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12:11 10.12.2013
Von Michael Hollinde
Ein Blick vom Petri-Turm auf die Stadt aus 50 Metern Höhe: Christian Peters mit Lara (9) und Paul (5). Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (3), Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Familie Peters aus dem westfälischen Billerbeck ist das erste Mal in Lübeck. Eine knappe Woche Niendorf am Ostseestrand haben sie gebucht, aber an diesem Tag ist Sightseeing in der Stadt angesagt.

„Wir folgen der Route drei, die uns der Reiseführer vorschlägt, und nach dem Holstentor ist der Petri- Turm dran“, sagt Vater Christian. Dass man sich von der Aussichtsplattform in rund 50 Metern Höhe einen guten Überblick über die Altstadtinsel sowie die Umgebung verschaffen kann, hat die Touristen aus NRW überzeugt. Da sind die sechs Euro Gesamtpreis für den Aufzug kein Thema. Und die steife Brise hier oben sei ja nicht überraschend, merkt Karin Peters an, während sich ihre Kinder Lara und Paul in ihre dicken Jacken mummeln.

Ein Blick durchs Münzfernglas muss natürlich auch sein. „Das sieht schon toll von oben aus“, sind sich die Neunjährige und der Fünfjährige einig. Als sie nach der Abwärtsfahrt von dem 108 Meter hohen Turm wieder an dem Kiosk im Eingangsbereich der Kirche vorbeikommen, wird natürlich noch ein Blick auf die Souvenirs riskiert. „Postkarten und Magneten mit Ostsee- und Altstadtmotiven gehen am besten“, weiß Maren Molzahn. Zusammen mit neun weiteren Turmshop-Mitarbeitern, die alle beim Kirchenkreis angestellt sind, sorgt sie dafür, dass von April bis September von 9 bis 21 Uhr und in der kalten Jahreszeit von 10 bis 19 Uhr auf den Turm gefahren werden kann.

Seit elf Jahren ist die 57-Jährige nun schon „Turm-Dame“ in St. Petri. Dass sie einiges erlebt hat in dieser Zeit, verwundert nicht. „Mein schönstes Erlebnis war aber, als ich mal miterleben durfte, wie ein junger Mann seiner Freundin einen Heiratsantrag oben auf dem Turm gemacht hat. Er kam kurz vor der offiziellen Schließung zu mir und hat mich in sein Vorhaben eingeweiht und gefragt, ob ich ausnahmsweise die Öffnungszeit ein wenig verlängern könne“, erinnert sie sich. Er sei sehr aufgeregt gewesen, habe auf den Treppenstufen Kerzen aufgestellt und sich eine echte Inszenierung überlegt.

„Und als die beiden schließlich Hand in Hand wieder aus dem Aufzug ausgestiegen sind, wusste ich, dass sie ,Ja‘ gesagt haben muss“, erzählt Maren Molzahn.

Ihre Kollegin Kirsten Moser weiß davon zu berichten, dass regelmäßig ein Mann komme, der unter Klaustrophobie, also Raumangst, leide und sich auf Anraten seines Therapeuten immer wieder der Enge-Situation im Aufzug aussetze. Auch eine handvoll Selbstmorde durch einen Sprung vom Turm hat es Ende der 1980er-Jahre gegeben, bis schließlich das Sichtgitter gebaut worden ist. „99,99 Prozent der 150 000 Petri-Besucher im Jahr wollen aber nur die Aussicht genießen“, fügt Andrea Spieker hinzu. Sie ist Geschäftsführerin des Turm- und Café-Bereiches. Sie stellt klar, dass durch ihre Einnahmen gerade mal die Personalkosten sowie die inhaltliche Gestaltung des Kulturkirchen-Programmes finanziert werden könnten.

„Allerdings brauchen wir vor allem durch die gestiegenen Energiekosten seit geraumer Zeit zusätzlich noch einen Jahreszuschuss über 50 000 Euro vom Kirchenkreis“, erklärt Pastor Bernd Schwarze.

Der Petri-Hausherr weist auch darauf hin, dass es in den Besucherzahlen durchaus Fluktuationen gibt. „Als zum Beispiel durch die Bauarbeiten im Rahmen des Projektes ,Mitten in Lübeck‘ die Verkehrsführung vor unserer Haustür in der Schmiedestraße für eine gewisse Zeit geändert worden ist, hatten wir echte Einbußen zu beklagen. Auch anhaltend schlechtes Wetter merken wir in der Bilanz der Turmbesucherzahlen“, so Schwarze.

Er möchte natürlich auch die Attraktivität des St. Petri-Turmes während der anstehenden aufwändigen Sanierungsarbeiten unbedingt erhalten sehen. „Es soll auf keinen Fall auf Lübeck-Touristen so wirken, als wenn man hier eine Baustellenbesichtigung machen kann. Im Gegenteil — wir diskutieren derzeit verschiedene Ideen, wie man in dieserZeit einen zusätzlichen optischen Anreiz für einen Turmbesuch schaffen kann“, betont Schwarze. Mehr wolle er aber derzeit nicht verraten — nur so viel: Leider stehe der amerikanische Künstler Christo für eine Verhüllung nicht zur Verfügung, schmunzelt der Theologe.

Einer der allerersten Besucher auf dem Turm nach der Zerstörung in der Palmarum-Nacht war übrigens Horst Wieseler. „Aber in beruflicher Funktion“, stellt der heute 85-Jährige klar. Denn der gebürtige Berliner hat 1954 den Aufzug in den wiederhergestellten Turm eingebaut. „Die Aussicht ist mir echt ans Herz gewachsen, und ich wünsche Petri, dass mit der Sanierung alles gut geht.“

Ende der Serie

Hilfe für St. Petri
100 000 Euro von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung sowie knapp 33 000 Euro an sonstigen privaten Spenden — also zusammen 133 000 Euro sind bisher bei der Spendenaktion „Sieben Türme sollst Du sehen“ für St. Petri zusammengekommen. Allein die Spendengala am Ostermontag spülte 7600 Euro auf das Aktionskonto.
Seit zehn Jahren sammeln Lübecks Bürger nun unermüdlich für die Kampagne. Nach der Rettung von St. Marien und St. Jakobi muss jetzt dringend die Kunst-, Kultur- und Universitätskirche gerettet werden. Für die Sanierung werden in den kommenden Jahren rund 2,8 Millionen Euro benötigt. Eine Summe, die St. Petri und der Kirchenkreis nicht allein stemmen können.
„Der Turm muss auch während der Sanierung attraktiv sein.“
Pastor Bernd Schwarze
 
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Michael Hollinde

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