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Lübeck Praktikantin entdeckt Musik-Schatz in der Stadtbibliothek
Lokales Lübeck Praktikantin entdeckt Musik-Schatz in der Stadtbibliothek
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09:03 12.11.2013
Der Erstdruck der Stimme der 1. Violine des „Lohengrin“-Vorspiels aus dem wiederentdeckten Bestand der Stadtbibliothek. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Lübeck

Einer Praktikantin, die im Jubiläums-Jahr eine kleine Wagner-Ausstellung vorbereiten sollte, ist es zu verdanken, dass in der Musik-Abteilung der Lübecker Stadtbibliothek wieder einmal ein Schatz gehoben werden konnte. Bei ihren Recherchen fand die Literatur- und Musikwissenschaftlerin Annemarie Bischoff die kompletten Erstdrucke der Stimmen zum „Lohengrin“-Vorspiel von Richard Wagner - weltweit ist kein anderes Exemplar bekannt.

„Der Erstdruck der wunderbar erhaltenen Orchesterstimmen stammt aus dem Archiv des Musikvereins Lübeck“, sagt Arndt Schnoor, Leiter der Musik-Abteilung der Stadtbibliothek. „Sie wurden wahrscheinlich 1867 bei Breitkopf & Härtel gedruckt. Dem Konkurs des Musikvereins 1876 ist es zu verdanken, dass die Drucke erhalten geblieben sind, denn das Archiv des Vereins landete in der Stadtbibliothek.“ In anderen Musikvereinen oder bei Sinfonieorchestern, so Schnoor, wurden die Stimm-Drucke so lange benutzt, bis sie sich in ihre Bestandteile auflösten und entsorgt wurden.

Der Bestand an Wagner-Erst- und -Frühdrucken der Bibliothek ist reich. „In Lübeck wurde Wagner im 19. Jahrhundert viel und gern gespielt“, sagt Schnoor. „1855 zum Beispiel wurde bereits ,Tannhäuser‘

gespielt, 1913 erschien als Beilage zu den ,Lübeckischen Anzeigen‘ eine umfangreiche Übersicht über die Wagner-Aufführungen am Stadttheater.“ Die Bibliothek verfügt aber nicht nur über Erstdrucke der großen Bühnenwerke Wagners, sondern auch über kaum bekannte Kompositionen. So befinden sich in den Beständen der „Kaisermarsch“ von 1871, die 1890 in Lübeck aufgeführte „Faust“-Ouvertüre sowie als absolute Rarität der Erstdruck des „Großen Festmarsches zur Eröffnung der hundertjährigen Gedenkfeier der Unabhängigkeitserklärung von Nord- Amerika“. Für dieses Werk, mit dem sich Wagner sehr schwer tat, kassierte er stattliche 5000 Dollar Honorar. Herausgekommen ist bei Wagners Bemühungen um die amerikanische Unabhängigkeit allerdings eine Komposition, die man schwerlich zu den besten des Bayreuther Meisters zählen kann. Wagner-Biograf Martin Gregor Dellin nannte den Festmarsch sogar „tote Musik“.

Neben Wagner-Spezialitäten verfügt die Stadtbibliothek über weitere einmalige Schätze. „Unsere Praktikantin Annemarie Bischoff hat durch einen Zufall Autographen des italienischen Opernkomponisten Luini entdeckt, einem Zeitgenossen Mozarts und in seiner Epoche ein hochgeachteter Künstler.“ Von diesem Luini waren bisher keine Handschriften bekannt gewesen. „Uns fehlen aber die personellen Möglichkeiten, den Bestand wissenschaftlich aufzuarbeiten.“ Die Luini-Autographen wurden der Bibliothek um 1900 von einem Lübecker Kaufmann vermacht, der leidenschaftlicher Sänger war und Handschriften von Opern-Arien sammelte.

„In unseren Beständen liegen mit Sicherheit weitere Schätze“, sagt Arndt Schnoor. „Aber wir kommen nicht dazu, uns ihnen so zu widmen, wie sie es verdient hätten. Hier könnten einige Dissertationen entstehen, das Luini-Konvolut etwa wäre eine wissenschaftliche Goldgrube für einen italienischen Forscher.“

Verdi und Wagner im Lübecker Dom
Dom-Organist Hartmut Rohmeyer widmet sich in dem von ihm geleiteten Konzert am Sonntag um 19.30 Uhr gleich beiden musikalischen Jubilaren dieses Jahres. Zunächst erklingt das Vorspiel zu „Lohengrin“ von Richard Wagner, gespielt wird es nach dem wiedergefundenen Erstdruck. Nach der Pause wird die „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi aufgeführt.
Mitwirkende sind der Lübecker Domchor, der Chor des Theaters Lübeck, die Lübecker Philharmoniker sowie die Solisten Romelia Lichtenstein (Sopran), Gerhild Romberger (Mezzosopran), Jörg Durmüller (Tenor) und Ralf Lukas (Bass). Verdi schrieb das „Libera me“ seines Requiems als Teil einer Messe, die verschiedene italienische Komponisten zu Ehren des 1868 verstorbenen Gioachino Rossini verfassten, die allerdings erst 1988 uraufgeführt wurde. Die Idee des Requiems aber ließ Verdi nicht los, 1874 kam das vollendete Werk im Mailand zur Uraufführung. Richard Wagner beobachtete Verdis Erfolge aus der Ferne, Verdi war an Wagner durchaus interessiert — insofern ist die Zusammenstellung von Verdi-Requiem und Lohengrin-Vorspiel sinnvoll.

Jürgen Feldhoff

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