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Lübeck Protest der Nachbarn: Neubau zu massiv
Lokales Lübeck Protest der Nachbarn: Neubau zu massiv
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21:24 19.07.2016
Auf dem Areal der ehemaligen Bäckerei Bannow soll gebaut werden: Nachbarin Mareike Michalak (36) ist gegen das geplante Gebäude mit 14 Wohnungen, weil es viel zu massiv sei. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

 Und zwar auf dem Areal an der Langen Reihe 3 bis 5. Auf diesem 1200 Quadratmeter großen Gelände sollen drei Gebäude errichtet werden. Eines davon hat drei Geschosse plus Staffelgeschoss, misst zwölf Meter, beherbergt 14 Wohnungen und hat eine Tiefgarage. Es soll auf dem Grundstück der ehemaligen Bäckerei Willy Bannow errichtet werden. Ein bekanntes Gebäude in dem Wohnquartier. Das Haus stand jahrelang leer und wurde jetzt abgerissen.

Anwohner wehren sich gegen geplanten Wohnblock im Viertel zwischen Stadtpark und Roeckstraße.

„Der Neubau ist zu hoch und hat zu viel Masse“, protestiert Architekt Tobias Mißfeldt. Er ist einer von 80 Anwohnern einer Interessengemeinschaft, die sich gegen das Bauvorhaben wehrt – darunter fünf Architekten. „Der Neubau hat eine geschlossene Erscheinung“, erklärt Mißfeldt. Das würde nicht ins Gesamtbild der Umgebung passen. Denn in dem ehemaligen Handwerkerviertel stehen Häuser, die meist zwei Stockwerke und ein spitzes Dach haben. Der Neubau hingegen hat drei Geschosse plus ein Staffelgeschoss. Das sei ein ganz anderes Erscheinungsbild und wirke viel mächtiger, so Mißfeldt.

„Die Häuser in der Umgebung sind alle kleinteilig“, argumentiert der Architekt.

Die Interessengemeinschaft hat sich in einem dreiseitigen Brief an die Stadtplanung gewandt. Dort hat der Investor einen Bauantrag gestellt. Da es für das Quartier keinen Bebauungsplan gibt, gilt die sogenannte Lückenbebauung. Heißt: Der Neubau muss sich in die Umgebung der bestehenden Häuser einfügen. Und da fangen die Probleme an. Denn bis zu einem gewissen Grad gibt es Spielräume. Oftmals orientieren sich Bauherren an dem höchsten Gebäude im Wohnviertel. Doch nach Ansicht von Mißfeldt passt der Neubau nicht. „In Art und Maß entspricht der Bau nicht dem Umfeld.“

Das sagt auch Mareike Michalak. Sie ist die Nachbarin des geplanten Neubaus und hat keine Zustimmung für das Vorhaben gegeben. Der Investor musste sie fragen, denn er hält die Abstandsflächen zu ihrem Haus nicht ein. Durch die Höhe von zwölf Metern muss der Neubau 4,80 Meter Abstand halten. Doch es sind nur 1,30 Meter. Daher hat sie abgelehnt. Michalaks Haus indes ist 11,20 Meter hoch – allerdings an der höchsten Stelle des spitzen Daches. Die Traufhöhe liegt bei neun Metern. Der geplante Neubau nimmt ihrem Garten und der Terrasse das Licht. „Klar soll das Grundstück bebaut werden – aber mit einer Architektur, die in das Viertel passt“, sagt Michalak, die auch vom Fach ist. Mißfeldt stimmt zu: „Uns geht es um das Gesamtensemble.“

Die Stadt will sich zum aktuellen Fall nicht im Detail äußern. „Wir prüfen derzeit den Bauantrag“, sagt Stadtplanungs-Chef Karsten Schröder. Der Investor müsse noch Unterlagen nachreichen. Wenn dann alles vollständig ist, hat die Stadt drei Monate Zeit, um über den Bauantrag zu entscheiden. Äußert sie sich in dem Zeitraum dann nicht, ist eine Baugenehmigung quasi automatisch erteilt.

Rückblick: Schon vor drei Jahren hatten Anwohner Sorge, dass auf dem Areal der Bäckerei Bannow ein massiver Wohnblock gebaut wird. Damals stand die alte Bäckerei noch. Nach Aussage des Stadtsprechers ging es damals um eine Bauvoranfrage für ein zweigeschossiges Wohnhaus mit Dachgeschoss. Es hieß, solch ein Bau sei grundsätzlich möglich. Der jetzt beantragte Neubau ist indes größer.

Alte Dorfstruktur

Im Wohnviertel zwischen Stadtpark und Roeckstraße war die alte Dorfstruktur noch lange an den Gebäuden abzulesen. Ein wesentlicher Teil ist mit der Bäckerei jetzt abgerissen worden, daneben war das Milchgeschäft platziert wie auch ein Blumenladen. Sie standen auf dem Areal zwischen Lange Reihe, Neustraße und Großer Vogelsang – und verwahrlosten. Gegenüber liegt noch der ehemalige Pferdestall, heute ein Wohnhaus. In dem ehemaligen Handwerkerviertel stammen viele Häuschen aus dem 19. Jahrhundert, viele sind heute aufwendig restauriert.

 Josephine von Zastrow

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