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Lübeck Possehlbrücke: Politiker zweifeln an pünktlicher Fertigstellung
Lokales Lübeck Possehlbrücke: Politiker zweifeln an pünktlicher Fertigstellung
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21:20 05.08.2016
Eigentlich soll der Neubau der Possehlbrücke Ende 2017 stehen, doch danach sieht es auf der Baustelle zurzeit noch nicht aus. Quelle: Neelsen, Maxwitat (2)

Langsam, ganz langsam geht’s voran: Erst seit ein paar Tagen wird an der Possehlbrücke wieder gearbeitet – aber so richtig brummt es nicht auf der Großbaustelle.

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„Dass die Brücke rechtzeitig fertig wird, kann ich mir nicht vorstellen.“GAL-Fraktionschefin Antje Jansen

Dabei soll der Neubau Ende 2017 stehen. Vor anderthalb Jahren startete der Abriss der maroden Possehlbrücke. Jetzt steht sie nur noch zur Hälfte. Und viel weiter sind die Arbeiten noch nicht gediehen. Geplant ist, dass die neue Brücke zur Hälfte gebaut wird, die Autofahrer darüber rollen – und die andere Hälfte der alten Querung abgerissen wird. Danach wird dann an dieser Stelle die zweite Hälfte der neuen Possehlbrücke gebaut. Ob’s klappt – und der 12,6 Millionen Euro teure Neubau rechtzeitig fertig wird? Politiker aller Couleur zweifeln daran und ärgern sich über Lübecks verstopfte Straßen.

„Ich glaube nicht, dass die Possehlbrücke Ende 2017 fertig wird“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Zander. Für ihn ist klar: „Wir werden das nach der Sommerpause zum Thema machen.“ Notfalls will die CDU einen Antrag in der Bürgerschaft stellen. Der Tenor: Die Bauarbeiten an der neuen Possehlbrücke dürfen sich nicht mit dem Neubau der Bahnhofsbrücke überschneiden. Denn die beiden Querungen gehören zu den am häufigsten befahrenen Straßen Lübecks und sind neuralgische Nadelöhre. Lübeck droht ein Verkehrskollaps, wenn beide Querungen zeitgleich nur einspurig zu befahren sind. Denn die Possehlbrücke nutzen täglich 32 500 Autos, die Bahnhofsbrücke sogar 39 000 Wagen.

Eigentlich soll der Neubau der Bahnhofsbrücke Anfang 2018 starten. Kosten: 19 Millionen Euro. Doch noch steht kein Termin fest. Die Bau soll dreieinhalb Jahre dauern. „Eine vage Aussicht, dass es keine Überschneidung der beiden Bauvorhaben gibt, reicht nicht“, sagt Zander. SPD-Vormann Jan Lindenau ist ähnlicher Ansicht. „Ich glaube auch nicht, dass die Possehlbrücke Ende 2017 fertig ist.“

Aber er lasse sich gerne eines Besseren belehren. Auch für ihn ist klar: Die beiden Brücken-Neubauten dürfen sich zeitlich nicht überschneiden, „sonst kommt es zum Kollaps“.

Bildhafter drückt sich FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke aus: „Die Berliner haben ihren Flughafen – wir haben die Possehlbrücke.“ Er ist ebenfalls unzufrieden mit dem trägen Baufortschritt an der Querung. Er will ebenfalls einen Antrag zur Qualitätssicherung und Baustellenkontrolle stellen. Denn ein Streit zwischen Baufirma und Bauverwaltung verzögert das Projekt (die LN berichteten). „Dass uns das Zeit kostet, kann nicht angehen“, so der Liberale. Skeptisch ist auch Silke Mählenhoff (Grüne): „Ich kann nur die Daumen drücken, dass die Brücke fertig wird.“

Ein klares Nein kommt von GAL-Frontfrau Antje Jansen. Sie fährt täglich mit dem Bus und sagt: „Dass die Brücke rechtzeitig fertig wird, kann ich mir nicht vorstellen.“ Dort stehe ich ständig im Stau.“ Mittlerweile müsse man immer einen Bus früher nehmen, um pünktlich anzukommen. Die vielen Baustellen in der Stadt seien die Ursache.

Denn neben der Possehlbrücke hat die Stadt noch weitere sieben große Baustellen aufgemacht – wie Koberg, Sandberg, Schwartauer Allee/Bei der Lohmühle. Dort gibt es Teilsperrungen der Straßen.

Besonders schlimm war es am vergangenen Mittwoch. Am Nachmittag fuhren die Busse die Haltestelle Schüsselbuden in der Altstadt gar nicht mehr an. Fast alle Linien hatten Verspätungen von einer halben bis Dreiviertelstunde. Das bestätigt Gerlinde Zielke, Sprecherin des Stadtverkehrs. Aber: „Die Baustellen waren nicht die Ursache“, meint sie. Der viele Regen habe die Urlauber von der Küste in die Stadt gespült. Zielke: „Viele sind mit dem Auto in die Stadt gefahren.“ Und was sagt die Bauverwaltung? Sowohl Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) als auch Bereichsleiter Verkehr Stefan Klotz sind im Urlaub. Kritik daran kommt von Lindenau: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass die verantwortlichen Kräfte in der Hauptbauzeit nicht da sind.“

Teure Brücken

12,8 Millionen Euro kostet der Neubau der Possehlbrücke. Die Stadt zahlt 6,8 Millionen Euro, das Land sechs Millionen Euro. Die Baufirma hat laut Bauverwaltung bereits 600000 Euro nachgefordert.

19 Millionen Euro wird die Bahnhofsbrücke kosten. Aktuell beträgt die Kostenschätzung 18,87 Millionen Euro – die Stadt zahlt 12,38 Millionen, die Deutsche Bahn 6,49 Millionen. Allerdings wird der Bau frühestens 2018 starten. Daher rechnet die Bauverwaltung mit einer Kostensteigerung von bis zu einem Prozent.

Josephine von Zastrow

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