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Lübeck Ortsschilder: 60 Prozent wollen die alten Tafeln zurück
Lokales Lübeck Ortsschilder: 60 Prozent wollen die alten Tafeln zurück
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22:07 10.08.2015
Vorne das neue gelbe Hinweisschild, wenige Meter dahinter das weiße Zusatzschild mit der Ortsbezeichnung: 70 neue Tafeln und 45 Zusatzschilder wurden in Lübeck aufgestellt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Wenn ich in eine Stadt hineinfahre, möchte ich wissen, in welchem Ortsteil ich bin“, schreibt Barbara Lütge. „Der Ortsname sollte auf dem Ortsschild stehen“, erklärt Brigitte Hörnschemeyer, während Thomas Unglaube feststellt: „Das aktuelle Schild ist sinnvoll und richtig.“ Und Horst Wandersleben sagt: „Es muss uns echt gut gehen, wenn wir keine anderen Probleme haben.“ Selbst Prominente schalten sich in die Debatte ein. „Ich mag das Lokalkolorit“, schreibt Christian Martin Lukas, „Universitätsstadt sollte zugunsten der Stadtteile weichen.“

Der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft LTM fügt aber in seiner amtlichen Funktion hinzu: „Der Wert der Universität für Lübeck als Stadt der Wissenschaft ist sehr hoch, dennoch kann ich den Wunsch der Initiative nachvollziehen.“

Über 70 Kommentare sind auf der Internetseite der „Initiative für Lübecks ländlichen Raum“ eingegangen. Die Bürgerbewegung aus dem Süden der Hansestadt wollte von den Lübeckern wissen, ob sie die Hinweisschilder mit dem Zusatz „Universitätsstadt“ und der Streichung der Ortsnamen wie Wulfsdorf, Travemünde, Beidendorf oder Kronsforde akzeptieren. Ergebnis der Umfrage, so Initiator Detlev Stolzenberg: „60 Prozent wollen die alten Schilder mit den Ortsnamen wiederhaben.“ 20 Prozent würden bedauern, dass die Ortsnamen verschwunden sind, zwölf Prozent beklagen, dass es vorab keine Einwohnerversammlungen gegeben habe, und acht Prozent würden die neuen Schilder positiv bewerten. Die Initiative fordert jetzt, die alten Hinweisschilder wieder aufzustellen. Stolzenberg: „Die alten Schilder sind noch vorhanden und könnten, ohne größere Kosten zu verursachen, wieder anmontiert werden.“ Der Hinweis auf die Universitätsstadt könnte zusätzlich erfolgen.

Die Mehrzahl der Schilder sei inzwischen versteigert worden, erklärt hingegen Stadtsprecherin Nicole Dorel. 655 Euro hat die Stadt damit eingenommen. Weitere 17766 Euro wurden an Spenden eingetrieben. Mit diesem Geld wurden Anschaffung und Aufstellung der neuen gelben Tafeln finanziert. Dorel: „Aus dem Stadtsäckel wurde nichts investiert.“ Die Verwaltung war von 93 Schildern ausgegangen, die ausgewechselt werden mussten. Tatsächlich wurden 70 Tafeln ausgetauscht. In der Hansestadt standen etliche Schilder, die gar nicht mehr zugelassen waren und die bei der Neugestaltung abgeräumt wurden. Außerdem wurden 45 weiße Ortsteilschilder aufgestellt — für 97 Euro das Stück.

In der Politik besteht wenig Neigung, die Geschichte zurückzudrehen. „Alle wollten damals die Umbenennung“, erklärt Harald Quirder, Bauexperte der SPD, „solche Entscheidungen muss man auch einmal akzeptieren.“ 50 von damals 60 Bürgerschaftsabgeordneten votierten im September 2010 für den Zusatz „Universitätsstadt“. Allerdings beschloss die Bürgerschaft nie, die Ortsnamen zu opfern. „Man kann nicht nach fünf Jahren kommen und die alten Schilder wieder haben wollen“, erklärt Carl Howe, baupolitischer Sprecher der Grünen: „Ein Kompromiss wäre, die weißen Zusatzschilder direkt am Pfosten der gelben Tafeln zu befestigen.“ Björn Nemitz ist ebenfalls gegen eine „Rolle rückwärts“. Lübeck habe andere Sorgen, sagt der FDP-Baupolitiker.

Kai Dordowsky

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