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Lübeck Priwall: Entsteht eine Jugendherberge im alten Krankenhaus?
Lokales Lübeck Priwall: Entsteht eine Jugendherberge im alten Krankenhaus?
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06:00 11.03.2019
Das ehemalige Krankenhaus auf dem Priwall beherbergt das Magazin der Stadtbibliothek. Die Bewohnergemeinschaft könnte sich in den Gebäuden günstigen Wohnraum oder eine Jugendherberge vorstellen. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Die zwei Gebäude des ehemaligen Krankenhauses auf dem Priwall, in denen das Magazin der Lübecker Stadtbibliothek untergebracht ist, wecken Begehrlichkeiten. Die Stadt will sie verkaufen, damit dort günstiger Wohnraum entsteht. Jetzt schaltet sich die Gemeinschaft der Priwallbewohner ein. „Warum soll dort nicht eine Jugendherberge einziehen?“, fragt Vorsitzender Eckhard Erdmann. Möglich sei auch die Schaffung von Wohnraum für Familien. Eine touristische Nutzung lehnt Erdmann dagegen ab.

Stadt will günstige Wohnungen auf dem Priwall

Während eines Informationsabends der Gemeinschaft im Restaurant Seglermesse berichtete Erdmann vom Neujahrsempfang der SPD Travemünde/Kücknitz im Januar. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) hatte dort mitgeteilt, dass die Stadt das Magazin nach Lübeck verlagern möchte und die dann frei werdenden Häuser zu Wohnraum für Geringverdienende, etwa Mitarbeiter aus der Gastronomie, umgebaut werden sollten. Laut Aussage des Bereichs Stadtplanung und Bauordnung füge sich die geplante Wohnnutzung in die „Eigenart der näheren Umgebung“ ein, so Erdmann.

Auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses könnte eine Herberge entstehen

Für das nähere Umfeld könne von einem sogenannten Mischgebiet ausgegangen werden, so dass Wohnnutzungen und nicht wesentlich störende gewerbliche Nutzungen zulässig seien. Die Aufstellung eines Bebauungsplans sei für die beabsichtigte Nutzungsänderung nicht erforderlich, so das Fazit der Stadtplanung. Aussagen zu möglichen Trägern oder Vermietern, zu voraussichtlichen Mietpreisen und zu Anteilen öffentlich geförderter Wohnungen trifft die Stadt nicht. Und stellt fest: „Eine Entscheidung über die Umnutzung der beiden Archivgebäude als Wohngebäude ist noch nicht gefallen.“

Priwallbewohner planen Workshop zum Thema

Gemeinschaftsvorsitzender Erdmann sieht die Verwendung der alten Klinikgebäude im Zusammenhang mit anderen möglichen Wohnprojekten auf dem Priwall: „Wir müssen auch an die Berufsbildungsstätte denken. Wenn die in ein paar Jahren auszieht, sind auch dort Wohnungen oder eine Jugendherberge möglich.“ Der Vereinsvorstand plane, das Thema demnächst in einem öffentlichen Workshop zu behandeln.

Jugend-Freizeitstätte schloss 2007

Jugendherbergen haben auf dem Priwall eine lange Tradition. In den 1920er-Jahren gab es eine Einrichtung am Fliegerweg. Die Jugend-Freizeitstätte Travemünde-Priwall an der Mecklenburger Landstraße, die in der Trägerschaft der Gesellschaft für Jugendpflege und Jugendförderung Lübeck stand, wurde 2007 geschlossen, weil die Stadt das Grundstück an eine Investorengruppe verkaufte. Danach entstand dort ein Feriendorf, bei Priwallianern wegen der Bauweise der Häuser auch spöttisch „Dänisches Bettenlager“ genannt.

2013 interessierte sich der Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) für ein neues Domizil auf dem Priwall. Im Gespräch war das Krankenhausgelände. Bis zu 5,8 Millionen Euro wollte der Verband investieren. Der Bad Schwartauer Architekt Rolf Zeschke schlug zwei Varianten vor: ein Haus mit 165 oder eines mit 272 Betten. Politiker, Bewohnergemeinschaft, die Bürgerinitiative Behutsame Priwallentwicklung und andere eingeschaltete Institutionen waren begeistert, auch Waterfront-Investor Sven Hollesen. „Das passt genau in unser Konzept“, sagte er damals.

Stadt sucht nach Lösung für Archiv

Von der Stadt wurde eingeräumt, dass es noch keine Lösung für eine Auslagerung des Archivs gebe. Das war vor sechs Jahren. Aktuell verhandelt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) mit der Bundesbank über den Kauf des Bankgebäudes am Holstentor (die LN berichteten). Sein Plan ist, dort einen Wissensspeicher einzurichten, in dem auch das Magazin der Stadtbibliothek Platz finden könnte.

Der Landesverband Nordmark des DJH zeigt sich auf LN-Nachfrage offen gegenüber Plänen für die Etablierung einer Jugendherberge. „Prinzipiell haben wir Interesse am Standort Travemünde“, sagt Verbandssprecherin Katharina Pauly. Konkrete Pläne und einen neuen Sachstand gebe es dazu aber nicht.

Thomas Krohn

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