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Lübeck „Platt soll wieder hörbar werden“
Lokales Lübeck „Platt soll wieder hörbar werden“
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21:19 16.08.2016
„Wir sprechen hier platt“: Mirco Meyer markiert Orte auf einer Karte, an denen man auf Plattdeutsch snacken, einkaufen und die Sprache erleben kann. Quelle: Fotos: Elisabeth Riedel

Ein kleiner goldener Kreis mit einer grünen Aussparung ziert den Pullover von Mirco Meyer. Dieser Anstecker ist nicht etwa ein modisches Accessoire. Vielmehr soll dieser „Krüsel“ (hochdeutsch: Kreisel), wie Meyer ihn nennt, seine Liebe zur plattdeutschen Sprache zeigen und dabei möglichst viele Lübecker dazu animieren, mehr Platt zu „snacken“.

„Ich fände es toll, wenn Platt als Kulturgut aufrechterhalten wird.“Sabine Thormann (62), Malente

„Diese Sprache ist einfach wunderbar“, schwärmt der 39-Jährige Neu-Lübecker. Sie spiegle eben den „echten“ norddeutschen Charakter wieder. Platt sei einfach viel näher an den Menschen, viel direkter und bildhafter. „Und der norddeutsche Humor kommt dadurch toll zur Geltung.“ Er selbst habe mit 17 Jahren in seiner Heimat Niedersachsen angefangen zu snacken. Die Überwindung, einfach loszuplaudern und sich an der Sprache zu versuchen, sei seiner Erfahrung nach die größte Hürde. „Aber durch Nachbarn und Freunde habe ich einfach mal angefangen und kann bis heute nicht aufhören“, sagt er und lächelt.

Daher die Idee, mehr Menschen für diese Sprache zu begeistern. Dazu beitragen soll der goldene „Krüsel”. Tragen sollen ihn Menschen, die Plattdeutsch sprechen, es lernen möchten oder „irgendwas dazwischen”, wie Meyer es ausdrückt. „Es geht darum, sich zu erkennen und gemeinsam Platt wieder hörbarer zu machen.”

Einer Studie der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Bremer Institutes für Niederdeutsche Sprache (INS) und des Institutes Deutsche Sprache zufolge seien die Zahlen der Plattdeutsch Sprechenden stabil (die LN berichteten). Im Alltag aber finde die Sprache kaum Platz, stellt Meyer fest. „Mein Ziel ist es, dass wieder mehr Leute Platt snacken.“ Und diese Idee kommt gut an. Beim Spaziergang durch die Lübecker Innenstadt findet er schnell Gleichgesinnte. „Einfach toll“, sagt Sabine Thormann (62) aus Malente und steckt sich sogleich den goldenen Pin an die Jacke. „Mein Mann und ich sprechen oft miteinander Platt, weil es einfach Spaß macht und ich damit groß geworden bin.“ Auch sie erhofft sich die Aufrechterhaltung dieser Sprache als Kulturgut.

Doch nicht nur „offline” will Meyer Platt fördern. Auf der Internetseite www.plattsnacken.de gibt es auch einen Kurzlink für Mobiltelefone, mit dem plattdeutsche Orte gefunden werden können, die „Plattkort”. Es gebe aber noch mehr Möglichkeiten, sich für die plattdeutsche Sprache stark zu machen. Auf seiner Internetseite postuliert er „Plattdeutsch fördern, fordern, leben“ – und meint damit, dass Eltern ihre Kinder aber auch Schulen ermutigen sollten, wieder Platt zu lernen. Meyer wünscht sich auch, dass Straßenschilder und Feste wieder plattdeutsche Namen haben sollten.

Vorerst will er aber klein anfangen. Am Sonntag, 28. August, wird Meyer seine goldenen „Krüsel“ auf dem Markt unter die Leute bringen. Treffpunkt ist der bronzene Stadtplan. „Jeder ist eingeladen, sich diesen Pin als kleines Geschenk von mir abzuholen.“

Elisabeth Riedel

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