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Lübeck Pfiffiger Coup: Lübeck kauft Haus für Brücken-Neubau
Lokales Lübeck Pfiffiger Coup: Lübeck kauft Haus für Brücken-Neubau
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11:54 07.07.2016
An der Bahnhofsbrücke: Unten auf den Schienen rollt der ICE, oben steht das Haus. Es gehört jetzt der Hansestadt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Das fünfgeschossige Gebäude will die Stadt 2020 wieder verkaufen, wenn die Bahnhofsbrücke fertig ist. Eine ungewöhnliche Vorgehensweise. Aber kauft die Stadt das Haus nicht, gerät der diffizile Zeitplan für den Neubau der Brücke ins Wanken, so die Stadt. Das geht aus einem nicht-öffentlichen Papier hervor, das den LN vorliegt. Die Bürgerschaft hat den Handel ohne große Debatte abgesegnet – in ihrer Sitzung vor einer Woche.

„Ich fand das eine sehr pragmatische Lösung“, macht SPD-Fraktionschef Jan Lindenau klar. „Das hätte ich der Verwaltung gar nicht zugetraut“, lobt er. Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell (SPD) stimmt ebenfalls zu: „Angesichts der steigenden Grundstückspreise lässt sich das Haus sicher wieder veräußern.“ Möglicherweise sogar mit Gewinn. „Es ist sicher ungewöhnlich“, sagt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Doch es sei eine notwendige Maßnahme, um die Bahnhofsbrücke neu zu bauen. „Ich sehe keinen Pferdefuß bei diesem Handel“, macht BfL-Fraktionschef Marcel Niewöhner klar. Auch GAL-Mann Carl Howe sagt: „Die Bahnhofsbrücke muss gemacht werden.“ Die Stadt könne nicht länger warten. Deshalb sei der Haus-Kauf „eine pragmatische Lösung.“

Der Hintergrund: Die Bahnhofsbrücke ist schon lange marode. Sie soll nach dem letzten Stand im Frühjahr 2018 abgerissen und neu gebaut werden. Während der Bauzeit wird in jede Richtung nur eine Fahrbahn nutzbar sein. Betroffen sind täglich 39000 Autofahrer. Für den Neubau gibt es ein Planfeststellungsverfahren. Aber: Die Eigentümer des besagten Hauses haben Einspruch eingelegt. Denn ihr Haus ist massiv von den Arbeiten betroffen. So gibt es ein Gefälle zwischen Straße und Brücke. Um es zu überbrücken, wird vor ihrem Haus eine 40 Zentimeter hohe Stützwand errichtet. Dadurch fallen die Parkplätze weg.

Außerdem: Unter dem Gebäude werden Anker eingesetzt, damit eine Pfahlwand festgemacht werden kann. Das wird ins Grundbuch eingetragen. Doch die Eigentümer müssen zustimmen. Haben sie aber nicht. Das wiederum bringt den Brücken-Neubau durcheinander. Der Zeitplan ist sensibel, da er mit der Bahn getaktet ist. Denn die Bahnhofsbrücke führt über die Gleise. Daher muss es Sperrpausen für den Zugverkehr geben, in denen die Gleise nicht befahren werden dürfen. Diese Zeiten sind bereits alle verhandelt. Zudem: Eine Zeitverzögerung könnte sogar die Finanzierung des Neubaus scheitern lassen. Der Neubau kostet 16,2 Millionen Euro, einen großen Teil davon soll das Land zahlen. Doch die beantragten Gelder laufen Ende 2019 aus. „Durch Verzögerungen der Bauarbeiten können Fördermittel verlorengehen“, heißt es in dem Papier.

Der Haus-Kauf hat auch noch andere Vorteile. Das Baubüro soll im Erdgeschoss untergebracht werden. Das spart 142800 Euro an Mietkosten für die Baucontainer – gerechnet auf drei Jahre Bauzeit.

Zudem hat die Stadt in diesem Zeitraum Mieteinnahmen von 60000 Euro. Und spart zudem eine Entschädigung für die Eigentümer in Höhe von 38 000 Euro, die im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens angefallen wären. Unterm Strich geht die Stadt davon aus, dass sie das Haus für eine halbe Million Euro wieder verkaufen kann.

Immer wieder verschoben

2015 sollte die Bahnhofsbrücke ursprünglich neu gebaut werden, dann wurde der Baustart auf 2016 verschoben. Zuletzt war das Frühjahr 2017 angekündigt – nun sollen die Arbeiten erst im Frühjahr 2018 starten. 2020 soll sie fertig sein. Grund für die Verzögerung: Der Neubau der Possehlbrücke wird nicht fertig. Letzter Stand: Die neue Possehlbrücke soll Ende 2017 stehen. Um einen Verkehrskollaps zu verhindern, kann erst dann Bahnhofsbrücke gebaut werden.

 Josephine von Zastrow

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