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Lübeck „Persönlichkeit ist wichtiger als Zensuren“
Lokales Lübeck „Persönlichkeit ist wichtiger als Zensuren“
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22:22 19.09.2013
Richard David Precht konfrontiert seine Zuhörer in den Media Docks mit revolutionären Ideen von einer gerechteren Schule. Quelle: Foto: Maxwitat

Die Schule der Zukunft sieht völlig anders aus als das, was wir kennen. Da ist sich Richard David Precht sicher, der gestern für die LN-Akademie nach Lübeck kam. Der Philosoph, Publizist und Schriftsteller stellte gestern in den Media Docks vor rund 180 Schülern und Auszubildenden seine Vision des kommenden Schulsystems vor. Und die dürfte den meisten der jungen Zuhörer gefallen haben.

„Es sollte nur noch eine Schulform geben“, so Precht. Im Klassenverbund werde nur noch bis zur 6. Klasse unterrichtet. Danach werde jeder nach seinen persönlichen Talenten und Neigungen in Projekten gefördert. Zensuren und Versetzungen werde es nicht mehr geben. Die Entwicklung der Persönlichkeit sei wichtiger als Zensuren und Stoff, den die meisten später sowieso wieder vergessen hätten.

Dem konnte Kay Soroko nur zustimmen. „Ich finde viele seiner Forderungen gut und plausibel“, sagte der 18-jährige Schüler des Katharineums. Die heutigen Profilfächer würden nicht entsprechend gefördert, die Schwerpunkte zu sehr in Standardfächern gesetzt.

G 8 und Turbo-Abi bei gleicher Stoffmenge bezeichnete der Autor als absoluten Quatsch. „Auch die Pädagogen müssen sich umstellen“, forderte Precht. Sie werden in Zukunft im Team lehren und von Wissenschaftlern, Dichtern oder Fachkräften aus der Wirtschaft unterstützt, ist er sich sicher. Bei derartigen Ausführungen atmetet der eine oder andere anwesende Lehrer hörbar aus.

In seinem gut dreißigminütigen Vortrag stellte Precht unserem Bildungssystem ein schlechtes Zeugnis aus. Wir seien so ziemlich die einzigen in Europa, die — zumindest in einigen Bundesländern — noch ein dreigliedriges Schulsystem haben. Als Vorbilder für moderne Bildung, die die Kinder nach ihren persönlichen Stärken fördert und damit für das spätere Berufsleben fit macht, nannte er die skandinavischen Länder, die nicht umsonst regelmäßig bei den Pisa-Studien ganz vorn landen würden.

„Vieles, was er sagt, klingt gut“, fand auch Lea Wysokinski (18) von der Thomas-Mann-Schule. „Ich bin mit unserem Schulsystem nicht zufrieden, das ist ein ständiges Hin und Her.“ Als Grund dafür nannte Precht die Hoheit der Kultusminister auf Länderebene. Die sollten ihre Macht an die Schulen abgeben.

Am Abend referierte er vor Erwachsenen über das Thema „Moralische Gefühle“.

• Weitere Informationen unter www.ln-akademie.de

hp

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