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Lübeck Peta will Herings-Angeln in Lübeck verbieten
Lokales Lübeck Peta will Herings-Angeln in Lübeck verbieten
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12:47 17.09.2018
Angler stehen am Ufer der Trave in Lübeck und angeln auf Heringe. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Es ist eine gute alte Tradition in Lübeck: Jedes Jahr im Frühling beginnt die Angelsaison für Heringe. Am Rand der Trave stehen dann wie an einer Perlenschnur aufgereiht Männer, Kinder und hin und wieder auch  Frauen mit ihren Angelruten. Doch wenn es nach der Tierschutzorgansiation Peta geht, soll genau das schon bald ein Ende haben. 

In einem offenen Brief an Bürgermeister Jan Lindenau bittet Peta darum, das Angeln zu verbieten. „Der Hering der westlichen Ostsee gilt als gefährdet. Laut einer Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) soll die Heringsfischerei vor der westlichen Ostseeküste 2019 ganz ausgesetzt werden“, heißt es darin. 

Elterntiere fehlen

Laut dem Institut für Ostseefischerei fehlen vor allem Elterntiere, die in den kommenden Jahren für Nachwuchs sorgen sollen. Aus diesem Grund sollen auch in Lübeck die Heringsangler an Hafenpromenade und Trave-Ufer das Angeln einstellen, um die laichenden Elternteile zu schützen. „Auch Lübeck City sollte dem Rat des ICES folgen und ein Angelverbot für Heringe verhängen. Die Fische brauchen einen sicheren Rückzugsort“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Meerestiere und Fische bei Peta. 

Die Organisation verweist in Ihrem Brief auch darauf, dass Kontrollen im Mai in Rostock ergaben, dass es Heringsangler zudem mit den Tierschutzbestimmungen nicht immer genau zu nehmen scheinen: Die Hälfte von rund 40 überprüften Anglern sei beanstandet worden, teilte das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern mit. 

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Stadt ist nicht zuständig

Bürgermeister Jan Lindenau hat der Tierschutzorganisation mittlerweile schriftlich geantwortet und darauf hingewiesen, dass er persönlich ein Angelverbot gar nicht verhängen könne. In seinem Brief heißt es: „Vielen Dank für Ihre Anregung, für Lübeck Wasserschutzgebiete auszuweisen, um die hier laichenden Heringe zu schützen. Gemäß § 51 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) kann aber nur die Landesregierung von Schleswig-Holstein Wasserschutzgebiete festsetzen.“ 

Weiterhin verweist er darauf, dass ein solches Verbot nur denkbar sei, um das Gewässer im Interesse der derzeit bestehenden oder künftigen öffentlichen Wasserversorgung vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen, das Grundwasser anzureichern oder das schädliche Abfließen von Niederschlagswasser sowie das Abschwemmen und den Eintrag von Bodenbestandteilen, Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln in Gewässer zu vermeiden. Eine Festsetzung von Wasserschutzgebieten zum Schutz von Fischen sei gesetzlich nicht vorgesehen. 

Tierschutz stärken

„Allerdings gilt auch für Fische das Tierschutzgesetz, wonach das grundlose Zufügen von Schmerzen, Leiden oder Schäden an Tieren verboten ist. Nach dem Tierschutzgesetz und der Tierschutzschlachtverordnung dürfen Fische nur unter Betäubung getötet werden. Jede Betäubungsmethode muss einen Wahrnehmungsverlust bei Fischen erzielen, der bis zum Eintritt des Todes durch Schlachtung anhält“, so Lindenau.  

Das Tierschutzgesetz und die Tierschutzschlachtverordnung schreiben vor, dass jeder, der Tiere betäubt, schlachtet und tötet, über die dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen muss. „Die notwendige Sachkunde darf man voraussetzen, wenn der Angler einen Fischereischein besitzt“, betont der Bürgermeister. 

Ein Problem sieht aber auch er in der Ausnahmemöglichkeit für Touristen, die für wenige Tage im Jahr auch ohne Angelschein angeln dürfen. „Daher muss das Bestreben eher dahin gehen, die Sachkunde der Angler zu verbessern beziehungsweise den Anglern das tierschutzgerechte Töten ins Gedächtnis zu rufen, als das Angeln zu verbieten“, so Lindenau. 

Immer mehr Verbote 

Auch beim Anglerverband des Landes zeigt man wenig Verständnis für das Anliegen von Peta. „Ich halte den Vorschlag nicht für korrekt und auch nicht für notwendig“, sagt der Präsident Siegfried Stockfleth. „Die Angler werden immer mehr eingeschränkt. Wenn es weitere Verbote gibt, leidet der Angelsport immer weiter.“ 

Er sieht den Ansatz eher in der Berufsfischerei. „Dort könnte man anfangen, die Probleme zu lösen. Die Angler fangen lediglich ein paar Heringe für die Pfanne, das macht im Gesamten nicht viel aus“, so Stockfleth. 

Von Maike Wegner

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