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Lübeck Chaos in der CDU
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13:49 26.11.2018
Volles Haus: Zeitweilig waren 205 von 649 Mitgliedern der CDU auf dem Kreisparteitag in der Thomas-Mann-Schule. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die rund 200 Mitglieder haben am Sonnabend nicht nur die bisherige Kreisvorsitzende Anette Röttger abgewählt und durch Carsten Grohmann ersetzt (LN berichteten). Sie haben auch Burkhart Eymer, bisher einer der stellvertretenden Vorsitzenden, durchfallen lassen. Der mehrstündige Parteitag in der Thomas-Mann-Schule versank schließlich im Chaos, wurde unterbrochen und muss im Januar fortgesetzt werden.

Eymer fällt bei Wahl durch

„Traurig und enttäuscht“ sei er, sagt Burkhart Eymer, der bei der Wahl der stellvertretenden Kreisvorsitzenden nicht die nötige Stimmenzahl bekam. „Einige Parteifreunde wollten ihr Mütchen kühlen, dafür dass Anette Röttger durchgefallen ist“, analysiert Eymer. Die Bundestagsabgeordnete Prof. Claudia Schmidtke sowie die Bürgerschaftsmitglieder Claudia Treumann und Christopher Lötsch nahmen die Hürde locker im ersten Wahlgang. Burkhart Eymer trat in einem zweiten Wahlgang an und verpasste die nötige Mehrheit. „Ich bin durchgefallen“, räumt er ein, „ich kandidiere nun als Beisitzer.“ Besonders bitter für ihn: Eigentlich sollten alle vier Stellvertreter en bloc gewählt werden, aber ein Mitglied verlangte Einzelabstimmung.

Zu wenige Stimmzettel und faustdicke Überraschungen

Immer wieder musste der Diplom-Kaufmann in den vergangenen Jahren Niederlagen hinnehmen. 2012 unterlag er Anette Röttger in der Wahl um den Kreisvorsitz. Im Dezember 2016 verlor Eymer im Kampf um die Nominierung für den Bundestag klar gegen Claudia Schmidtke. Die Bundestagsabgeordnete, die 2017 nach 52 Jahren das Lübecker Direktmandat für die CDU eroberte, ist derzeit der Darling der Partei. Bei allen Wahlgängen erzielt sie Spitzenresultate.

Röttger fühlt sich nicht als Verliererin

Anette Röttger erklärt ihre Abwahl mit einer „Stimmung, die seit September in der Partei aufkam und die auf Veränderung drängte“. Eine „Gruppe Enttäuschter“ habe diese Stimmung gegen sie erzeugt. Röttger setzte beim Wahlgang am Sonnabend alles auf eine Karte. Sie benannte in ihrer Bewerbungsrede auch gleich ihre Wunschkandidaten für die Stellvertreter-Posten. Das war ungewöhnlich und sorgte für Unruhe im Saal. Burkhart Eymer war ausdrücklich nicht dabei. „Einige Vertreter haben gegen mich gearbeitet“, erklärt Röttger auf LN-Anfrage diese Taktik.

Sie fühle sich aber nicht als Verliererin, weil sie mit der Bilanz ihrer sechsjährigen Parteiführung zufrieden sei. Die 54-jährige Landtagsabgeordnete: „Ich bin nicht beleidigt. Ich trete für die nächsten zwei Jahre an die Seitenlinie.“ Unter Umständen trete sie zu den Vorstandswahlen 2020 wieder an.

Eine einzige Frau an der Spitze

Anette Röttger, die die Partei seit August 2012 führte, war die erste Frau an der Spitze des Kreisverbands. 17 Männer leiteten die Geschicke der Partei seit Dezember 1945. Nur zwei Männer waren länger als Röttger im Amt. Dr. Walther Böttcher stand der CDU von 1946 bis 1957 vor, Frank Sauter führte die Partei von 1988 bis 1996 und von 2002 bis 2010.

Stimmzettel gingen aus

Der neue Kreisvorsitzende Carsten Grohmann hat Bernhard Simon als vierten Stellvertreter vorgeschlagen. Doch weder Simon noch die Beisitzer konnten gewählt werden, weil die Stimmzettel zur Neige gingen. Die Partei hat seit einiger Zeit Probleme mit der Organisation. Im Februar dieses Jahres musste ein Programm-Parteitag abgebrochen werden. Zu wenige Kopien und eine leere Druckerpatrone verhinderten damals die Verabschiedung des Kommunalwahlprogramms. Am Sonnabend scherzte Tagungsleiter Norbert Brackmann, dass er beim nächsten Mal einen Drucker mitbringen werde. Im Januar wird der Parteitag fortgesetzt, damit der Vorstand komplettiert werden kann.

Klage der Kassenprüfer

Einen ungewöhnlichen Auftritt hatten auch die Kassenprüfer. In langen Redebeiträgen monierten sie zu hohe Portokosten, forderten Rückerstattung von Reisekosten, kritisierten den Umgang mit den Abgaben der Mandatsträger und beklagten den unhöflichen Ton, der ihnen gegenüber angeschlagen werde. Dabei hatten die scheidenden Schatzmeister Tim Becker und Henning Stabe gute Zahlen vorgelegt. 2016 sei der Kreisverband Pleite gewesen, sagte Stabe, das Jahr 2018 werde der Verband mit 43 000 Euro Vermögen abschließen. Und das trotz zahlreicher Wahlkämpfe.

Kai Dordowsky

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