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Lübeck Outing-Künstler outen sich
Lokales Lübeck Outing-Künstler outen sich
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15:34 16.12.2015
Unter anderem die Mutter und das Kind aus „Die Heimkehr von der Arbeit“ klebten die Künstlerinnen an eine Mauer von St. Petri. Es war eines von ursprünglich acht Motiven. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, Lena Modrow
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Innenstadt

Es war ein überraschender Anruf, den Museumsleiter Alexander Bastek an seinem Arbeitsplatz im Behnhaus Drägerhaus am Sonntag erhielt: Eine Unbekannte meldete sich und sagte, dass sie zusammen mit Mitstreitern für das verantwortlich sei, das viele Lübecker seit drei Wochen intensiv beschäftigt: die Gemäldeausschnitte in Plakatform, die an sechs Stellen in der Innenstadt aufgetaucht waren. Lange wurde gerätselt, wer der Urheber dieser sogenannten Outings war, die Abbildungen von Original-Gemälden aus dem Behnhaus zeigten. Nun ist klar: Es waren sogar mehrere. „Über eine dritte Person bekamen wir eine Handynummer übermittelt, und so konnten wir uns am Montag treffen“, berichtet der Museumsleiter. „Wir hatten schon gehofft, dass sich jemand meldet, denn wir haben diese Aktion ja sehr positiv aufgenommen.“

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In dem Gespräch erfuhr Bastek schließlich: Es waren ursprünglich drei Künstlerinnen, die zu einer Aktion des französischen Künstlers Julien de Casabianca in Hamburg eingeladen gewesen waren. Dort lernten sie seine Outing-Aktionen kennen, zu denen Casabianca auch explizit andere Kunstschaffende auffordert. „Fotografiert Porträts von Menschen im Museum eurer Stadt, lasst sie drucken und lasst sie auf die Straßenwände umziehen“, schreibt der Künstler auf seiner Webseite. Die drei Unbekannten sagten sich daraufhin: „So etwas müssen wir in Lübeck auch machen.“

Wie Bastek berichtet, unternahmen die Künstlerinnen drei Anläufe, um die Gemälde im Behnhaus abzufotografieren. Für sie gab es schließlich erschwerte Bedingungen: Eigentlich darf man in dem Museum nicht fotografieren, deshalb mussten sie es heimlich machen. Darüber hinaus waren die Bilder zum Teil gelbstichig, weshalb sie noch einmal losziehen mussten, um ihre Lieblingsmotive, unter anderem Mutter und Kind des Werks „Die Heimkehr von der Arbeit“, festhalten zu können. „Einen ziemlichen Adrenalinschub“ habe das wohl bei den Künstlerinnen verursacht, wie sie Bastek erzählt haben. Aber die Aufregung ging noch weiter: Die Bilddateien schickten sie an Casabianca, der acht Motive auswählte, sie drucken ließ und an die Frauen zurücksendete.

„In einer Nacht- und Nebelaktion vom 15. auf den 16. November hängten sie alle Motive gleichzeitig auf“, erzählt Bastek. „Zwei waren jedoch wohl gleich am nächsten Tag schon verschwunden, denn wir haben ja nur sechs zu Gesicht bekommen.“ Eines soll noch in der Passage in der Königstraße neben dem Kino und eines im Durchgang zwischen Aegidien- und Wahmstraße gehangen haben. „Die Motivation dahinter wollen sie aber im Frühjahr noch einmal öffentlich selbst erklären“, sagt Bastek. Denn dann wollen sie ihre Identität der Öffentlichkeit preisgeben.

Outings in Lübeck
6 abfotografierte Ausschnitte von Gemälden („Outings“), die im Original im Museum Behnhaus hängen, sind in den vergangenen drei Wochen in der Innenstadt an Häuserwänden entdeckt worden. Mittlerweile sind viele entfernt worden. Zum Teil sind sie noch auf Julien de Casabiancas Projektwebseite (http://www.outings-project.org) als Fotos abrufbar.

Lena Modrow

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