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20:37 09.10.2017

Endlich wieder Meer. Ich schließe die Augen, atme ein, atme aus. Der begrenzte Auslauf, der grenzenlosen Ausblick auf dem Oberdeck der „Su Zhou Hao“ wirkt befreiend. Drei Tage und zwei Nächte dauert die Überfahrt nach Osaka. Ausspannen. Aufs Meer blicken. Im japanischen Zimmer auf Bambusmatten schlafen. Chinesisches Essen und japanische Schokolade genießen.

Pete, Auswanderer aus Polen, zeigt Luisa Rische Osaka.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Obwohl ich alle Zeit der Welt habe, stecken mir immer noch die Hummeln im Hintern: Als ich nach der ersten Nacht auf der Fähre aufwache, will ich schon wieder packen. Weil aber niemand außer mir in Hektik ausbricht, werfe ich die müden Schaltkreise an und erkenne, dass ich noch anderthalb Tage auf dem Meer verweilen darf.

Ich springe im Schlafanzug auf das Oberdeck, wo die Chinesen von einer Seite zur anderen rennen, um ein Foto der aufgehenden Sonne zu erhaschen.

Anlegen in Osaka. Heimat von Heiji Hattori, Schülerdetektiv, Freund von Shin’ichi Kudo alias Detektiv Conan. Ich gebe zu, Animes und Mangas sind in meiner Jugend nicht spurlos an mir vorbeigegangen.

Im Gegenteil, sie haben mich all mein Taschengeld gekostet. Als ich die Grenze zur Heimat dieser fesselnden Comic- und Trickfilmkultur passiere, sitzt die Vorfreude wie ein Kloß in meinem Hals.

Stille. Das ist das Erste, was mir auffällt, als ich im Hafen von Osaka losradle. Keiner hupt, keiner schreit. Gleich danach wundere ich mich, warum der Lastwagen auf der anderen Seite der Kreuzung auf der falschen Seite steht. Bevor ich unter seinen Rädern lande, wird mir klar, dass die Japaner links fahren. Ich fahre vorsichtshalber auf dem Gehweg weiter.

Die ersten Nächte schlafe ich bei Pete: Couchsurfer, Weltreisender, Auswanderer, getriebene Seele aus Polen. Zusammen feiern wir meinen Geburtstag, schauen „Trainspotting“, trinken einen südafrikanischen Wein und zu viel polnischen Schnaps. Obwohl Pete mir weismachen will, Osaka wäre gar nicht so toll, bin ich begeistert von der Stadt. Es gibt so viele vor Leben sprühende Straßen, dass ich nie weiß, in welche ich abbiegen soll. Verloren in Osaka.

Ich esse mich durch Tintenfischbällchen und japanische Pizza und schleiche am Montagmorgen schweren Herzens zum Visa Application Centre. Vielleicht sollte ich einfach in Japan bleiben, überlege ich.

Doch die Chinesen nehmen mir die Entscheidung vorerst ab. Es gibt gerade keine Touristenvisa. Ich solle Anfang November noch einmal wiederkommen.

Nach einer Woche in Osaka klettere ich zurück in den Sattel. Nara ist mein Ziel. Doch der Weg führt über einen Berg. 450 Meter hoch. 20 Prozent Steigung. Ich schiebe. Das schaffe ich nie, denke ich, und halte den Daumen raus. Der dritte Fahrer, der bereits zwei Rennräder im Kofferraum hat, nimmt „Anton“ und mich bis zum Gipfel mit. Wir Radler halten zusammen. Runter schaffe ich es dann allein und schlage zwischen Ikoma und Nara mein Zelt auf.

Von Luisa Rische

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