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Lübeck Politiker entdecken das Grenzmuseum Schlutup
Lokales Lübeck Politiker entdecken das Grenzmuseum Schlutup
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20:53 21.06.2016
Das Grenzmuseum Schlutup soll künftig offensiver vermarktet werden. Quelle: Olaf Malzahn

Mühselig trugen die Ehrenamtler, die die Erinnerung an die deutsch-deutsche Grenze wachhalten wollen, Ausstellungsstücke zusammen, warben Spenden ein, ärgerten sich mit der Stadt herum und halten bis heute den Museumsbetrieb aufrecht. Doch jetzt soll alles besser werden. Gleich mehrere Fraktionen wollen dem Haus in Schlutup eine neue Zukunft bescheren, gleich zwei Anträge zur Bürgerschaft am 30. Juni beschäftigen sich mit der Aufwertung der Erinnerungsstätte.

Grüne, BfL, FDP und die neue Fraktion Freie Wähler & Die Linke wollen das Grenzmuseum durch die Aufnahme „in alle museumsbezogenen, gedruckten und elektronischen Werbe- und Informationsmittel“ stärken. Außerdem soll die Einrichtung in das gemeinsame Kultur-Marketing der Stadt aufgenommen werden.

„Wir wollen die stiefmütterliche Behandlung durch die Stadt beenden“, sagt Michelle Akyurt, Fraktionschefin der Grünen. „Das Museum wird mit viel Herzblut gemacht“, erklärt Akyurt, „und die jüngere Stadtgeschichte interessiert die Touristen.“ Die Grünen haben sich die Erinnerungsstätte vor ein paar Wochen angeschaut. „Wenn die Stadt das Museum anerkennt, kann der Verein Gelder bei Land und Bund beantragen“, erklärt Ragnar Lüttke, Bürgerschaftsmitglied von Freie Wähler & Die Linke. Er müsse sich für den Antrag nicht verbiegen, versichert der Linken-Politiker.

Die CDU hat sich stets für das Haus eingesetzt. 2014 beantragte die Fraktion vergeblich einen städtischen Zuschuss von 10000 Euro jährlich. Jetzt unternimmt die Fraktion einen neuen Anlauf. „Wir wollen ein zukunftsträchtiges Konzept für das Grenzmuseum zusammen mit dem Land entwickeln“, erklärt die Kreisvorsitzende und Bürgerschaftsabgeordnete Anette Röttger, „Ziel ist eine Bildungsstätte für die neuere, deutsche Geschichte.“ Dafür sollen Fördergelder der Metropolregion Hamburg und des Landes angezapft werden. Die Stadt müsse einen kleinen Eigenanteil zuschießen. Die SPD könne sich vorstellen, den CDU-Antrag mitzutragen, sagt Fraktionschef Jan Lindenau. Entscheidend sei, dass die Museumsarbeit in Schlutup professioneller werde. Lindenau: „Es gibt kein museumspädagogisches Konzept, es gibt keine wissenschaftliche Aufbereitung – und alles, was Menschen dort an Erinnerungsstücken abliefern, wird ausgestellt.“ Um beispielsweise an Landesgelder heranzukommen, müssten bestimmte Standards eingehalten werden.

Das haben die diversen, politischen Besuchergruppen, die in den letzten Monaten im Grenzmuseum vorbeischauten, der Vereinsvorsitzenden Ingrid Schatz auch mitgeteilt. „Ich bin keine Museumspädagogin“, sagt die 72-jährige CDU-Politikerin. Die Zeit für konzeptionelle Entwürfe wäre auch nicht vorhanden. Schatz und einige wenige Mitstreiter halten den Betrieb am Laufen, führen Schulklassen und Besuchergruppen (Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro) durch das Haus und bestreiten die Öffnungszeiten freitags, sonnabends (14 bis 17 Uhr) und sonntags (11 bis 17 Uhr). „Ich bin fast täglich da“, sagt Schatz. Auch die aktuellen Probleme sind weit von den Vorstellungen der Politiker entfernt. „Ich hätte gerne einen kleinen Obolus, um mal eine Vitrine kaufen zu können“, sagt die Vereinsvorsitzende. Oder um die hohen Stromkosten oder die hohen Versicherungsprämien begleichen zu können. Oder um mal jemanden bezahlen zu können, der den Rasen mäht.

Zu einer direkten Finanzierung haben sich bisher weder die Stadt noch das Land entschließen können. Ein von der Landes-CDU in den Landtag eingebrachter Antrag auf 10000 Euro jährlich wurde auf die lange Bank geschoben. Das Kieler Kulturministerium hat die Landeszentrale für Politische Bildung eingeschaltet. Schatz: „Alle fragen aber immer, was Lübeck tut?“ Am 30. Juni können die Kommunalpolitiker eine Antwort geben.

Vor zwölf Jahren eröffnet

1999 kaufte Lübeck vom Bund die ehemalige Grenzkontrollstelle in der Mecklenburger Straße für umgerechnet 125 000 Euro. Ein Teil des Gebäudes wurde zum Jugendtreff ausgebaut. Am 9. November 2004 nahm die Dokumentationsstätte den Betrieb auf.

5000 bis 6000 Besucher kommen jährlich in die Schlutuper Erinnerungsstätte. 130 Mitglieder zählt der Förderverein, der das Haus betreibt.

 Kai Dordowsky

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