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Lübeck Possehl-Stiftung sucht Erinnerungen
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20:37 06.11.2017
Archivdirektor Jan Lokers, Nathalie Brüggen (Stiftung), Axel Schildt (Historiker) und Max Schön (Vorstandsvorsitzender, v. l.) begutachten vorsichtig die alten Funde aus einem Aktenschrank der Stiftung. Quelle: Fotos: Felix König

Max Schön hält einen Rubel- Schein in den Hand. Vier Euro ist er umgerechnet wert und doppelt so groß wie die uns bekannten Geldscheine. „Damit fing eigentlich alles an“, erzählt der Vorstandsvorsitzende der Possehl-Stiftung. 60 dieser Scheine lagerten in einem alten Stahlschrank im Keller des Stiftungssitzes in der Beckergrube. Zusammen mit einem dicken Aktenordner. „Eine Kollegin hat den Schlüssel in ihrem Schreibtisch gefunden, seit 1972 war da auf jeden Fall keiner mehr dran“, erzählt Max Schön. Dazu kamen Akten, die ein Mitarbeiter bei seinem Großvater fand. Ebenfalls mehrere Jahrzehnte alt. Dann war die Idee geboren: Die Possehl-Stiftung will ihr 100-jähriges Bestehen dazu nutzen, die Geschichte aufzuarbeiten.

Bis zum Jahr 1949 hat der Historiker Axel Schildt die Geschichte der Stiftung schon erforscht.

„Wir wollen einen objektiven und wissenschaftlich fundierten Blick auf die Historie bekommen“, sagt Nathalie Brüggen von der Possehl-Stiftung. „Das ist anerkennenswert“, merkt Archivdirektor Jan Lokers an. Denn: „Wenige Vereine, Stiftungen oder Firmen sind daran interessiert. Meist werden unschöne Tatsachen weggelassen.“ Doch das soll bei der Possehl- Stiftung anders sein. Deshalb hat sie Axel Schildt engagiert. „Am Anfang hatte ich ein wenig Bammel. Aber es ist mehr erhalten, als ich erhofft habe“, sagt der ehemalige Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Denn 1942 ist bei einem Brand in der Beckergrube das Archiv der Stiftung zerstört worden. Seitdem lagern die Bestände im Stadtarchiv.

Aber auch bis nach Karlsruhe ist Schildt für seine Recherchen bereits gefahren. In der Bibliothek des Bundesverfassungsgerichts lagert ein Urteil gegen Emil Possehl. „Einen Glücksfall“ nennt der Hamburger Forscher einen solchen Fund.

Zwei Kapitel hat Schildt bereits geschrieben. Das erste über den Kaufmann Emil Possehl, der sein Vermögen 1919 der Stadt mit der Auflage vermachte, die öffentliche Wohlfahrt, den deutsch-patriotischen Geist und die Jugend zu fördern. Das zweite über die ersten Stiftungsjahre. Mit einem besonders kritischen Blick hat er die NS-Zeit begutachtet. „Mittlerweile bin ich im Jahr 1949 angelangt“, erzählt der Historiker. „Die Fakten sind nicht das Problem, die Personen sind noch etwas blass. Da erhoffe ich mir noch Informationen.“

Deshalb bitten die Verantwortlichen die Lübecker um Hilfe. „Korrespondenzen, Tagebücher oder Fotos. Es wäre toll, wenn wir Einblick bekommen könnten, wenn jemand etwas hat“, sagt Max Schön. Am Ende soll ein Buch entstehen, in dem die Geschichte der Stiftung festgehalten wird. Außerdem ist zum Jubiläum eine hundertseitige Zeitschrift geplant, in der Journalisten über die Stiftung schreiben.

„Alles andere muss noch im Stiftungsrat diskutiert werden“, sagt Max Schön, „aber es gibt viele Ideen für 2019.“

Wer etwas über die Possehl-Stiftung besitzt, kann sich an das Archiv der Stadt, Mühlendamm 1-3, wenden.

Geöffnet ist der Lesesaal montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Erreichbar ist das Archiv außerdem per E-Mail unter archiv@luebeck.de oder unter Telefon 04

51/1224152.

Von Maike Wegner

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