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Lübeck Personalrat: Stadtverwaltung wird zum großen Altersheim
Lokales Lübeck Personalrat: Stadtverwaltung wird zum großen Altersheim
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20:22 28.10.2013

Als „besorgniserregend“ bezeichnet der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates der Stadt den neuesten Personalbericht. „Die Lübecker Verwaltung ist auf den demografischen Wandel nicht vorbereitet“, resümiert Ludwig Klemm, „wenn wir jetzt nicht gegensteuern, wird die Stadtverwaltung zum größten Altersheim in Deutschland.“

Die Zahlen, die der Personal- und Organisationsservice vorlegt, sind eindeutig. „Das Durchschnittsalter (der Mitarbeiter) ist seit 2006 um rund zwei Jahre angestiegen“, schreibt die Behörde, es bestehe „ein deutlicher Handlungsbedarf bei Personalgewinnung, Personalentwicklung und Personalplanung“. Die Beschäftigten zwischen 50 und 59 Jahren bilden mit 36,2 Prozent die größte Gruppe — 2006 waren es 30,4 Prozent. Auch die Gruppe der über 60-Jährigen ist seit 2006 um 3,5 Punkte auf 10,1 Prozent angestiegen. Vor allem aber ist die Gruppe der Beschäftigten zwischen 30 und 39 Jahren von 20 Prozent im Jahr 2006 auf 13,1 Prozent (2012) abgeschmolzen. „Überalterung und hoher Krankenstand hängen unmittelbar zusammen“, erklärt Personalrat Klemm. 8,7 Prozent krankheitsbedingte Fehlzeiten meldet der Personal- und Organisationsservice für 2012. Es war schon mal mehr (8,9 Prozent 2010), aber auch schon deutlich weniger (6,8 Prozent 2006). „Sichtbar ist, dass die Krankenquote bis zum Alter von 50 Jahren deutlich niedriger ist als in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen“, so die Behörde. Spitzenreiter ist die Bauverwaltung (10,1 Prozent), wo viele Wasserbauer, Gärtner und Straßenmeister tätig sind. „Die Leute sind ganz einfach auf“, sorgt sich Klemm.

Seit Jahren warnen Politiker von SPD und CDU vor einem dramatischen Aderlass in der Stadtverwaltung. Schon 2010 hieß es, dass rund 1000 Stellen innerhalb weniger Jahre frei würden. SPD-Fraktionschef Jan Lindenau: „Mit einem Schwung geht ganz viel Fachwissen verloren.“ Er prophezeit einen baldigen Fachkräftemangel. Lindenau: „Die Einstellung von 40 neuen Azubis pro Jahr reicht nicht.“ Schon 2008 forderte die Bürgerschaft den Bürgermeister auf, ein Personalmanagementkonzept zu erstellen. Im Januar 2012 wurde der Auftrag erneuert. „Bernd Saxe tut seit Jahren nichts“, ärgert sich CDU-Finanzexperte Lars Rottloff, „wenn es um Bereichsleiterstellen geht, ist er aktiv und besetzt sie mit Genossen, aber für die gesamte Belegschaft fehlt ein Konzept.“

Der bevorstehende Aderlass bietet aus Sicht der Politiker auch Chancen, Stellen abzubauen und Personalkosten zu sparen. Rottloff: „Wenn jemand in Pension oder Rente geht, muss man sich die Stelle genau anschauen und überlegen, ob die Aufgabe bestehen bleibt, woanders erledigt, ausgegliedert oder gestrichen werden kann.“ Diese sogenannte Aufgabenkritik vermisst auch der Personalrat. In der Stadtverwaltung würden Stellen einfach nicht wieder besetzt. Klemm: „Es wird Personal auch da reduziert, wo die Aufgaben weiter anfallen.“ Statt einfach Stellen nicht zu besetzen, müsste die Verwaltung dringend modernisiert werden, fordert die SPD. „Eine Strategie für eine digitale Verwaltung fehlt komplett“, kritisiert Fraktionschef Lindenau, „und statt ein Dokumentenmanagement einzuführen, kaufen wir dauernd Bunker, um Akten zu archivieren.“

Michelle Akyurt, Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen, attestiert der Verwaltung, dass sie bereits gegensteuert. „Das Problem ist erkannt“, sagt Akyurt. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) verweist auf das neue Programm „Führen im Fokus“. 30 Nachwuchskräfte werden gezielt auf Führungsaufgaben vorbereitet.

Verwaltung in Zahlen
4700 Beschäftigte zählt die Hansestadt. Die Kernverwaltung ohne Altenheime, Entsorgungsbetriebe, Schwimmbäder und Gebäudereinigung umfasst 2828 Stellen. 191 Azubis werden bei der Stadt ausgebildet. Von 230 Führungskräften sind 48 Prozent älter als 50 Jahre. Bis 2020 scheiden 80 Führungskräfte aus Altersgründen aus der Verwaltung aus.

Kai Dordowsky

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