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Professoren fordern Titel-Entzug

Lübeck Professoren fordern Titel-Entzug

In einem offenen Brief fordern neun ehemalige Uni-Professoren die Uni-Präsidentin auf, Winfried Stöcker die Honorarprofessur zu entziehen. Es sei ein Moment erreicht, in dem Worte zu Makulatur werden, wenn ihnen nicht Taten folgen. Auch die Studierenden sagen: „Es reicht!“

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„Stöcker fühlt sich in einer unreflektierten Allmacht.“ Prof. Peter Dominiak

St. Jürgen. Der offene Brief lässt an Vehemenz nichts vermissen und ist direkt an die Uni-Präsidentin gerichtet. „Stoppen Sie alle von Herrn Stöcker mitfinanzierten Projekte der Universität. Fassen Sie einen Beschluss zur Aberkennung der von der Universität verliehenen Honorarprofessur. Und lassen Sie sich dabei nicht von formalen Hürden zurückhalten“, schreiben die neun Professoren, allesamt ehemalige Direktoren verschiedener Abteilungen des Uniklinikums und damit Mitglieder der Lübecker Uni.

LN-Bild

In einem offenen Brief fordern neun ehemalige Uni-Professoren die Uni-Präsidentin auf, Winfried Stöcker die Honorarprofessur zu entziehen. Es sei ein Moment erreicht, in dem Worte zu Makulatur werden, wenn ihnen nicht Taten folgen. Auch die Studierenden sagen: „Es reicht!“

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Damit setzen die ehemaligen Hochschullehrer – darunter Alt- Präsident Peter Dominiak, Neurochirurg Hans Arnold sowie Ex- Frauenklinikchef Klaus Diedrich – den Proteststurm fort, der als Reaktion auf die Weihnachtsbotschaft des Euroimmun-Gründers Prof. Winfried Stöcker losbrach ( die LN berichteten). Darin hatte der erfolgreiche Unternehmer scharfe Kritik an der „#MeToo“-Bewegung gegen sexuellen Missbrauch geübt und sich dafür den Vorwurf des Sexismus eingehandelt. Unterzeichner sind die Professoren Alfred C. Feller, Hans Arnold, Klaus Diedrich, Peter Dominiak, Wolfgang Gross, Dieter Jocham, Detlef Kömpf, Dirk Petersen und Peter Zabel.

Die Professoren haben den Brief unterschrieben

Gez. Profs. Alfred C. Feller, Hans Arnold, Klaus Diedrich, Peter Dominiak, Wolfgang Gross, Dieter Jocham, Detlef Kömpf, Dirk Petersen, Peter Zabel

„Herr Stöcker ist nicht der große Gönner unserer Universität, er ist ein kühl berechnender Geschäftsmann, der sich durch seine Position in einer unreflektierten Allmacht fühlt“, stellen die Unterzeichner fest. Und: „Wir möchten weiter Mitglieder einer großartigen Universität sein, die wir mit Stolz betrachten können, weil sie klare Grenzen zieht und einer Geisteshaltung, geprägt von Rassismus, der Verharmlosung sexueller Nötigung und Gedankengut der Nationalsozialisten-Zeit, mit Entschiedenheit, ohne jede Toleranz entgegentritt und diese Person der Universität verweist“, so die Professoren in ihrem Schlusssatz.

Auch die Studierenden-Vertretung hat inzwischen klar Position bezogen. Mit „Wir finden – es reicht!“ ist eine aktuelle Stellungnahme überschrieben. „Die Grenze ist seit Langem überschritten, jedoch hat die Universität zu Lübeck bis heute noch keine personellen Konsequenzen gezogen, und Herr Stöcker darf sich immer noch Honorarprofessor der Universität zu Lübeck nennen. Selbst auf seinem persönlichen Blog prahlt er mit seinem Titel“, sagt Swen Gärtner, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Hochschule.

Das Weltbild, das Stöcker seit Langem vermittle, stehe diametral zu dem Bekenntnis der Universität zu Diversität und Chancengleichheit in ihrem Leitbild. „Deshalb fordern wir seit Jahren, dass Winfried Stöcker die Honorarprofessur entzogen wird und die Universität sich von ihm trennt“, erklärt der Asta- Vorsitzende mit Nachdruck, „die Präsidentin hat sich bereits kritisch geäußert. Jedoch müssen diesen Worten nun auch Taten folgen.“

Im Jahr 2011 hatte Stöcker von der Uni für das Fachgebiet „Labormedizin“ eine Honorarprofessur erhalten. Der Arzt für Labor- und Transfusionsmedizin gründete 1987 mit vier Mitarbeitern die Firma Euroimmun und war zuvor lange Jahre an der Uniklinik tätig. Und bereits vor über drei Jahren – nachdem Stöcker fremdenfeindliche Äußerungen vorgeworfen wurden – gab es eine heftige Debatte um den Titelentzug auf dem Campus – allerdings ohne Folgen.

Dass diese nun erneut mit voller Wucht ausgebrochen ist, bestätigt Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach. Für die Humangenetikerin, die seit dem 1. Januar an der Spitze der Hochschule steht, ist es die erste große Bewährungsprobe in ihrem Amt. „Auch in unserem Senat wurden die aktuellen Vorfälle diskutiert“, bestätigt sie. Und den Zuspruch, den sie von vielen Seiten zu ihrer persönlichen Haltung bekommen habe, nehme sie zur Kenntnis.

„Es obliegt dem Präsidium, in der Sache zu entscheiden. Wir beraten zur Zeit intensiv, wie mit der Honorarprofessur von Professor Stöcker zu verfahren ist. Die rechtliche Beurteilung ist dabei entscheidend und braucht Zeit. Wir streben eine Entscheidung schnellstmöglich an“, betont sie, ohne einen konkreten Zeithorizont benennen zu können. Neben der Honorarprofessur gebe es zurzeit „als Altlast“ nur noch eine begrenzte Zusammenarbeit mit Euroimmun im Rahmen klinischer Studien, so der Hinweis von Uni-Pressesprecher Rüdiger Labahn.

Stöckers kritisierte Weihnachtsbotschaft

Der Text, den Winfried Stöcker auch für alle zugänglich in seinem Blog veröffentlichte, enthält mehrere Stellen, die heftig kritisiert werden. So heißt es darin: „Ich appelliere an die Eigenverantwortung der Betroffenen, die ja auch mit sechzehn Jahren oft schon zur Parlamentswahl gehen dürfen. Mädchen könnten zurückhaltender gekleidet und weniger provozierend zum Casting gehen, dass die armen Regisseure auf dem Pfad der Tugend bleiben.“ Schließlich ermuntert er seine Kollegen: „Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran und zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können.“

 Michael Hollinde

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