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Lübeck Petrikirche: Neuer Putz für alte Mauern
Lokales Lübeck Petrikirche: Neuer Putz für alte Mauern
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20:52 26.07.2017
Bevor es mit der Restaurierung losgehen kann, begutachtet Restaurator Rinko Berg die einzelnen Wandschichten der Kapelle. Quelle: Fotos: Neelsen (3), Maxwitat

Ganz vorsichtig streicht Restaurator Rinko Berg über die Wandoberfläche in der Marientidenkapelle der Petrikirche. An vielen Stellen entdeckt er Steine, die sich über die Jahre dunkel verfärbt haben. Der Putz bröckelt ab, einzelne Umrisse dekorativer Malereien aus dem 16. Jahrhundert blitzen hinter Mörtelschichten auf, sind vergilbt und an vielen Stellen beschädigt. Während seiner Begutachtung klebt Berg kleine grüne Punkte auf besonders besorgniserregende Stellen. „Da darf man auf keinen Fall zu fest draufdrücken“, erklärt der Restaurator, „sonst bricht die Wand durch.“

Während an der Außenfassade der Petrikirche bereits seit etwa drei Jahren umfassende Sanierungsarbeiten laufen, soll nun auch im Inneren die Marientidenkapelle wieder in Schuss gebracht werden. Seit einem Monat arbeiten Maurer und Restauratoren schon an den Wänden. Bis voraussichtlich Ende November soll dann alles fertig sein. „Das ist hier wie eine moderne Schatzsuche“, berichtet Bernd Leinert, Leiter der Kirchenbauhütte. Kalkschichten aus verschieden Epochen sind teilweise von Putz und Farbüberstrichen aus den 80er Jahren überlagert. Keiner weiß, was darunter liegt. „Oft gibt es dann Überraschungen, wenn wir die Wände begutachten“, so Leinert.

Dass ein langes Stück Geschichte im Gemäuer steckt, beweisen die schnörkeligen Überreste dekorativer Rankenblätter. „Die Ornamente entstanden um 1500“, sagt Johannes Schindler von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Der Ortskurator für Denkmäler in Lübeck machte sich gestern selbst ein Bild von den voranschreitenden Restaurierungsarbeiten. 30000 Euro stellt die private Denkmalstiftung gemeinsam mit Spenden von Nordwest-Lotto für die Sanierung zur Verfügung. „Wir unterstützen gern die kleinen Schätze, die sich im Inneren der Kirche befinden“, so Schindler.

Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerbombt. „Deshalb ist es etwas sehr Besonderes, dass die Wandmalereien heute noch erhalten sind“, so der Ortskurator. In früheren Jahrhunderten wurde der Kapellen-Anbau für Gläubige als Gebetsraum genutzt, um Psalme und Wechselgesänge zu Ehren der Mutter Gottes loszuwerden. Für die Zeit nach der Restaurierung hat Pastor Bernd Schwarze nun neue Pläne für den Raum: „Wir wollen in der Kapelle eine Ausstellung einrichten, die die gesamte Restaurierungsgeschichte der Kirche für unsere Besucher dokumentiert.“ Damit würde die Petrikirche zugleich ein sakraler und ein weltlicher Ort sein – zumal sie mit der Aussichtsplattform im Turm zentraler Anlaufpunkt für Touristen sei.

 Saskia Bücker

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