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Popen und Poeten im Wortduell

Lübeck Popen und Poeten im Wortduell

Dritter Preacher Slam in der Kulturkirche – Pastoren treten gegen Slammer an – Theologen gewinnen.

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Pastorin Inga Meißner konnte mit ihrer intensiven und emotionalen Wort-Akrobatik auf der Bühne in St. Petri überzeugen.

Quelle: Thorsten Wulff

Innenstadt. Die Entscheidung war eindeutig; da mussten sich die beiden Moderatoren, Petri-Pastor Dr. Bernd Schwarze und Slam-Organisator Tilo Strauß, auch gar nicht mehr lange beraten. Bei der Intensität des Publikums-Applauses lag am Ende Lokal-Matadorin Inga Meißner vorn. Die Pastorin der Paul-Gerhardt-Gemeinde konnte damit das direkte Duell in der Finalrunde gegen den Berliner Poetry-Slam-Profi Julian Heun für sich entscheiden. „Durch diesen Sieg, der 20 Punkte einbringt, steht jetzt auch das Gesamtergebnis des Abends fest“, verkündete Strauß, „das Team der Popen hat mit 181 zu 173 Punkten das Team der Poeten besiegt. Herzlichen Glückwunsch.“

Zum Glück hatte die Theologin doch zwei Beiträge vorbereitet – „das wollte sie eigentlich gar nicht“, verriet Bernd Schwarze, „da sie dachte, die Vorrunde niemals zu überstehen.“ Und schon diese hatte es in sich, ging es doch an dem Abend um das vorgegebene Thema „Gott ist die Liebe. Oder?“ Ein herausforderndes Thema, dass die acht Mitwirkenden mit viel Biografischem füllten. Dabei hatten sie lediglich sechs Minuten Zeit auf der Bühne, um nach dem Vorbild des Poetry Slams, der modernen Form des klassischen Dichterwettstreits, die rund 300 Zuhörer in der Kulturkirche jeweils für sich einzunehmen.

Herausgekommen ist dann ein Wortgefecht auf höchstem Niveau. Nachdenklich und anregend, persönlich, witzig und kreativ, unterhaltsam und abwechslungsreich. Dass es dabei auf die gestellte Frage sehr unterschiedliche Antworten gab, lag nicht fern. Nils Petersen zum Beispiel, pastoraler Leiter der Hamburger Rathauspassage, der als einziger bisher jedes Mal in Petri beim Preacher Slam dabei war und 2014 als Sieger die Bühne verließ, sah sich durch die gestellte Frage provoziert, wie er kund tat.

„Der liebe Gott schuf diese Welt so schön, dass ich schon beim Schreiben stöhn. Nichts auf dieser Welt tut uns weh – außer die AfD“, reimte er unter der Überschrift „Der liebe Gott“ und appellierte an den Gemeinsinn und das Gewissen jedes Einzelnen. „Der liebe Gott hat keine Kraft, es anzupacken. Er ist ja auch ein alter Mann. Im Schlaf sortiert er seine Sachen. Diese Welt gehört nun uns. Lasst es uns gemeinsam schaffen.“

Pastorin Inga Meißner beschäftigte sich unterdessen in sechs Strophen mit der These „Du bist, was du isst“, also mit vegetarisch, vegan und anderen Einstellungen zum Essen, und wagte die Vorstellung, wie Gott darüber denkt. „Gott ist die Liebe, Amoretarier ist Gott. Wo viel Liebe ist, da geht er niemals bankrott. Gott ist die Liebe, keine Angst vor ’ner Falle. Egal ob frutti, ob omni – er liebt uns alle. Denn Gott ist die Liebe, und die Liebe ist er.“ Und mit dem Bibelvers „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe“ setzte sich Sana-Klinikseelsorger Frank Gottschalk auseinander und reflektierte über Grenzerfahrungen aus dem Klinikalltag.

Für reichlich Kopfbilder sorgten auch noch Religionslehrer Ekkehard Götz, die Slammer Bente Varlemann, Mona Harry und Danny Koch. Ein musikalisches Intermezzo von Multi-Keyboard-Künstlerin Yu Jin sowie den Soul-Musikern Joel Havea und Leo Lazar ließ die Gedanken zwischendurch mal wieder in eine andere Richtung treiben.

Eins ist wohl gewiss – im nächsten Jahr wird es den nächsten Preacher Slam in St. Petri geben, und die, die bei Volume III dabei waren, werden sicher auch 2017 da sein. Denn diese Art der Auseinandersetzung mit persönlichen Weltanschauungen und Glaubensüberzeugungen wirkt nach.

 Michael Hollinde

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