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Lübeck Polizei verstärkt ihre Präsenz in der Lübecker Innenstadt
Lokales Lübeck Polizei verstärkt ihre Präsenz in der Lübecker Innenstadt
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22:04 20.06.2017
Zahlreiche Streifenwagen eilten am 7. Mai zu einer Messerstecherei am Zob. Eine Woche später gab es erneut eine Auseinandersetzung. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

In der Hansestadt ist es in jüngster Zeit vermehrt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen gekommen. Das berichtete der Leitende Polizeidirektor Norbert Trabs im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung der Bürgerschaft. Die Massenschlägereien mit zehn bis 20 Beteiligten, manchmal auch deutlich mehr, stellen die Polizei vor eine völlig neue Lage: In der Regel junge Migranten versammeln sich an öffentlichen Orten. Plötzlich entflammt ein Streit, sofort wird über soziale Medien mobilisiert – und es kommt zu heftigen Tumulten.

Die Polizei spricht von einem hohen Aggressionspotenzial, es kommen Waffen zum Einsatz – und es gibt auch Verletzte. Zwischen dem 7. Mai und dem 18. Juni wurden zwölf solcher Schlägereien festgestellt, zwei davon in Eutin. Die Polizeidirektion ist auch für Ostholstein zuständig.

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Erst am Sonntag kam es im Umfeld des Haerder-Centers zu einer Auseinandersetzung mit gut 20 Personen. Um 21.30 Uhr alarmierten Zeugen die Polizei. Als die Beamten mit mehreren Streifenwagen eintrafen, waren alle Beteiligten geflüchtet. Die Polizei konnte einen Tatverdächtigen stellen. Angefangen hatte alles mit einer Messerstecherei am 7. Mai am Zob, bei der ein 21-Jähriger schwer verletzt und ein 16-Jähriger in Untersuchungshaft genommen wurde. Zehn Streifenwagen waren im Einsatz. Nach LN-Informationen soll es am Zob eine weitere Auseinandersetzung gegeben haben, weitere Vorfälle ereigneten sich am Holstentorplatz, in der Sandstraße und der Königstraße. In Eutin kam es auf dem Markt innerhalb weniger Tage zu einer heftigen Schlägerei mit vier Verletzten und einer weiteren aggressiven Auseinandersetzung. Der Eutiner Markt wurde zum gefährlichen Ort erklärt.

„Wir wissen, dass einige Schlägereien einen Drogenhintergrund hatten“, sagte der Leitende Polizeidirektor Norbert Trabs im Sicherheitsausschuss, „in anderen Fällen ist die Motivlage nicht ermittelbar.“ An den Auseinandersetzungen waren überwiegend irakische, syrische, afghanische und nordafrikanische Flüchtlinge beteiligt.

Parallel verändert sich die Drogenszene in Lübeck. Die Awo-Drogenberater berichten, dass Menschen aus Afghanistan, dem Iran, Syrien und Tunesien zu den Treffpunkten kommen, wo sich bisher vor allem Deutsche und Abhängige aus Osteuropa aufhielten. Harte Drogen werden konsumiert und gehandelt, berichtet die Polizei, außerdem verschieben sich die Treffpunkte an den Zob, den Kaufhof oder an die obere Moislinger Allee. Diese neuen Treffpunkte „werden durch Migranten mit aktuellem Flüchtlingshintergrund geprägt“, sagte Trabs. Sorgen würden die Spannungen zwischen einzelnen Gruppen an diesen Treffpunkten bereiten. Noch ist nicht bekannt, ob es dabei um Drogen geht. „Da brodelt etwas“, sagte Innensenator Ludger Hinsen (CDU).

„Der öffentliche Raum muss angstfrei genutzt werden können.Norbert Trabs, Polizeidirektor

Die Polizei hat die Präsenz in der Innenstadt deutlich verstärkt. An Zob, Lindenplatz und Holstentorplatz laufen Beamte vermehrt Streife. Der Leitende Polizeidirektor: „Wir wollen, dass der öffentliche Raum angstfrei von jedermann genutzt werden kann.“ Politiker mehrerer Fraktionen und ein Vertreter des Forums für Migranten warnten vor einem falschen Zungenschlag in der Debatte. „Das Thema muss sensibel behandelt werden“, sagte GAL-Fraktionschefin Antje Jansen. BfL-Politiker Oliver Dedow berichtete, dass er einen der Beteiligten von der Schlägerei am Zob als Mandanten habe. „Er ist Ausländer, spricht fließend Deutsch und ist lange im Land“, sagte Dedow. Es handele sich nicht um Auseinandersetzungen von Volksgruppen, sondern um übliche Probleme unter Jugendlichen.

 Kai Dordowsky

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