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Lübeck Priwall: Zoff im Ferien-Paradies
Lokales Lübeck Priwall: Zoff im Ferien-Paradies
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20:18 10.09.2018
Deswegen kracht’s: Auf diesem Grundstück im Seeweg 86 auf dem Priwall darf höher gebaut werden als normalerweise erlaubt in der Wochenendhaus-Siedlung. Die Stadt hat das genehmigt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

 Von wegen Idylle. In der Wochenendhaus-Siedlung auf dem Priwall gibt es mächtig Zoff. Denn im Seeweg 86 wird neu gebaut. „Viele empfinden das Gebäude als Koloss“, erklärt Ulrich Klempin, Vereinschef der 440 Wochenendhausbesitzer. „Das ist viel zu massiv“, ärgert sich Günter Wosnitza, der ein Ferienhäuschen in der Siedlung besitzt. „Das Haus passt gar nicht hierher.“ Denn: Auf dem Eckgrundstück im Seeweg 86 soll ein Gebäude entstehen, das 6,65 Meter hoch ist – das sind 1,65 Meter höher als alle andere Häuser. Erlaubt sind nur fünf Meter in der Ferienhaus-Siedlung. Die Adresse Seeweg 86 gehört zu den besten in der Siedlung, der Weg liegt in erster Reihe am Strand.

Wochenendhaus-Siedlung Priwall

In dem Gebiet zwischen Strand und Mecklenburger Landstraße verlaufen parallel vier kleine Wege. Dort stehen 440 Häuschen. Zu DDR-Zeiten lagen sie an der innerdeutschen Grenze – kaum jemand wollte dort seinen Urlaub verbringen. Heute indes sind die Ferienhäuschen extrem beliebt.

Das Areal gehörte der Stadt. Sie hat die Grundstücke ab 2003 verkauft. Allerdings im Teileigentum. Heißt: Wie in einem Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen gibt es eine Eigentümer-Gemeinschaft. Auf dem Priwall bilden die Wochenend-Hausbesitzer die Teileigenümer-Gemeinschaft (TEG) Wochenendhaus-Siedlung Priwall. Verwaltet wird sie vom Wohnungsunternehmen Denker GmbH, die auch zur außerordentlichen Versammlung eingeladen haben und den etwaigen Rechtsstreit gegen die Stadt führen würde. Daneben gibt es den Verein der Wochenendhaus-Besitzer. Der Vorsitzende ist Ulrich Klempin.

Stadt hat den Bau genehmigt

Jetzt gibt es mächtig Krach. Die Wochenendhausbesitzer haben untereinander mehr als 110 Unterschriften gesammelt. Das sind ein Viertel der Eigentümer – und damit haben sie eine außerordentliche Versammlung der Besitzer erzwungen. Am 22. September ist das Treffen anberaumt. Das Thema: Soll Klage gegen die Stadt eingereicht werden – oder nicht? Denn: Die Bauverwaltung hat das Gebäude im Seeweg 86 genehmigt. Die Begründung: „Auf Grund der gewerblichen Nutzung gibt es eine Ausnahmegenehmigung“, sagt Stadt-Sprecherin Nicole Dorel auf LN-Anfrage. Denn im Seeweg 86 ist ein Kiosk geplant. Die Ausnahme bezieht sich auf die Firsthöhe von 6,65 Meter. Die Brandabstände von 3,5 Meter würden eingehalten, die seien so im Bebauungsplan vorgesehen.

Lagerraum mit Fensterfront

Jetzt soll dort der Kiosk eröffnen – im Erdgeschoss. Im Dachgeschoss ist ein Lager vorgesehen. Bemerkenswert dabei: Der geplante Lagerraum im Dachgeschoss weist sowohl nach Norden wie auch nach Süden eine große Fensterfront auf. Das geht aus den Planunterlagen hervor, die den LN vorliegen. Was sagt die Stadt dazu? „Sollte abweichend von der Baugenehmigung die als Gewerberäume genehmigten Räume zu Wohnzwecken genutzt werden“, so Sprecherin Dorel, „läge eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung vor“. Und ohne Genehmigung würde die Stadt das Wohnen dort verbieten. Aber: Ob dort ein Gewerbe für den Kiosk angemeldet wurde oder nicht, würde nicht von der Bauverwaltung geprüft. Das gehöre nicht in den Prüfungsumfang einer Baugenehmigung.

Grundstücke günstiger verkauft

Und: Es droht weiterer Ärger. Das Grundstück Seeweg 86 hat die Stadt günstiger verkauft - wie auch das Grundstück Seeweg 128. Der Knackpunkt: Diese Grundstücke haben eine sogenannte Nutzungseinschränkung, die auf Gastronomie festgelegt ist. Das bedeutet: Dort soll ein Kiosk oder ein Restaurant betrieben werden, damit die Wochenendhaus-Besitzer versorgt sind. Im Wirtschaftsausschuss bestätigt das Piroska Csösz, Bereichsleiterin Liegenschaften. Verkauft wurden beide Grundstücke von der Stadt im November 2012 an Privatleute. Die haben die Grundstücke aber weiter verkauft - mit Wissen der Stadt. Denn sie müssen die Stadt darüber informieren. Im Seeweg 86 ist offiziell der Kiosk geplant. Im Seeweg 128 nicht.

Ärger gibt es wegen des Grundstücks Seeweg 128. Dort stand früher die Gaststätte Priwall-Treff. Jetzt sollen dort zwei Ferienhäuser errichtet werden. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Dort ist der Bau von zwei Ferienhäusern vorgesehen. Das Grundstück wurde geteilt. Dem Vernehmen nach wurde eine Hälfte für 175 000 Euro verkauft. Zwischen Kaufpreis und Wiederverkaufspreis dürfte eine große Gewinnspanne liegen. Die genauen Zahlen will Csösz nicht öffentlich nennen. Generell gelte aber: Die Stadt kriegt ihr Geld. Und zwar die Differenz zwischen dem verbilligten Kaufpreis und dem normalen Kaufpreis zum Zeitpunkt, als die Stadt das Grundstück verkauft hat. Als die Stadt die Häuser damals veräußert hat, verlangte sie zwischen 200 und 300 D-Mark pro Quadratmeter – je nach Lage. Später wurden die Grundstücke teurer. Vereinschef Klempin: „Dennoch: Dieser Fall regt die Leute auf.“

Josephine von Zastrow

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