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Platz mit wechselvoller Geschichte

Lübeck Platz mit wechselvoller Geschichte

Schlachten und Volksfeste fanden auf dem Gustav- Radbruch-Platz statt. Später wurde er zu einem Knotenpunkt des Busverkehrs.

Lübeck. Historie des Platzes (1700 bis 1970): Nicht viel mehr als ein Stück Weideland, das war der Gustav-Radbruch-Platz — damals noch „Burgfeld“ genannt — in früheren Zeiten.

Die alte Freiweide reichte bis zur Adolfstraße, dort stand bis 1794 auch der Galgen der Stadt.

Am 6. November 1806 wandelte sich das Areal dann in ein blutiges Schlachtfeld: Im Rahmen des Vierten Koalitionskrieges der europäischen Mächte gegen Napoleon trafen vor den Mauern Lübecks Preußen und Franzosen aufeinander. Die französischen Truppen konnten die Kämpfe für sich entscheiden.

Später, ab 1814, führte die Bürgergarde auf der damals noch unbebauten Fläche vor dem Burgtor ihre Exerzier-Übungen durch. Dann wurde der Ort zu einem Festplatz. Ab 1850 fand hier alljährlich das „Volks-und Erinnerungsfest“statt, mit dem die Lübecker an das Zustandekommen der Verfassung des Lübeckischen Freistaates von 1848 erinnerten. Überall standen Buden, es gab einen großen Festzug, „wer nicht selber mitschiebt und drängt, wird sanft geschoben“, schreibt ein Besucher 1913. Er berichtet, dass der Platz in dieser Zeit bereits „vom blendenden Schein des elektrischen Lichts“ beschienen und nicht mit Petroleum- oder Gaslampen beleuchtet war.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges fand das bunte Volkstreiben auf dem Burgfeld allerdings ein jähes Ende (es wurde später dann auf den heutigen Volksfestplatz verlegt): Auf dem Burgfeld wurde ein Lazarett mit 40 Holzbaracken errichtet. Diese wurden 1920 aufgrund des Wohnungsmangels in der Stadt zu über 100 provisorischen Wohnungen umgebaut. Lübeck hatte damals exakt 100340 Einwohner.

Doch schon zwölf Jahre später waren die Holzhäuser baufällig. In einem Schreiben an den Senat forderte die Bürgerschaft, dass die Baracken entfernt und der Platz wieder in einen „würdigen Zustand“

versetzt werden solle. Doch der Abriss hätte die Stadt damals bis zu 200000 Mark gekostet, und so stand ein Teil der Baracken auch nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Areal.

Benannt ist der Platz heute nach dem 1878 in Lübeck geborenen Gustav Radbruch, der als einer der einflussreichsten Rechtsphilosophen des 20. Jahrhunderts gilt. Die Umbenennung erfolgte am 6.

Juni 1963. Damals war die Fläche bereits eine zentrale Anlaufstelle. Seither hat sich der Platz zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte auch für Busse entwickelt. Vor allem in den 1970er-Jahren fuhren dort die Linien in den Norden der Stadt nach Kücknitz — damit die Arbeiter zur Flender-Werft oder der Metallhütte kamen. Doch der Niedergang des Industriestandortes war auch der Niedergang des Gustav-Radbruch-Platzes. Der Verkehr nahm immer mehr ab, die Anzahl der Busse auch.

Die Neugestaltung: Heute halten zehn Bus-Linien auf dem betonierten Areal, 6000 Lübecker steigen dort aus und um. Täglich rollen rund 20000 Autos über den Gustav-Radbruch-Platz. Die Stadt hat vor anderthalb Jahren einen visionären Plan vorgelegt: Sie will den Platz komplett verschwinden lassen. Das Areal soll zu einem Park umgebaut werden, die nierenförmige graue Betonfläche fällt dann völlig weg. Die Sanierung des maroden Materials schlägt nach Angaben der Stadt mit 2,5 bis drei Millionen Euro zu Buche. Die Idee: Die Travemünder Allee wird zweispurig geradeaus über den Platz bis zum Burgtor geführt — so wie es Ende des 19. Jahrhunderts war. Auf diese Straße mündet die Falkenstraße und ein Stückchen weiter auch die Roeckstraße.

Diese beiden Straßen bleiben miteinander verbunden — direkt hinter der Tankstelle. Die Bushaltestellen sollen künftig an der Travemünder Allee und an der Ecke zur Roeckstraße platziert werden.

Dadurch wird eine riesige Fläche frei, die zum Park vor der Altstadt werden soll — und sich bis zur Burgtorbrücke zieht. Dort wäre ein Café denkbar.

Hintergrund der Pläne ist das Vorhaben, ein neues Parkhaus mit 300 Stellplätzen zu bauen. Das soll nahe des Gustav-Radbruch-Platzes entstehen und in den Hang der Fährstraße gebaut werden. Das Projekt steht im Zusammenhang mit dem Europäischen Hansemuseum, das im Frühjahr 2015 eröffnet wurde. Im April wurden die ersten Pläne für das Parkhaus vorgestellt. Baustart könnte 2017 sein. Die Politiker sind angetan von der Lösung. Doch noch ist keine Entscheidung getroffen. kad/jvz

LN

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