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Lübeck Paten geben Starthilfe ins Schulleben
Lokales Lübeck Paten geben Starthilfe ins Schulleben
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20:15 21.10.2013
Zusammen mit Patin Ingrid Schünemann sind die Schulaufgaben für die neunjährige Milana besser zu verstehen und zu lösen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Die Aufgabe ist schon ein wenig knifflig. Die neunjährige Milana und ihre siebenjährige Schwester Liana zerbrechen sich die Köpfe. Obwohl noch Herbstferien sind, haben sie ein Deutsch-Schulbuch vor sich. „Sommerferien — ja — Sommerferien“, lesen die beiden schließlich freudestrahlend aus den zusammengesetzten Lösungsbuchstaben vor. Ingrid Schünemann, die neben den Grundschulkindern am Schreibtisch sitzt, freut sich. „Es ist wirklich schön, wenn man die Fortschritte hautnah mitbekommt“, sagt die Patin der Familie Sagova. Die 56-jährige Krankenschwester, selbst Mutter von inzwischen vier erwachsenen Kindern, macht mit beim Patenschaftsprojekt des „Fördervereins für Lübecker Kinder“, das es seit zweieinhalb Jahren in der Hansestadt gibt und in dem sich momentan 25 Ehrenamtler engagieren.

Dazu der Initiator, der emeritierte Uni-Professor Hans Arnold: „Die Paten widmen ihrem Patenkind mindestens zwei Wochenstunden für wenigstens ein Kalenderjahr, um mit ihm zu lesen, zu spielen, ins Theater, Museum oder in die Sternwarte zu gehen, also einen Ausflug zu machen“, erklärt der 74-Jährige, der auch Vereinsvorsitzender ist. Gerade Kinder in Migrantenfamilien hätten häufig mit Sprachbarrieren zu kämpfen und lebten oftmals gesellschaftlich isoliert; diesbezüglich Hilfestellung zu geben, sei enorm wichtig für ihre weitere Entwicklung. „Denn schon in der Grundschule werden die Weichen für den weiteren Werdegang im Bildungssystem gestellt und damit Biografien vorherbestimmt“, führt Arnold aus.

„Deshalb ist es so wichtig, dass auch Kinder aus Zuwandererfamilien gute Startbedingungen erhalten.“ Defizite in frühen Entwicklungsjahren könnten durch Kitas sowie Grundschulen kaum adäquat ausgeglichen werden, da hier viel zu wenig Personal im Einsatz sei. „Dieser Sektor muss einfach besser ausgestattet werden“, fordert er. Als Vorbild nennt der Professor unser Nachbarland Dänemark.

„Dort wird von der öffentlichen Hand pro Kind doppelt so viel Geld investiert wie hierzulande.“

Die Mutter von Milana und Liana, Khadizhat Sagova, ist vor acht Jahren — als in ihrem Heimatland, der Kaukasusrepublik Inguschetien, Bürgerkrieg herrschte — geflohen. Seit knapp drei Jahren wohnt sie nun in Lübeck und hat während ihres Aufenthaltes im Frauenhaus von dem Patenschaftsprojekt erfahren. „Es ist für mich einfach toll, diese Unterstützung im Alltag zu bekommen“, sagt die 31-Jährige, die auch noch für die dreijährige Lejla sowie den sechsjährigen Omar zu sorgen hat. Für den Jungen gebe es inzwischen ebenfalls einen Paten, merkt dabei Arnold an.

Ingrid Schünemann ist in den anderthalb Jahren ihrer Tätigkeit zu einem weiteren Familienmitglied geworden. „Wir haben einen festen Tag in der Woche, an dem wir von Schulschluss bis abends Zeit miteinander verbringen“, so die 56-Jährige. „Sich so einbringen zu dürfen, ist ein echtes Glück und eine Freude“, resümiert sie. Und sie werde der Familie so lange treu bleiben, bis die Kinder in der Pubertät möglicherweise signalisierten, nun sei es genug, lacht sie.

Ehrenamtler gesucht
Für das Projekt werden dringend Paten gesucht. Inzwischen gibt es eine längere Warteliste von Kindern, bei denen eine Unterstützung gewünscht wird. Man sollte sich allerdings über mindestens ein Jahr binden sowie mindestens zwei Stunden pro Woche erübrigen können. Weitere Informationen gibt es bei Ansprechpartnerin Ira Knorr. Sie ist immer mittwochs von 9 bis 13 Uhr zu erreichen — telefonisch unter 04 51/39 73 18 75 oder im Büro Hüxterdamm 18.

Michael Hollinde

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