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Lübeck Politik will Wohngemeinschaften für junge Flüchtlinge
Lokales Lübeck Politik will Wohngemeinschaften für junge Flüchtlinge
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20:40 06.06.2017
„Es darf keinen Rückschritt bei der Integration geben. Peter Petereit, SPD-Jugendpolitiker
Lübeck

Politiker und Verwaltung wollen junge Flüchtlinge, die volljährig werden, nicht einfach in Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber stecken, sondern Jugend- Wohngemeinschaften für sie errichten. Der Jugendhilfeausschuss beschloss jetzt einstimmig einen Antrag der GAL-Fraktion, dass die Verwaltung ein Konzept für solche Wohngemeinschaften erstellen soll.

Jugendhilfeausschuss segnet einstimmig einen GAL-Antrag ab – Verwaltung soll ein Konzept erstellen – 69 junge Geflüchtete werden 2017 volljährig.

127 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge leben derzeit in der Hansestadt. Die meisten von ihnen sind in Jugendeinrichtungen verschiedener Träger untergebracht. Das sind kleine Wohngruppen, die intensiv betreut werden. Sobald die jungen Geflüchteten volljährig werden, müssen sie die kleinen Jugendeinrichtungen verlassen und in die Gemeinschaftsunterkünfte am Bornkamp oder in der Travemünder Ostseestraße umziehen. 69 junge Flüchtlinge sind in diesem Jahr davon betroffen. „Das ist ein gravierender Rückschritt auf dem Weg zur Integration“, kritisierte die GAL-Politikerin Katja Mentz im Vorfeld des Jugendhilfeausschusses. In den Gemeinschaftsunterkünften müssten sie Mehrbettzimmer beziehen und wären von Freitagmittag bis Montagmorgen ohne Ansprechperson. Außerdem würden in den Gemeinschaftsunterkünften 40 Flüchtlinge von einem Betreuer begleitet. „Die jungen Menschen sind nicht stabil und haben eine unsichere Perspektive“, erklärte die GAL-Politikerin Astrid Kandulla im Jugendhilfeausschuss. Mit 65,3 Prozent stammt eine große Mehrheit dieser unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge aus Afghanistan, weitere 12,6 Prozent aus Eritrea und nur 9,4 Prozent aus Syrien.

„Auch ich sehe die Gefahr eines Rückschritts, wenn die jungen Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünfte wechseln“, sagte der SPD- Politiker Peter Petereit und sprach sich für ein Konzept für Jugend- Wohngemeinschaften aus. Zumal auf die Stadt keine neue finanzielle Belastung zukomme, denn den jungen Geflüchteten steht die Zahlung von Miete zu. Dagmar Hildebrand (CDU) erkannte die Bemühungen des Lübecker Jugendamtes „um einen sanften Übergang“ an, stimmte aber ebenfalls für die neuen Einrichtungen. Renate Junghans, Bereichsleitern Jugendamt und Familienhilfen, betonte: „Wir schmeißen die Jugendlichen nicht wie einen Vogel aus dem Nest, wir entlassen keinen aus der Einrichtung, der es nicht kann oder der traumatisiert ist.“ Gleichwohl seien die geplanten Jugend-Wohngemeinschaften ein sinnvoller, weiterer Baustein. Junghans: „Den wollen wir schaffen, wir brauchen nur ein bisschen Zeit für das Konzept.“

Tatsächlich werden den Jugendlichen Übergangsfristen eingeräumt. Der Ende März volljährig gewordene Afghane Qais Sharokki darf noch bis zum 20. Juli in seiner kleinen Jugendeinrichtung bleiben (die LN berichteten). Dann aber ist Schluss. Sharokki sucht derzeit unter Mithilfe seines Betreuers und seiner Lehrerin ein Zimmer oder eine kleine Wohnung. Für den 18-Jährigen kommen die GAL-Initiative und der Beschluss des Jugendhilfeausschusses zu spät.

Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) unterstützt die Schaffung von Jugend-Wohngemeinschaften, sieht aber auch Bedarf für deutschstämmige Jugendliche. Weiher: „Wir sind da nicht wirklich bedarfsgerecht aufgestellt.“ Die Senatorin wird das Thema jetzt in die Task Force Wohnungsbau mitnehmen. Dieses von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) ins Leben gerufene Gremium sucht nach Grundstücken für neue Wohnungen, von denen in der Hansestadt in den nächsten Jahren knapp 4000 gebaut werden sollen. Weiher: „Wir müssen Jugend-Wohngemeinschaften bei der Neubauplanung beachten.“

Kai Dordowsky

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