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Lübeck Pfusch am Bau: Schlözer-Schule muss erneuert werden
Lokales Lübeck Pfusch am Bau: Schlözer-Schule muss erneuert werden
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20:16 07.05.2016
Tolle Architektur — aber schon drei Wasserschäden: Die Dorothea-Schlözer-Schule wurde 2007 eröffnet. Nun muss sie teilsaniert werden. Quelle: Neelsen

Es ist ein Unglücksbau: Bei der 18,2 Millionen Euro teuren Dorothea-Schlözer-Schule war von Anfang an der Wurm drin. Jetzt muss sie teilweise erneuert werden.

„Mittelfristig werden wir die Kabelschächte an der Schule angehen müssen.“Dennis Bunk, Gebäudemanagement

„Mittelfristig werden wir das angehen müssen“, sagt Dennis Bunk, Chef des Gebäudemanagements. Die Arbeiten könnten sogar schon 2017 starten. Die kompletten Elektro- und Datenleitungen in der Berufsschule am Jerusalemsberg müssen neu verlegt werden. Dabei ist das Gebäude erst neun Jahre alt, wurde 2007 eröffnet. Der Neubau mit 8000 Quadratmetern wurde für 15,1 Millionen Euro gebaut, der Altbau mit 4000 Quadratmetern für 3,1 Millionen Euro saniert.

Der Grund für die Teilsanierung: Lehrer und Schüler klagen über Kopfschmerzen. So ist es im Schulausschuss berichtet worden. Die Ursache ist bisher unklar. „Es gab Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen“, bestätigt Manfred Hellberg, Leiter der Abteilung Gesundheitlicher Umweltschutz. Jetzt untersuchen seine Leute die Räume. In einigen Akustiksegeln an der Decke ist Formaldehyd verwendet worden — eine mögliche Ursache. Aber es könnte auch Schimmelpilz sein. Der kommt nicht von der Decke, sondern aus dem Boden. Denn unterhalb des Estrichs verlaufen Kabelschächte. Darin sind alle Elektro- und Datenleitungen verlegt — und diese sind bereits drei Mal geflutet worden. Zwar wurde das Wasser immer abgepumpt, die Schächte mit heißer Luft getrocknet und die Räume monatlich auf Schimmelpilz gemessen — aber dennoch.

„Es gibt sensible Menschen, die reagieren darauf“, sagt Bunk. Auch wenn 95 Prozent nichts merken. Klar ist: „Dort darf sich langfristig kein Schimmel bilden“, macht Hellberg klar. Er dringt darauf, dass in Sachen Kabelschächte etwas passieren muss. Aktuell lässt Bunk ein Gutachten erstellen, was eine Verlegung der Elektro- und Datenleitungen kostet. Eine Idee: Die Leitungen sollen entlang der Wände verlegt werden, nicht mehr im Boden. Die bisherigen Kabelschächte könnten stillgelegt und verfüllt werden, um Schimmelpilz zu vermeiden. Das Ergebnis des Gutachtens soll im Spätsommer oder Herbst vorliegen; rechtzeitig zum Finanzplan 2017 der Stadt.

Das Hauptproblem: Es hat mittlerweile drei Wasserschäden an der Schule geben, bei denen jedes Mal die Kabelschächte vollgelaufen sind. Der jüngste Schaden ist von 2015. Damals ist der Kabelschacht im Untergeschoss geflutet worden. Grund: Die Dichtung eines Absperrventils hatte sich zersetzt. Der Schacht musste ausgepumpt und mit heißer Luft getrocknet werden. Kosten: 30000 Euro. 2009 gab es kurz nach der Eröffnung der Schule ebenfalls einen Wasserschaden. Damals war eine Muffe nicht richtig verlegt worden, die Leitung platzte, Wasser rann durch die Kabelschächte über mehrere Stockwerke.

Große Flächen waren betroffen. Kosten: 130000 Euro. Das zahlte damals die Versicherung. Den ersten Wasserschaden gab es aber schon während des Baus 2007. Als es stark regnete, wurden die Kabelschächte zum ersten Mal geflutet — als noch nicht alles abgedichtet war.

Daher streitet sich die Stadt mit dem Düsseldorfer Architekten auch vor dem Lübecker Landgericht — seit 2008. Es geht dabei um eine halbe Million Euro. Prozessiert wird über den ersten Wasserschaden und weitere 34 Baumängel. Dazu gehört auch der Streit um den Estrich. Kaum eingebaut, musste er wieder herausgerissen werden. Denn er war zu dünn, um die vorgesehene Tragfähigkeit nachweisen zu können. Doch da bereits alle anderen Höhen in dem Gebäude feststanden, konnte der Estrich nicht einfach dicker aufgetragen werden. So hat Rainer Schellenberger vom Gebäudemanagement ein ganz neues Estrichsystem einbauen lassen. Dritter großer Streitpunkt: Das Dach des Kochtrakts. Der wird als als Schulhof genutzt, das Regenwasser wird durch eine Neigung bis zur Mitte des Daches geführt.

Allerdings ist sie zu gering. Bei Starkregen läuft das Wasser nicht zur Mitte, sondern zu den Seiten — und den Kochtrakt hinunter entlang der Fenster. Kalkstreifen zeugen davon. Diesen Schaden hat die Stadt noch nicht behoben. Sie wartet auf das Urteil. Allerdings: Ein Ende des Prozesses ist immer noch nicht in Sicht.

50 bis 60 Millionen Euro

2003 beschloss die Bürgerschaft eine 50 bis 60 Millionen Euro teure Rochade der Berufsschulen. Aus fünf Standorten sollten drei werden. Die Dorothea-Schlözer- Schule wurde als erste für 18,2 Millionen Euro neu gebaut und saniert. 2007 war die Eröffnung. Dann folgte die Emil-Possehl-Schule am Standort Kerschensteiner-Straße mit neuen Gebäuden — alles zusammen hat 22,5 Millionen Euro gekostet. Eröffnung war 2012. Dort ist ebenfalls die Friedrich- List-Schule angesiedelt, in die 400000 Euro gesteckt wurden. Die Hanseschule in der Dankwartsgrube schlug mit 15,5 Millionen Euro zu Buche. Sie wurde 2014 eingeweiht. 1,5 Millionen Euro flossen in die Gewerbeschule, die ebenfalls dort angesiedelt ist.

Von Josephine von Zastrow

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