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Probeflug endet in Tragödie - Unglücksflieger war selbst gebaut

Lübeck Probeflug endet in Tragödie - Unglücksflieger war selbst gebaut

Der Probeflug mit einem selbst gebauten Motorflugzeug wurde am Dienstagvormittag in Blankensee zur Katastrophe: Kurz nach dem Start prallte die mit zwei Männern besetzte kleine Maschine aus 100 Metern Höhe auf den Boden. Die Ursache ist nach wie vor unklar. Der Kopilot schwebt weiterhin in Lebensgefahr.

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Umwerfend logisch!

Die Kriminalpolizei überprüft das vorne völlig zerstörte Flugzeugwrack. Das Heck des Zweisitzers ist hingegen nahezu unversehrt.

Quelle: dpa

Lübeck. Den Mitgliedern des Aero-Clubs Lübeck am Flughafen Blankensee steht der Schrecken in die Gesichter geschrieben. Die Segelflieger unterhalten sich, ständig klingeln die Handys. „Mir geht es gut“, ist ein oft gehörter Satz am Mobiltelefon gestern Mittag. Grund: Kurz nach 11.30 Uhr erhält die Feuerwehr den Alarm, am Airport sei ein Segler abgestürzt. Eine Person kam dabei ums Leben, eine wurde schwer verletzt. Die Nachricht verbreitet sich schnell, Angehörige und Freunde der Clubmitglieder wollen ihre Liebsten sprechen.

Am Dienstag Vormittag ist ein Motorflieger am Flughafen Blankensee abgestürzt.

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„Wir haben sofort gedacht, es ist einer von uns“, sagt ein Aero- Club-Mitglied, das anonym bleiben möchte. Doch dann dringt die Meldung bei ihnen durch, dass es sich um ein Motorflugzeug gehandelt hat. Sofort danach beginnt das Rätselraten um die Absturzursache. „Er muss wohl Motorprobleme gehabt haben“, so der Segelflieger weiter. Hubschrauberpilot Ingo Walter von der Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuhlendorf schließt das Wetter als Ursache aus: „Keine gefährlichen Winde, eher wenig Wind“, sagt er. „Auch die Temperatur ist in Ordnung. Eigentlich perfektes Fliegerwetter.“

Bekannt ist bislang so viel: Die einmotorige Maschine hob um 11.30 Uhr vom Lübecker Flughafen ab, „danach flog sie eine scharfe Rechtskurve und kippte dabei wohl ab“, sagt Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders. Warum der Pilot das Manöver vollführte, ist offen. Sowohl er als auch sein Kopilot seien erfahren gewesen und im Besitz einer Fluglizenz. „Die Kurve kann ein Indiz dafür sein, dass der Pilot zurückkehren wollte.“ Möglicherweise hatte er Motorprobleme.

Laut Anders handelte es sich bei den Insassen um zwei Männer im Alter über 60 Jahre, die aus dem Raum Lübeck stammen. Näher wollte er sich mit Rücksicht auf die Angehörigen derzeit nicht äußern. Der schwerverletzte Kopilot werde in der Uniklinik behandelt, "er befindet sich weiterhin in Lebensgefahr", so Anders.

Das Motorflugzeug sei ein sogenannter Selbstbausatz gewesen, gestern seien die Männer zum dritten Probeflug aufgebrochen. "Er sollte der Instrumentenkalibrierung dienen", sagt Oberstaatsanwalt Anders. Ob aber ein Fehler aufgetreten sei oder vielleicht ein zu riskantes Manöver die Absturzursache sei, müsse nun ermittelt werden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Braunschweig hatte bereits gestern zwei Experten nach Blankensee geschickt, um Fakten zu sammeln. Laut BFU-Sprecher Jens Friedemann seien unter anderem zwei Satelliten-Navigationssysteme sichergestellt worden. "Wir erwarten, damit mehr Klarheit über den Flug gewinnen zu können", sagt er gegenüber den LN. So hoffen die Experten unter anderem auf Informationen zum Kurs, der Flughöhe, der Position und der Geschwindigkeit des Fliegers. Gleichzeitig werde der Leichnam obduziert, um zu erfahren, ob eventuell sogar gesundheitliche Probleme zum Absturz geführt hatten.

Die Maschine war aus etwa 100 Metern herabgestürzt und im Süden des Airports nur etwa 50 Meter außerhalb des Sperrzauns in die Grönauer Heide geprallt. Flughafen- und Berufsfeuerwehr rückten an, die ehrenamtlichen Retter aus Krummesse, Rettungswagen und ein Notarzt. Der Pilot überlebte den Absturz nicht — er starb noch an der Unfallstelle. Beim Eintreffen der Helfer lag er bereits neben dem Motorflieger. „Den Schwerverletzten mussten wir aus dem Flugzeug befreien“, sagt Dietmar Schiemann von der Berufsfeuerwehr. Den Rettern blieb nichts anderes übrig, als das Cockpit der Maschine zu zerschneiden. 

Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um ein einmotoriges Flugzeug mit einem Gewicht von unter zwei Tonnen. 2013 waren laut Luftfahrt-Bundesamt (LBA) insgesamt 6733 solcher Flieger in Deutschland registriert — die zweithäufigste Klasse nach Segelfliegern (7704 Stück). Ein LBA-Experte aus Braunschweig begutachtete noch am gestrigen Nachmittag zusammen mit der Kriminalpolizei die Absturzstelle, um den Unfall rekonstruieren zu können.

Während des Rettungseinsatzes wurde der gesamte Flugverkehr in Lübeck eingestellt. Die Wizzair- Maschine mit 130 Personen an Bord und Ziel Danzig musste ihren Start um fast zwei Stunden verschieben.

Der Ryanair-Flieger aus Mallorca sollte zudem erst nach Bremen umgeleitet werden, weil Lübecks Airport um 12.30 Uhr noch gesperrt war. Letztlich konnte er aber doch mit Verspätung in Blankensee landen. Flughafen-Sprecherin Jana Bahrenhop: „Inzwischen läuft wieder alles normal.“

„Die Maschine flog eine scharfe Rechtskurve.“
Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders

Peer Hellerling

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