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Lübeck Probleme beim Polizeifunk: „Zustände machen uns wütend“
Lokales Lübeck Probleme beim Polizeifunk: „Zustände machen uns wütend“
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12:24 25.01.2015
Seitdem die Polizei in Lübeck digital funkt, gibt es immer wieder Ärger. Die Beamten klagen darüber, mit den kleinen Handfunkgeräten manchmal kein Netz zu haben. Quelle: Fotos: Peer Hellerling, Lutz Roeßler
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Lübeck

Der neue Digitalfunk scheint immer noch nicht so reibungslos zu funktionieren wie angenommen. Anfang des Monats wurden zwei Polizisten von einem Mann attackiert und konnten wegen Empfangsproblemen keine Unterstützung rufen. Den Vorfall vom 8. Januar schildern zwei „frustrierte Polizeibeamte“ in einem anonymen Schreiben an die LN. Aufgrund der mangelhaften Ausstattung sei es „nur eine Frage der Zeit, bis der erste Polizeibeamte in einem Gebäude schwer verletzt oder sogar getötet wird, weil ein Hilferuf über Digitalfunk nicht möglich war“.

Die Polizisten fuhren zu der Wohnung eines 61-Jährigen im sechsten Stock eines Hochhauses in Lübeck, er hatte einen Suizidversuch angekündigt. Im Gebäude haben die Beamten laut Schreiben vergeblich versucht, mit dem Handfunkgerät Kontakt zur Leitstelle aufzunehmen — „was wieder einmal nicht möglich war“. Als einer per Handy Hilfe rief, rammte sich der 61-Jährige ein Messer in den Bauch und wollte dann offenbar auch die Polizisten angreifen. Zwei Zivilkollegen eilten zur Hilfe, auch sie hatten Funkprobleme: Am Hauseingang gab es kein Netz, am Wohnungsfenster auch nicht, im Laubengang wiederum gingen zwar Funksprüche ein, aber nicht raus. „Diese Zustände machen uns wütend. Der Frust wird immer größer“, heißt es deshalb in dem Brief.

Thomas Nommensen von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Lübeck-Ostholstein, der in der Leitstelle arbeitet, spricht von „Aussetzern und Funklöchern“ mehrmals pro Stunde. Die Gespräche seien zu leise, abgehackt oder unverständlich. „Wenn die Kollegen einen dringenden Funkspruch absetzen müssen, weil sie in Not sind, dann haben sie in dem Moment ein Riesenproblem.“ Solche Einzelfälle „können die Kollegen in Gefahr bringen“. Das Landespolizeiamt (LPA) verweise dann gerne auf Bedienungsfehler. Jörn Löwenstrom von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Lübeck sagt, die Qualität sei dank eines zusätzlichen Funkmastes und Nachjustierungen inzwischen deutlich besser. „Von den Ansprüchen wie beim Mobilfunk sind wir aber noch entfernt.“

„Die Darstellung der Polizisten lässt mir das Blut in den Adern gefrieren“, sagt FDP-Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki. Der Funkausfall habe in diesem Moment zu einer lebensbedrohlichen Situation geführt. „Ich fordere den Innenminister auf, zu diesen Vorwürfen klar und eindeutig Stellung zu beziehen“, sagt Petra Nicolaisen von der Landes-CDU.

„So gravierende Probleme dürfen nicht heruntergespielt werden.“

Das LPA widerspricht. Bei dem Einsatz in der Korvettenstraße sei bei einem Funkgerät die Antenne defekt gewesen. Warum aber auch das Gerät des Kollegen nicht funktionierte, sei nicht nachvollziehbar. Gleichwohl räumt LPA-Sprecher Lothar Gahrmann ein, dass „die in Lübeck festgestellten Unzulänglichkeiten bekannt sind“. Es seien weitere Maßnahmen vorgesehen.

Vor Ort fanden zudem Tests statt, die mit den Handfunkgeräten tatsächlich kein Netz am Hauseingang und im Fahrstuhl ergaben. Werde jedoch der für solche Fälle nachgerüstete Verstärker im Streifenwagen eingeschaltet, funktioniere alles fehlerfrei bis zum achten Obergeschoss — auch das ergab der Test. Im Schreiben an die LN finden die Polizisten das jedoch umständlich: „Man ist also bei eiligen Einsätzen erst damit beschäftigt, dieses Relais zu aktivieren.“ Zudem müsse der Modus auch beim Handfunkgerät aktiviert werden.

Peer Hellerling und Curd Tönnemann

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