bewegliche Brücke in Zusammenhang mit dem Bau des Elbe- Lübeck-Kanals (damals Elbe-Trave-Kanal) ein.

Im Jahr 1988 wurde die Brücke als technisches Denkmal unter Schutz gestellt.

Eigentümer der historischen Querung ist der Bund, zuständig ist die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

 Josephine von Zastrow

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