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Lübeck Pfeifkonzert für Frauke Petry - AfD unter sich
Lokales Lübeck Pfeifkonzert für Frauke Petry - AfD unter sich
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22:23 02.03.2017
Der Protest gegen den AfD-Wahlkampfautakt im Nieselregen. Quelle: Olaf Malzahn

30 Mannschaftswagen vor der Tür, Uniformen, Hunde, das Polizeiboot „Adler“ patrouilliert auf der Trave – die Media Docks glichen gestern Abend einer Festung. Auftritt Frauke Petry: Die Bundeschefin der rechtspopulistischen AfD absolvierte in Lübeck ihren ersten Wahlkampfauftritt im Norden.

Unsere Bildergalerie zeigt die umstrittene AfD-Veranstaltung und die Demonstrationen dagegen.

200 Besucher waren gekommen, draußen demonstrierten rund 600 Lübecker am Eingang des Media- Docks-Geländes gegen die AfD. Ein Bündnis aus 17 Organisationen, Parteien und Gewerkschaften hatte zu den Protesten aufgerufen. Besucher, die das Spalier der Demonstranten passierten, wurden ausgepfiffen. Schon eine Stunde bevor die Veranstaltung begann, wurden in Fenstern der Häuser an der Untertrave die ersten Plakate entrollt: „Kein Raum für Nazis“, war da zum Beispiel zu lesen.

Anke Rohweder (49) gehört zu den ersten Demonstranten, die sich an der Willy-Brandt-Allee aufstellen. „Vielfalt statt Einfalt“, steht auf ihrem selbstgemalten Plakat. „Ich hatte gehofft, dass wir näher rankommen, um gegen die Betonköpfe der AfD zu protestieren“, sagt sie. Aber die Polizei hat einige hundert Meter von den Media Docks entfernt einen Korridor geschaffen, „um einen störungsfreien Ablauf der Veranstaltungen draußen und drinnen“ zu ermöglichen, sagt Sprecher Stefan Muhtz. Bereits im Vorfeld hatten die GEW und Verdi das Koordinierungsbüro Wirtschaft aufgefordert, die Räume nicht an die rechte Partei zu vermieten. Landeschef Jörg Nobis hatte am Vormittag vor der Presse in Kiel deswegen bitter beklagt, dass „die Demokratie angeschlagen“ sei, wenn eine Gewerkschaft Vermieter unter Druck setze, Räume nicht an die AfD zu vermieten. „Ausgrenzung“ sei das.

In Lübeck versammeln sich gegen 18.30 Uhr immer mehr Leute an der Zufahrt. Inzwischen stehen sie nicht mehr nur auf den Bürgersteigen. Jeder Pkw, der Richtung Media Docks fährt, wird von Buhrufen und einem Pfeifkonzert begleitet. Auch der Wagen, in dem Frauke Petry kurz zu sehen ist. Die Polizei fordert per Lautsprecher wiederholt, dass die Straße freigemacht wird. Unmut wird laut, die Stimmung nervöser. Jana Schneider vom Lübecker Flüchtlingforum hält die erste Rede: „Wir wollen keine Frauke Petry und keine AfD in der Stadt, keinen Nationalismus und keinen Rassismus.“ DGB-Chefin Juliane Hoffmann sagt: „Wir sagen Nein zu Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt.“

Im Saal versucht man derweil, unter sich zu bleiben. Die Einlasskontrollen streng. Ein gutes Viertel der Plätze im Saal bleibt leer. Um zehn vor sieben ist Frauke Petry gekommen. Fast unbemerkt. Kein Applaus. Still und leise setzt sich die Bundeschefin in Reihe 1. Dort muss sie lange auf ihren Auftritt warten. Erst redet Landes-Vizechef Claus Schaffer, dann der Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, dann Nobis. Um 20.15 Uhr ist Petry endlich dran. Sie spricht leise, ruhig und wie ihre Vorredner viel in Schlagworten. Merkel hätte die Grenzen nicht für Flüchtlinge öffnen dürfen, denn: „Moral ist in einem Rechtsstaat niemals über das Recht zu stellen.“ SPD-Kanzlerkandidat Schulz, der im EU-Parlament netto mehr verdient habe als Merkel brutto, geriere sich nur als Vertreter des kleinen Mannes. Die Grünen mit ihren Verboten verglich sie mit Mao, der den „Einheitsmensch“ wollte, die Energiewende sei ein Fehler, Familien müssten stärker gefördert werden.

Nur 35 Minuten redet Petry. Dann noch eine Fragerunde. Wann der Streit im Bundesvorstand endet, will ein alter Mann wissen. Der sei sich so einig wie seit 2015 nicht mehr, sagt Petry – einige Gäste lachen. Bald darauf endet die Veranstaltung. Den Heimweg treten die AfDler ungestört an. Die Demonstranten sind schon abgezogen.

Von Wolfram Hammer und Cosima Künzel

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