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Lübeck Personalausfall in Kitas: Elternvertreter machen Druck
Lokales Lübeck Personalausfall in Kitas: Elternvertreter machen Druck
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12:52 11.04.2017
„Das Thema soll im Wahlkampf kleingehalten werden", sagt Elternvertreter Kai Daut. Quelle: dpa

Heftige Vorwürfe erheben die Kreis- und die Stadtelternvertretung der Kitas in Lübeck (KEV und SEV) gegen die Stadtverwaltung. Die Erhebung von Daten zu Personalausfällen in Kitas sei von der „Verwaltung unter fadenscheinigen Gründen ein Jahr lang verschleppt worden“, kritisieren die Vorsitzenden Stefanie Berndt (SEV) und Kai Daut (KEV). Die Elternvertreter haben den Eindruck, dass das Thema Ausfallzeiten „im anstehenden Wahlkampf für die Bürgermeisterwahl möglichst kleingehalten werden soll“.

 

„Die Fehlzeiten betragen im Schnitt 14, 15 Prozent.Klaus-Peter Jürgensen, Teamleiter

Tatsächlich hat der Jugendhilfeausschuss die Verwaltung von Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) im Februar 2016 beauftragt, eine umfangreiche Erhebung bei allen 130 Einrichtungen zu starten.

Im April 2016 sollte die Befragung starten. Passiert ist nichts. Die Verwaltung begründet das damit, dass im August 2016 ein Erlass des Landes in Kraft getreten ist, der eine bessere Personalausstattung der Kitas vorsieht. Die Verwaltung startete deshalb erst Anfang 2017 mit der Erhebung. „Wir werden vor der Sommerpause ein Zwischenergebnis präsentieren“, verspricht Teamleiter Klaus-Peter Jürgensen, einen weiteren Bericht werde es zum Jahresende geben. Die Elternvertretungen empfinden das als respektlos. Außerdem würden in den Kitas „nach wie vor Gruppen reduziert oder ganz geschlossen“.

Tim Klüssendorf (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, kann die Argumente der Verwaltung nicht nachvollziehen. „Ich teile die Kritik der Elternvertretungen“, sagt Klüssendorf, „das Verfahren war klar abgesprochen und wurde nicht eingehalten.“ Vor allen Dingen im Herbst und Winter, wenn viele Erzieherinnen wegen Krankheiten ausfallen, komme es teilweise zu dramatischer Personalnot.

Klüssendorf: „Manchmal müssen Kitas für ein paar Tage schließen, und die Eltern wissen nicht, wohin mit ihren Kindern.“ Die Bürgerschaft habe bereits nachgebessert und das Geld für vier Springerkräfte bereitgestellt. Das reiche aber nicht aus, erklärt Klüssendorf.

Den Kita-Eltern brennt das Thema seit Jahren unter den Nägeln. 2014 und 2015 erhoben sie in zwei ausgewählten Einrichtungen eigenhändig die Ausfallzeiten durch Krankheit, Urlaub, Sonderurlaub und Fortbildung. Die Quoten schwankten zwischen 29 und 32 Prozent. Die städtischen Kitas, die Gemeindediakonie und Kinderwege steuerten im Sommer 2015 eigene Daten bei. Die 28 städtischen Einrichtungen kamen im Durchschnitt auf 16,45 Prozent Personalausfall, die kirchlichen Kitas meldeten 18,8 Prozent und der gemeinnützige Träger Kinderwege 17 bis 18 Prozent. Die Daten wurden von Trägern, Verwaltung und Politikern als nicht aussagekräftig bewertet. Denn bei einer sehr kleinen Einrichtung schnellen die Quoten schon bei einer länger erkrankten Erzieherin in die Höhe. Jürgensen: „Das ist schwer mit einer großen Kita zu vergleichen, die Ausfälle besser kompensieren kann.“

Kritik üben die Elternvertretungen auch an den aktuellen Versorgungsquoten in den Kitas. Die Quote bei den Krippenkindern unter drei Jahren würden seit einigen Jahren bei 39 Prozent verharren, bei den Drei- bis Sechsjährigen bei 86 Prozent. Daut und Berndt: „Beim Kita-Ausbau muss Lübeck wieder auf das Gaspedal treten.“

 Kai Dordowsky

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