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Lübeck Priwallfähre: Politiker fordern Lösung vom Stadtverkehr
Lokales Lübeck Priwallfähre: Politiker fordern Lösung vom Stadtverkehr
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10:33 07.09.2016
Die Bürger beschweren sich über Unpünktlichkeit und hohe Preise. Quelle: Roeßler
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Travemünde

Die Mitglieder des Aufsichtsrates, die den Stadtverkehr kontrollieren, wurden von der Nachricht überrumpelt. Dass es zu massiven Wartezeiten an der Priwallfähre zwischen Travemünde und der Halbinsel kommt, war dem Aufsichtsrat nicht bekannt. Am Donnerstag muss die Geschäftsführung des Stadtverkehrs dem Kontrollgremium die genauen Hintergründe erläutern. „Die Situation ist ärgerlich, das geht gar nicht“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende und SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell.

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Am Donnerstag muss Geschäftsführung dem Aufsichtsrat die Probleme erklären – Bürger beschweren sich über Unpünktlichkeit und hohe Preise – Schiffe fahren kostendeckend.

Das sehen viele Bürger genauso. „Es ist eine bodenlose Frechheit, bei den Preisen auch an Sonntagen in der Hochsaison nur eine Fähre laufen zu lassen“, kritisiert Andrea Ahrens via Facebook.

Rosemarie Willig: „Bin auch davon genervt. Eine Zumutung, wenn man auf der Priwall-Seite wohnt. Und das bei den Preisen.“ Klaus-Peter Rahmlow erklärt, dass „die schon immer Personalnot hatten.“

Heiner Timme befürchtet das Schlimmste, wenn erst die Ferienanlage ans Netz geht: „Das wird noch ein Spaß, wenn Waterfront fertiggestellt ist.“

Für ein Seebad sei das keine Werbung, räumt Kurdirektor Uwe Kirchhoff ein. „Unsere Übernachtungsgäste empfinden die Überfahrt wie eine kleine Mini-Kreuzfahrt“, sagt Kirchhoff. „Aber wenn man nach vielen Stunden Autofahrt noch lange auf eine Fähre warten muss, ist das nervig.“ Selbstverständlich könne es immer mal zu technischen Pannen oder Ausfällen durch erkrankte Fährführer kommen.

Kirchhoff: „Aber eineinhalb Stunden Wartezeit sind derbe.“ Solche Situationen sollte der Stadtverkehr für Einheimische wie für Touristen vermeiden. „Man kann nicht immer neuen Betten auf den Priwall bauen und anschließend kommen die Menschen schwer dorthin“, kritisiert Dirk Freitag, verkehrspolitischer Sprecher der CDU. „Das ist abträglich für einen Tourismusstandort.“ Eine schnelle Lösung fordert auch sein Parteikollege Thomas Thalau. Der Travemünder sitzt im Aufsichtsrat des Stadtverkehrs. „Die Situation können wir so nicht hinnehmen.“ Eine solche Negativwerbung habe weitreichende Auswirkungen. Als sehr bedauerlich bezeichnet Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) die Ausfälle. „Leider ist bei Ausfällen von Fährführern nicht immer sofort Ersatz zu bekommen“, erklärt der Senator.

Der Stadtverkehr begründet die langen Wartezeiten mit „vermehrten und unvorgesehenen Krankheitsfällen“ und beabsichtigt nicht, mehr Personal für die Stoßzeiten einzustellen (die LN berichteten). 16 Fährführer und zwölf Kassierer wuppen den gesamten Fährbetrieb. Diese Personalausstattung reiche niemals aus, sagt LN-Leser und Kapitän Klaus Haag. 224 Arbeitsstunden müssten pro Woche abgedeckt werden, während 16 Fährführer nur für 128 Arbeitsstunden in der Woche zur Verfügung stehen. „Urlaub und Krankheit sind noch nicht eingerechnet“, erklärt der Kapitän: „Das ist also keine Ausnahmesituation, sondern eine geplante Verspätung.“

Ob das vom Stadtverkehr vorgehaltene Personal tatsächlich nicht reicht und welche Lösungen es für Spitzenzeiten künftig geben soll, muss die Geschäftsführung am Donnerstag beantworten. „Ich erwarte einen Vorschlag für einen intelligenten Personaleinsatz“, sagt Hans-Jürgen Schubert (GAL), ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat.

Die Politiker weisen aber auch auf das Dilemma des Stadtverkehrs hin. „Die Stadt feilscht um jeden Cent“, berichtet Schubert. In den letzten zehn Jahren habe der Fährbetrieb ein Defizit von fünf Millionen Euro eingefahren, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Pluschkell: „Im vergangenen Jahr sind die Fähren das erste Mal seit 2005 wieder kostendeckend gefahren.“

 Kai Dordowsky

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