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Lübeck Orgelexperte ist begeistert von Instrumenten in Lübeck
Lokales Lübeck Orgelexperte ist begeistert von Instrumenten in Lübeck
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18:42 26.09.2018
Der Organist Michel Bouvard (60) aus Toulouse - im Bild vor der Großen Orgel in St. Jakobi – ist Jurymitglied beim Buxtehude-Orgelwettbewerb in Lübeck. Quelle: Nick Vogler
Lübeck

Er erinnert sich noch gut an das erste Erlebnis mit Lübecks Orgeln: Vor vielen Jahren betrat er St. Jakobi an der Seite von großen Orgelexperten, die aus dem Staunen bei dem Klangerlebnis der historischen Instrumente nicht herauskamen. Jetzt ist Michel Bouvard (60) aus Toulouse längst selbst einer der weltweit hoch angesehenen Organisten und Mitglied der Jury beim internationalen Buxtehude-Orgelwettbewerb, der noch bis Sonnabend in Lübeck ausgetragen wird.

Herr Bouvard, was ist das Besondere an einem Orgelwettbewerb in Lübeck für Sie als Orgelexperten?

Das ist eine große Chance! Ich war vor vielen Jahren bei einem Orgelwettbewerb in Hamburg in der Jury mit so berühmten Musikern wie Gustav Leonhardt, Michael Radulescu oder Ton Koopman. Damals besuchten wir Lübecks St.-Jakobi-Kirche. Und als der große Gustav Leonhardt – er hatte Noten von Buxtehude dabei – die Klänge der historischen Stellwagen-Orgel hörte, war er begeistert wie ein kleines Kind und sagte nur: „Das ist fantastisch“. Und jetzt haben wir bei einem Wettbewerb die Chance, alle diese schönen und wertvollen Orgeln zu hören und zu erleben. Wenn ich dann wieder unterrichte in Toulouse und Paris, werde ich den Studenten davon erzählen. Denn Instrumente mit diesem Klang – die haben wir in Frankreich einfach nicht.

Lübeck ist zu Recht stolz auf seine wertvollen Instrumente – dringt deren Ruf denn bis nach Frankreich?

Natürlich, unter Spezialisten kennt man deren Namen. Aber schon unter den Studenten, selbst unter denen, die wirklich sehr gut Orgel spielen, sind diese Instrumente nicht so bekannt. Ich möchte gerne mit französischen Studenten einen Ausflug nach Lübeck machen und ihnen diese Schätze zeigen. Wir in Frankreich sind natürlich auch stolz auf unsere Orgeln. Aber die Konzeption ist von der Harmonie her eine ganz andere. Die polyphonische Orgel in Deutschland ist aber etwas ganz Besonderes. Deshalb klingen hier Stücke der großen Komponisten – ob Dietrich Buxtehude, Franz Tunder bis hin zu Max Reger – ganz anders. Man versteht sie eigentlich erst hier.

Haben Sie denn in Lübeck auch schon Orgel gespielt?

Natürlich – vorgestern hier in St. Jakobi. Es ist ja nicht nur, dass es unglaublich wertvolle Instrumente sind mit dem ganz besonderen Klang. Hier kommt dazu, dass die Akustik der Kirche einfach perfekt passt, das Zusammenspiel von Kirchenraum und Instrument ist absolut einmalig. Ein Traum. Und die großen Komponisten haben auch auf diesen Orgeln gespielt: Warum gibt es Choralfantasien von Buxtehude oder Tunder, aber eben zum Beispiel nicht von Bach? Vielleicht hat ihm einfach so eine Orgel gefehlt!

Wie beurteilt eine Jury nun das Spiel eines Wettbewerbskandidaten? Geht es da nur um die Technik des Spiels und den Umgang mit der Orgel?

Na sagen wir so: Ich bin immer sehr auf der Seite der Kandidaten. Die haben jeweils nur zwei Stunden Zeit, um sich mit der Orgel bekannt zu machen. Zwei Stunden für so ein komplexes Instrument! Also wenn ich ein Konzert spielen soll, und der Veranstalter sagt, ich hätte nur zwei Stunden Zeit zur Vorbereitung an der Orgel – ich würde absagen! (lacht). Trotzdem, die Kandidaten bekommen das gut hin. Wir erleben aber manchmal, dass wir uns in der Jury anschauen und sagen: Das war schön – aber eben nur schön (lacht). Andere Kandidaten schaffen es, in dem sie die Orgel und die Register und die verschiedenen Werke der Orgel perfekt einsetzen, eine perfekte Balance zu schaffen. Und dann entstehen wirklich berührende Momente. Das ist natürlich immer auch sehr subjektiv. Aber darum geht es ja: Die Musik so zu spielen, dass sie nicht nur richtig gespielt ist, sondern persönlich berührt.

Öffentliche Konzerte

Ab der Finalrunde ist der Wettbewerb öffentlich zugänglich, der Eintritt ist frei. In Lübeck präsentieren sich die Finalisten am Freitag, 28. September in St. Jakobi mit fünf öffentlichen Wertungsspielen um 15 Uhr, 16 Uhr, 17 Uhr, 19 Uhr und 20 Uhr. Wer den Wettbewerb gewonnen hat, gibt die Jury nach einer Beratung ab 21.30 Uhr bekannt. Beim Preisträgerkonzert mit Preisverleihung stellen sich die Gewinner am Samstag, 29. September um 19 Uhr in St. Jakobi dem Publikum vor.

Ist der Wettbewerbsgedanke nicht kontraproduktiv bei dem Bestreben, Musik zu machen?

Nein. Er ist eine Gelegenheit, sich mit den Werken auseinanderzusetzen, und es ist die Möglichkeit, einander zu treffen: die Kandidaten und die Jury, die Kandidaten und die Instrumente, die Musik und das Publikum. Natürlich geht es auch um einen Preis. Aber das darf man nicht überbewerten. Einer meiner Schüler ist ein sehr guter Organist aus Wien. Er hat schon einen großen Wettbewerb in London gewonnen vor zwei Jahren. Dann, bei einem kleineren Wettbewerb in Frankreich, ist er in der ersten Runde ausgeschieden! Und letzten Sonntag: Da hat er alle Preise beim berühmten Wettbewerb in Chartres gewonnen! Im Mai, nach dem Ausscheiden, war er ein wenig niedergeschlagen. Da habe ich ihm gesagt: Du machst das zwar auch, um zu gewinnen. Aber du machst das auch für dich, um Fortschritte zu erzielen.

Ist es das, was Sie den Kandidaten auch hier mit auf den Weg geben?

Auf jeden Fall! Wir lernen uns hier kennen und wir werden Freunde fürs Leben und wir sehen einander immer wieder. Es gibt ja ein paar Leute, die sagen, inzwischen gibt es in Europa fast überall Orgelwettbewerbe, das ist doch zu viel. Ich sage dagegen: Nein, ganz im Gegenteil!

Klicken Sie hier für einen Streifzug durch Kirchen der Hansestadt und zu ihren Orgeln

Nick Vogler

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