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Lübeck Projekt „Kunsttankstelle“ geht neue Wege
Lokales Lübeck Projekt „Kunsttankstelle“ geht neue Wege
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13:04 14.09.2016
Präsentieren schon einmal einige der Werke, die Sonntag von Frank-Thomas Gaulin versteigert werden: Gitesh Klatt (v. l.), Detlef Radenbach, Peter Fischer und Traute Ohlenbusch. Quelle: Lutz Roeßler

Die vier nur spärlich bekleideten Schaufensterpuppen tanzen hoch oben in der Hofeinfahrt der Kunsttankstelle auf einem Seil und bilden, den Turm der Petrikirche im Hintergrund, ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Die steigen in Scharen hier, direkt neben Holstentor und Salzspeichern, aus Bussen. Überhaupt werde die Kunsttankstelle in der Stadt sehr bewusst wahrgenommen, wie Peter Fischer, Vorsitzender des Vereins Defacto Art, sagt. Gerade erst zur Museumsnacht habe man einen Riesen-Zulauf von Interessierten gehabt.

Der Plan – Erwerb und Umbau der alten Gewerbehalle, der vielen Garagen und der alten Tankstelle zu Ateliers, Galerien und Veranstaltungsräumen – steht schon seit geraumer Zeit (die LN berichteten mehrfach). Und einige aus der Künstlergemeinschaft, wie beispielsweise Gitesh Klatt, sind bereits vom alten Standort Balauerfohr in die Kunsttankstelle umgezogen. Allein: Nachdem die Possehl-Stiftung den Förderantrag abgelehnt hat, muss der Verein selbst sehen, wie er das Geld für seine Pläne zusammenbekommt.

Erst dann nämlich könnte er das Gelände für 30000 Euro von der Stadt kaufen. Den Kaufpreis könnte die Gemeinschaft auch jetzt schon problemlos zahlen, der Betrag für den Umbau liegt deutlich höher. Peter Fischer spricht von 100000 Euro, die für eine grobe Sanierung vonnöten wären. „Wenn wir all unsere Pläne und Wünsche umsetzen, kämen wir auf eine Million Euro.“

Trotz der Absage des Groß-Sponsors wollen die Akteure von Defacto Art nicht aufgeben. Über diverse Aktionen wollen sie Geld in die Kassen des Vereins spülen. Erster Akt: eine große Kunstauktion am Sonntag, 18. September. Etwa 70 Kunstwerke – Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Radierungen, Grafiken, Skulpturen und Plastiken – sind dann in der Kunsttankstelle zu bewundern und zu erwerben. „Etwa zwei Drittel der Kunstwerke sind von externen Künstlern“, sagt Detlef Radenbach, Vorsitzender des Fördervereins Kunsttankstelle. Mit dabei sind unter anderem Arbeiten von Michaela Berning-Tournier, Claus Görtz, Matthias Klingbeil, Hanna Jäger und Katrin Zimmer. Insgesamt 40 Künstlerinnen und Künstler bieten ihre Werke zur Versteigerung an. Einige Arbeiten sollen zu kleinen Preisen den Besitzer wechseln, „damit sich jeder Besucher etwas leisten kann“, sagt Radenbach.

Wer in der Hansestadt könnte Kunst besser versteigern als Kunsthaus-Inhaber und Galerist Frank-Thomas Gaulin? Der habe, erzählen Radenbach und Fischer, gerade erst bei „Die K kommt“ wieder einmal sein großes Talent als Auktionator unter Beweis gestellt. Auch Gaulin stellt einige Werke zur Verfügung.

Fischer und Radenbach bleiben jedoch realistisch, was die Einnahmen aus der großen Auktion anbelangt. „Wir werden wohl unter 10000 Euro bleiben“, schätzt Fischer. Aber: Auch Kleinvieh macht ja bekanntlich Mist, und die Kunstauktion wird nur eine von vielen Aktionen zugunsten des großen Ziels Kunsttankstelle werden. „Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir das Geld sammeln können“, sagt Peter Fischer. Und Detlef Radenbach gibt sich selbstbewusst: „Wo sonst“, fragt er, „gibt es in Lübeck einen Verein, der Ateliers und eine Veranstaltungshalle sowie die Gelegenheit zum künstlerischen Austausch bietet?“

Die Auktion wird musikalisch umrahmt von Cellistin Ulla Rönnborg, dazu gibt es kleine Köstlichkeiten. Beginn ist am 18. September um 14 Uhr (Besichtigung), die Versteigerung startet um 15 Uhr.

Schirmherr der Veranstaltung ist Prof. Rico Gubler, Präsident der Musikhochschule Lübeck, mit der die Kunsttankstellen-Akteure eine Zusammenarbeit vereinbart haben, die für beide Seiten sehr fruchtbar sein könnte.

Künstler auf der Suche

15 Jahre ist es her, dass Lübecker Künstler sich zusammentun, 2006 gründen sie den gemeinnützigen Verein Defacto Art. Domizil ist das Hinterhaus Balauerfohr 31-33. Nach einer Kündigung durch die Vermieterin suchen die Kulturschaffenden eine neue Bleibe – und werden in der Wallstraße 3-5 fündig. Dort stehen die Räumlichkeiten leer, die bis 1989 der Familie Oltmanns gehörten: Tankstelle, Garagen und die Wasch- und Werkzeughalle. Die Stadt gibt der Künstlergemeinschaft das Nutzungsrecht. Wenn ein Finanzierungskonzept steht, können die Akteure das Gelände erwerben.

Dem Förderverein „Kunsttankstelle“ kann beitreten, wer das Projekt unterstützen möchte. Informationen gibt es bei Detlef Radenbach unter der Telefonnummer 0451/36205.

 Sabine Risch

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