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Lübeck Panzergranate bei Bauarbeiten entdeckt
Lokales Lübeck Panzergranate bei Bauarbeiten entdeckt
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09:32 21.09.2017
Nachdem die Polizei den Terminal abgesperrt hatte, rückte der Kampfmittelräumdienst an. Quelle: Foto: Holger Kröger
Kücknitz

Bauarbeiter entdeckten die Granate gegen 10 Uhr, woraufhin die Polizei das Gelände sofort weiträumig absperrte, so Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Bis zum Eintreffen des Kampfmittelräumdienstes aus Groß Nordsee war unklar, um was für eine Art von Sprengkörper es sich bei dem etwa 70 mal 15 Zentimeter großen Objekt handelte.

Bei Baggerarbeiten wurde am Mittwochvormittag auf dem Gelände des Lehmannkais in Kücknitz eine Panzergranate freigelegt. Der Betrieb am Terminal wurde eingestellt, bis der Kampfmittelräumdienst die Granate am Nachmittag entfernt hatte. Wahrscheinlich ist, dass sie illegal entsorgt wurde.

„Der Betrieb auf dem rund 80000 Quadratmeter großen CTL-Cargo-Terminal wurde umgehend eingestellt“, berichtet Klaus Schneider, technischer Leiter vom Lehmannkai. Außerhalb des Geländes, auf dem sonst Container umgeschlagen werden, gab es hingegen keine Einschränkungen. Die Anwohner konnten vorerst in ihren Häusern verbleiben. „Wir warten jetzt, bis der Kampfmittelräumdienst kommt“, sagte Anwohner Udo Wagner, der den Vorgang gestern Mittag zusammen mit seinen Nachbarn aus sicherer Entfernung verfolgte. Nach einigen Stunden dann die Entwarnung: „Nach der Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich bei dem Sprengkörper dem Aussehen und den Abmessungen nach um eine russische Panzergranate ohne scharfen Zünder handelt“, so Gerlach. Zwecks weiterer Untersuchung wurde die Granate dann von den Einsatzkräften verpackt und in einem detonationssicheren Behältnis abtransportiert. „Die aufgefundene Granate war nicht bezündert und stammt aus einer Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges“, berichtet Mark Wernicke vom Kampfmittelräumdienst später. Der fehlende Zünder weise auf eine Bearbeitung der Granate von Hand hin. Deswegen gehe man davon aus, dass die Munition am Fundort unerlaubt entsorgt worden sei, nachdem der Zünder entfernt wurde.

Eine Annahme, die auch historisch gesehen die einzig passende zu sein scheint. Hätte es sich bei dem Fund um eine Fliegerbombe gehandelt, wäre das noch auf den Zweiten Weltkrieg zurückzuführen gewesen, obgleich „mir nur ein dokumentierter Angriff auf diesen Stadtbereich bekannt ist“, so der Lübecker Historiker Christian Rathmer. Am 16. Juli 1942 habe es einen Fliegerangriff auf das Hochofenwerk in Kücknitz gegeben. Da es sich bei dem Fund aber eben um eine etwas jüngere russische Panzergranate handelt, ist die illegale Entsorgung sehr viel wahrscheinlicher. Ein gefährliches Vorgehen, denn: „Auch ohne Zünder wird die Granate bis zum Abschluss der genaueren Untersuchung noch als scharf eingestuft“, sagt Jana Maring von der Pressestelle des Landeskriminalamtes.

Generell warnt der Kampfmittelräumdienst: Der unsachgemäße Umgang mit Munition oder Teilen davon kann tödlich sein. Wer meint, Munition gefunden zu haben, sollte sie keinesfalls berühren und sofort den Kampfmittelräumdienst verständigen.

Das geht rund um die Uhr entweder über die örtliche Polizei oder über das Lagezentrum des Innenministeriums unter der Telefonnummer 04 31/16 00.

 Von Luisa Jacobsen

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