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Lübeck Problemzonen für Radfahrer: Stadt schlägt Lösungen vor
Lokales Lübeck Problemzonen für Radfahrer: Stadt schlägt Lösungen vor
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10:44 14.06.2016
Kommunalspur Ratzeburger Allee: Eine gemeinsame Spur für Busse, Taxis und Radfahrer ist geplant. Fahrradbeauftragter Nils Weiland möchte die eine Spur für Radfahrer und Busse aber lieber noch einmal durch eine Markierung voneinander trennen. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler (3), Ulf-Kersten Neelsen

Die Nummer eins ist Münster. Jedenfalls für Fahrradfahrer. Bundesweit gilt die Stadt in Nordrhein-Westfalen als Fahrradstadt schlechthin. Diesen Platz wird Lübeck der Studentenstadt so bald nicht streitig machen. Denn Lösungen für die Problemzonen für Fahrradfahrer sind schwierig zu finden. Im Bauausschuss hat der Fahrradbeauftragte Nils Weiland vier Projekte vorgestellt. Mit zweien waren die Politiker nicht einverstanden. Die beiden anderen sind nur durch den Druck der Bürger zustande gekommen.

Vier Projekte will Lübeck angehen – Einige Ideen überzeugen die Politiker noch nicht.

Tempo 30 in der Roeckstraße: Die Allee aus Sommerlinden ist wunderschön. Sie geht vom Gustav-Radbruch-Platz ab. Für Fahrradfahrer aber ist sie eine Katastrophe. Betroffen sind täglich 4000 Radfahrer. Die Wurzeln der Sommerlinden haben den Radweg hochgedrückt – und aus ihm eine Buckelpiste gemacht. Da die Straße zu schmal ist, kann der Radweg nicht verbreitert werden. Jetzt sollten die Radfahrer auf die Roeckstraße geschickt und das Tempo dort auf 30 reduziert werden. Das aber hat der Bauausschuss rundweg abgelehnt. „Es ist nicht nachvollziehbar, zehnjährige Kinder auf eine Straße zu schicken, auf der Busse fahren“, argumentiert Ulrich Brock (CDU). Da seien ein paar Hundert Meter schlechter Radweg besser. „Das ist zu gefährlich“, stimmt Carl Howe (GAL) zu. „Besser die Kleinen stolpern über eine Wurzel, als dass sie von einem Bus angefahren werden“, meint Roswitha Kaske (CDU).

„Die Situation heute ist auch gefährlich“, erklärt indes Pirat Detlev Stolzenberg. Howes Vorschlag in Richtung des Fahrradbeauftragten Nils Weiland: „Haben Sie die Villen-Besitzer gefragt, ob sie ein Stück ihrer Grundstücke für die Radfahrer abgeben?“ Weiland verneint. Er hatte 20 Varianten geprüft, will sie nach der Sommerpause dem Ausschuss noch einmal vorstellen. Es geht dabei um 650 Meter Roeckstraße zwischen Gustav- Radbruch-Platz und Krügerstraße am Stadtpark. Weiland hatte ursprünglich eine einjährige Testphase vorgesehen.

Kommunalspur Ratzeburger Allee: Eine Spur für Busse, Taxis und Radfahrer: Das ist Lübecks Kommunalspur. Sie sollte eigentlich noch in diesem Jahr in der Ratzeburger Allee eingeführt werden – auf 550 Metern zwischen Wasserkunst und Mühlentorteller. Für die Autofahrer fällt dabei je Richtung eine von zwei Fahrspuren weg. Zudem sollte die Straße saniert werden. Doch da die Entsorgungsbetriebe dort noch Leitungen verlegen wollen und an der Wasserkunst derzeit ein neues Wohnviertel entsteht, soll die Kommunalspur erst einmal nur markiert werden.

Dabei gibt es verschiedene Varianten. Fahrradbeauftragter Nils Weiland wollte eine Spur für Radfahrer und Busse, diese aber noch einmal durch eine Markierung voneinander trennen. Dann hätte es eine Spur für Fahrräder, eine für Busse und eine für Autos gegeben – je Richtung. „Das ist aber keine Kommunalspur mehr“, lehnt Ausschussvorsitzender Christopher Lötsch (CDU) den Vorschlag ab. Auch Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) meint: „Das ist im Grunde keine Kommunalspur.“ In zwei Wochen soll das Thema noch einmal im Bauausschuss vorgestellt und diskutiert werden.

Radweg Gneversdorfer Weg: In Travemünde wurde ein Radweg einseitig gesperrt, weil die Autofahrer dort zu wenig auf die Radler achten. Es geht um den Gneversdorfer Weg in Travemünde. Der Radweg ist seit jeher in zwei Richtungen befahrbar. Nun müssen Radler vor der Einmündung Mühlenberg bis zur Torstraße 250 Meter schieben, um den Autofahrern nicht unvermittelt von rechts vor den Wagen zu radeln. Das hat zu wütenden Protesten von Bürgern und Politikern geführt. Jetzt soll auf der Straße Gneversdorfer Weg eine Radspur markiert werden, damit auf jeder Straßenseite einer deutlich sichtbar ist. Mitte bis Ende Juli soll das geschehen. In einem weiteren Schritt soll die Ampel an der Kreuzung Moorredder/Gneversdorfer Weg anders geschaltet werden. Nämlich so, dass die Radler aus dem Moorredder über die Kreuzung auf die andere Seite des Gneversdorfer Weges fahren können, um dann stadteinwärts zu radeln.

Knotenpunkt Hüxtertorallee/Rehderbrücke: Mehr als 1200 Radfahrer queren morgens zwischen 7 und 8 Uhr die Kreuzung Hüxtertorallee, Moltkestraße, Rehderbrücke. Vor allem Schüler und Pendler sind in Richtung Altstadt unterwegs. Die Regeln für die Kreuzung sind umständlich für Radler. Vor einem Jahr wurde ein Radfahrer bei einem Unfall getötet. Es gab massive Proteste. Jetzt wird die Kreuzung im Herbst umgebaut, erklärt Fahrradbeauftragter Nils Weiland. Die Kosten liegen zwischen 60 000 und 100 000 Euro. Der Plan: Wer von der Moltkestraße nach links in die Hüxtertorallee einbiegen will, muss auf eine der beiden Abbiegespuren verzichten. Das betrifft am Tag 2200 Autos. Die frei werdende Linksabbieger-Spur wird zum Rechtsabbieger für täglich 2500 Pkw. Die bisherige Spur für Rechtsabbieger bekommen die Radfahrer, die geradeaus in Richtung Rehderbrücke unterwegs sind.

 Josephine von Zastrow

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